in Europa

Lange vor Karl Marx fand in Amoltern eine kleine kommunistische Revolution statt. Man begriff das Wort “Kommunismus” damals noch als Ableitung des lateinischen “communis”, was so viel wie “gemeinsam” heißt. Der heute noch gültige Begriff “Kommune” leitet sich ebenfalls davon ab. Eine solche Kommune wollte man im Jahr 1778 in Amoltern gründen.

Man wollte eine Gemeinschaft für kommunalen Besitz, gemeinschaftliche Arbeit und gemeinsame Erträge gründen. Dies scheiterte am politischen Willen der Obrigkeit, die darin ein Versuch zur Aufhebung der Ständeordnung sah. Danach dauerte es noch knapp 200 Jahre bis es auf deutschem Boden selbstständige Kommunen gab. Die Amolterer von damals, wollten unabhängig der Herrscher ihr eigenes Leben führen.

Heute würde man solche Leute “Autonome” nennen. Der Begriff hat nichts mit schwarzgekleideten Steinewerfern zu tun. Autonomie ist eine Gesellschaftsform, in der sich die Menschen selbst versorgen. Der Roman „Die Heiligen von Amoltern“, 1886 von Wilhelm Jensen (1837 – 1911) beschreibt die damalige Situation sehr gut. Die Amolterer von damals wollten keine Steuern bezahlen, erwarteten aber von der Obrigkeit auch keine Gegenleistung. Man könnte sie auch Separatisten nennen; einen Staat wie wir ihn heute kennen, gab es damals noch nicht.

Der Überlieferung nach haben auch reiche Güterbesitzer das Vorhaben unterstützt. Das Dorf Amoltern könnte daher die erste Kommune Deutschlands sein. Je nach Sichtweise könnte man aber auch von der ersten Genossenschaft sprechen. Man könnte Amoltern aber auch als die erste Kommune Österreichs bezeichnen, denn damals gehörte das Gebiet rund um den nördlichen Kaiserstuhl zur vorderösterreichischen Landgrafschaft Breisgau (Herrschaft Üsenberg). Abschaffung der Ständeordnung und kommunaler Besitz kann man durchaus als revolutionär betrachten.

Die damaligen Amolterer wussten, dass eine solche Gesellschaftsform nur in einer kleinen Kommune funktionieren könne. Damals war es üblich, dass in jedem Ort und jeder Stadt der Adel regierte. Das “neue” für Amoltern war, dass die Bürger selbst über sich entscheiden wollten. Wie ist es denn heute? Entscheiden die Bürger auf kommunaler Ebene selbst oder tanzen wir nach der Pfeife von Ländern, Bund und EU? Die 235 Jahre alte Revolution von Amoltern wäre heute wieder notwendig. Wenn wir seither eines gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dass es stets zu einer Katastrophe geführt hat, wenn zu wenige Herrscher oder sogar nur ein Führer, über ein zu großes Gebiet bestimmt. Kleinteilige Kommunen mit Gleichgesinnten bieten die bessere demokratische Struktur.

Amoltern als Lösungsweg für die Eurokrise? Statt sich der Obrigkeit zu unterwefen haben die damaligen Amolterer ihre eigene Suppe gekocht. Man sah die Gesetze und Abgabepflichten der herrschenden Klasse als nachteilig für sich selbst und beschloss daher den Austritt aus dem System. Erst durch das Verbot des Projektes durch die Herrscher musste Amoltern wieder “löhnen und sich unterwefen”, wie es in dem oben zitierten Buch heißt.

Wie geht es heute den Griechen oder den Isländern? Sind diese nicht auch in einem System gefangen, das ihnen schadet? Der Kommunismus von Amoltern ist übrigens nicht vergleichbar mit dem späteren Sozialismus. Der damalige Kommunismus bezog sich tatsächlich nur auf die Kommune. Spätere kommunistische Systeme erstreckten sich oft über mehrere Länder und konnten daher nicht funktionieren. Pater Romunald wollte damals in Amoltern eine Gemeinschaft für Besitz, Arbeit und Bedarfsdeckung bilden. Angesichts der damaligen Armut dürfte es sich um eine der ersten kommunalen Sozialversicherungen gehandelt haben. Wie lange das Experiment andauerte, weiß man heute nicht genau. Schriften zur Folge wurde das Projekt nach wenigen Jahren verboten.

Die Revoltion von Amoltern kann durchaus ein Vorbild für Europa sein. Durch die Gleichschaltung aller Menschen eines Kontinents entstehen Spannungen, die sich stets in Krisen entladen. Eine dezentrale Struktur mit eigenständigen Kommunen und mündigen Bürgerinnen und Bürgern vor Ort kann funktionieren. Zwar haben wir in Deutschland und Europa eine solche föderalistische Struktur, allerdings werden im Zuge der anhaltenden Krise immer mehr Kompetenzen zentralisiert. In den Krisenländern wächst die Armut – so wie damals in Amoltern. Eine reine kommunale Selbstverwaltung wäre wohl etwas übertrieben. Mehr direkte Demokratie der Menschen vor Ort und dezentralisierte Währungs- und Wirtschaftskreisläufe könnten allerdings eine Lösung darstellen. (Erschienen auf: morningbriefingnews.wordpress.com)

Quelle (teilweise): Rückseite des neuen Weißburgunder-Etiketts der WG Jechtingen-Amoltern

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