in Europa

Jährlich werden in der Europäischen Union rund 15 Millionen Tonnen Tomaten produziert, davon ca. fünf Millionen Tonnen in Italien. Das Hauptproduktionsgebiet ist die Region Apulien im Südosten Italiens mit einer Fläche von 19.000 km² und einer Bevölkerung von ca. 4 Millionen Einwohnern. Wirtschaftliche eine der ärmeren Regionen Italiens mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) welches bei nur 66 Prozent des italienischen Durchschnittes liegt, werden dort die meisten Tomaten produziert.

Westlich davon, an der ionischen und tyrrhenischen Küste werden in der Region Kalabriens auf seinen riesigen Plantagen Orange, Mandarinen und Klementinen produziert. Parallel zu Apulien sind viele Menschen dort von der heimischen Landwirtschaft abhängig.

Und mit ihr die Gemeinsamkeit der systematischen Ausbeutung von illegalen Einwanderern.

Aktuell ist eine stark vorangeschrittene Marginalisierung zu beobachten, die tragische Ausmaße annimmt. Arme Einwanderer und Flüchtlinge werden in das Prekariat der Sklaverei gedrängt. Arbeitszeiten von acht bis zwölf Stunden am Tag und Hungerlöhne von zwei bis drei Euro die Stunde zwingen die Arbeiter auf den Plantagen in Ghettos zu leben, die zumeist nur Hütten aus Plastikfolien, Pappe, Planen und verrotteten Zelten neben Haufen an Müll sind. Die Lebensbedingungen sind hart. So etwas wie einen Arbeitsschutz gibt es nicht und es wird mit den Arbeitskräften mit dem Prinzip der Ersetzbarkeit umgegangen. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (ÄoG) zählt unter den häufigsten Pathologien Knochenentzündungen, schwere Hautkrankheiten, starke Atembeschwerden, Gastritis und Darmentzündungen. Des weiteren leiden die Menschen unter chronischen Depressionen, welches unter anderem an ihrer aussichtslosen Lage liegt und daran das die Arbeiter keine Möglichkeit besitzen ihren Familien Geld zu schicken. Die Pflegestationen sind unterbesetzt und es mangelt an Einrichtungen, die sich um die Menschen vor Ort kümmern.

Informationen nach aus der Zeitung „die Zeit“ sind es jährlich 500.00 Erntehelfer, die aus Ländern wie dem Sudan, Burkina Faso, Mali und anderen Teilen Afrikas oder osteuropäischen Staaten kommen um in Italien bei den Gemüse und Obsternten zu arbeiten. Angaben der CGIL nach, Italiens größtem Gewerkschaftsbund, sind 70.000 von ihnen unter Bedingungen beschäftigt, die als moderne Sklaverei bezeichnet werden können. Die schwarzen Zahlen ganz verschwiegen. Größenteils ohne oder mit abgelaufener/ begrenzter Arbeitsbefugnis beschäftigt werden die Arbeiter von sogenannten Caporali abgeholt und zu den Feldern gefahren. Diese Caporali sind Ausgeburten der dort ansässigen mafiösen Strukturen wie zum Beispiel der N’Drangheta in Kalabrien. Ihre Aufgabe ist es, auf illegaler Art, Arbeiter und Arbeitgeber zusammenzubringen. Benötigt ein Großgrundbesitzer 200 Arbeitskräfte so kontaktiert er einen Caporale, der ihm diese auf das Feld fährt und einen Teil ihrer Löhne einbehält. Dies passiert oft unter verbalem oder physischem Zwang. Dem Sprecher Maurizio de Lucia, der Direzione Nazionale Antimafia (DNA), zufolge kontrolliert die Mafia die gesamte Produktionskette der Landwirtschaft und das obwohl ihre Haupteinnahmen aus Geschäften mit dem Kokainhandel und Waffenschmuggel aus den Ostblocklockländern kommen (das gesamte Einkommen dieser Organisation wird auf 60 Milliarden geschätzt). Der landwirtschaftliche Sektor wird zweitrangigen Kreisen überlassen und mit diesen sogenannten „coscas“ der Mafia. Die regionalen und staatlichen Stufen der Regierung sind unterwandert und mit ihnen die Subventionen und Strukturhilfen aus Europa und dem italienischen Staat.

Die großen Gewinner sind hierbei Landbesitzer, Mafia und die großen Exporteure und Produzenten wie die Caccavelli Group, La Doria und Passalacqua, doch sie sind nicht die Einzigen.

Bei jedem Kilogramm Tomaten oder Zitrusfrüchten, die sich der Endverbraucher in Supermarktketten wie Lidl, Carrefour und Coop kauft, fließt ein Teil des Geldes zu den Produzenten, den „coscas“ und unterstützt die moderne Sklaverei.

Und was passiert sobald eine Plantage nicht mehr rentabel ist?

Es wird die Polizei gerufen und die Immigranten in Identifikations- und Abschiebungszentren geschafft. Eine Blamage und Katastrophe für die Menschenrechte und den Respekt für das Wesen Mensch.

Ich stelle mir nun die Frage; wer der Hauptverantwortliche für die Marginalisierung und Schaffung eines Prekariats in Europa ist. Ist es der Mafiosi, der auf die Nachfrage antwortet? Die Exporteure in ihrem Kampf unter sich? Supermarktketten, die um jeden Preis, versuchen die Preise zu drücken? Oder ist es der Endverbraucher, der Konsument selbst, der in seinem Sparwahn, unbewusst und ungebildet, auf Qualität und Menschlichkeit verzichtet?

In Anbetracht dessen das Menschen, in Niedriglohnsektoren, zu unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen, sollte sich jeder Verbraucher, jeder Leser und Leserin, diese Frage zu Gemüte führen. Wir, Bürger und Bürgerinnen, entscheiden durch unseren Konsum einen großen Teil der Wirtschaftspolitik mit und sollten deswegen zweimal überlegen, ob uns Tomaten und Orangen wirklich so wenig kosten sollen – auf Kosten menschlicher Existenzen. Jeder kann in unseren freien Marktwirtschaft für sich selbst frei entschieden, was er essen möchte und eines steht zumindest für mich fest:

Meine Tomaten kaufe ich nicht mehr bei Lidl. Doch reicht das aus?

Ich denke nicht.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Was soll man nach diesem überzeugenden Appell denn tun? Keine Tomaten und Orangen zu kaufen, ist doch gar keine Lösung. Dann bleiben die Früchte an den Sträuchern hängen und die Erntehelfer haben nicht einmal das geringste an Einkommen.

    Die Lösung liegt nicht im Klagen, sondern in der Aktion durch die Staaten in Europa. Wenn unsere Regierungen auf beiden Augen blind sind, dürfen wir sie nicht wählen, da wir uns sonst mitschuldig machen an diesem Elend!

    • Eine gute Anlaufstelle sind zum Beispiel die kleineren Gemüsehändler, bei diesen kann man sich auch informieren wo die Produkte herkommen und unter welchen Bedingungen diese produziert wurden.
      Die Aktion liegt zwar an den Staaten von Europa, aber wer ist Europa?
      Wir.
      Deswegen muss erst der Konsument sich seines Konsums bewusst werden und dementsprechend kann dann etwas geändert werden. Ohne die Aktion von Bürgern wird sich ansonsten nichts ändern.
      Lg
      V.C.

  2. Es gibt noch eine andere Möglichkeit: nämlich den
    Medienkonsum etwas ausweiten, vielleicht auch etwas
    zu ändern.
    Unverb. Tipp: der Blog von Petra Reski, in Venedig
    lebende Journalistin und Autorin von Büchern über
    die Mafia.
    Reski ist eine interessante Frau, vermittelt immer wieder
    interessante Einblicke in italienische Verhältnisse.
    Zudem ist sie zurecht dezidierte Kritikerin deutscher
    Medien.
    Spanned und unterhaltsam, ausgesprochen
    angenehm ihre bescheide Art zu schreiben, ganz anders als die präpotente Art des Spiegels und
    anderer etwa.
    http://www.petrareski.com/blog/

  3. Die NWO will mit Gewalt den Coudenhouve-Khalergie-Plan einer devoten Mischrasse in Europa (mit dem Zentrum Deutschland) umsetzen, wie von Thomas P.M. Barnett bekannt, ein US-Militärstratege und Globalisierungsfanatiker:

    „Das Endziel ist die Gleichschaltung aller Länder der Erde … durch die Vermischung
    der Rassen, mit dem Ziel einer hellbraunen Rasse in Europa. Dazu sollen in Europa
    jährlich 1,5 Millionen Einwanderer aus der dritten Welt aufgenommen werden, Das
    Ergebnis ist eine Bevölkerung mit einem durchschnittlichen IQ von 90 – zu dumm, um zu
    begreifen, aber intelligent genug, um zu arbeiten…
    Jawohl, ich nehme die vernunftwidrigen Argumente unserer Gegner zur Kenntnis. Doch
    sollten sie Widerstand gegen die globale…

    • Ich finde es äußerst rassistische zu behaupten, dass Menschen aus der dritten Welt einen niedrigeren IQ haben als Menschen aus Industrienationen. Zumal ein IQ überhaupt nichts mit wirklicher Intelligenz zu tun hat. Ich erkenne an ihrer Haltung das eindeutige Fehlen jeglicher Ahnung über echtes Wissen. Jeder Mensch hat die gleiche Fähigkeit zu reflektieren und ich denke man kann behaupten, dass Menschen die sich zunehmend auf „Pseudowissen“ berufen im Gegensatz zu jenen Einwanderer eine um einiges niedrigere Intelligenz verfügen.