in Europa

Wer Gestik und Mimik von Angela Merkel in den vergangenen Jahren ihrer Kanzlerschaft aufmerksam verfolgt hat, wurde am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein deutliches Unbehagen nicht los.

Angela Merkel sah abgekämpft und müde aus. Die jüngste Pendeldiplomatie geht nicht spurlos an ihr vorbei. Die Sorge um den Ukraine-Konflikt war der Bundeskanzlerin deutlich anzumerken. Und so beharrte sie auch in München auf ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Waffenlieferungen an die Ukraine. Außerdem verteidigte Merkel den Verhandlungsaufwand, den die Europäische Union derzeit betreibe. In ihren Augen gebe es keine Alternative zu einer friedlichen Lösung. Der Beobachter fühlt sich indes bestätigt in seiner Analyse, dass das aktuelle Geschehen im Osten Europas zu einem Wendepunkt der Geschichte zählt. In der Vergangenheit waren derlei Auseinandersetzungen zwischen den großen Mächten der Welt immer auch Ausgangslage für gewaltige allumfassende Kriege.

Während man den Eindruck gewinnt, die europäischen Achsenstaaten Frankreich und Deutschland sind mehr denn je um eine friedliche Lösung im Konflikt mit Russland bemüht, so führt das säbelrasselnde Gebaren jenseits des Atlantiks zu einer permanenten Zuspitzung der Auseinandersetzung.
Hört man sich die Ausführungen des Senators von Arizona und ehemaligem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner John McCain an, so muss einem angst und bange werden. McCain fordert, umgehend Waffen an Kiew zu liefern. Die einseitige Aggression Russlands müsse Erwiderung finden.

Seit jeher tragen die Amerikaner ihre Schlachten fernab der Heimat aus. Es scheint, als hätte der mächtige Verbündete Europas kein Problem damit, die nächste große kriegerische Handlung im Herzen des alten Kontinents stattfinden zu lassen. Merkels und Hollandes Blitzbesuch bei Russlands Präsidenten Vladimir Putin am vergangenen Freitag war ein verzweifelter Versuch die eskalierende Lage in der Ostukraine in den Griff zu bekommen.

Die vielleicht letzte Gelegenheit eine Aufrüstung Kiews durch die Amerikaner zu verhindern und der Diplomatie Gehör zu verschaffen.
Als die dunklen Limousinen mit dem französischen Staatspräsidenten und der deutschen Kanzlerin zu später Stunde durch das verschneite Moskau zurück zum Flughafen rollten, hoffte ganz Europa auf einen geglückten Versuch der Verständigung. Die nächsten Tage werden zeigen, inwieweit es der deutsch-französischen Initiative gelungen ist, sich von Washington zu lösen und einen emanzipatorischen Weg der Deeskalation einzuschlagen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat in München indes unmissverständlich dargelegt, wer in seinen Augen die Verantwortung für die angespannte Lage in der Ukraine trage:
Die USA, so Lawrow, würden unermüdlich versuchen einen Keil zwischen Russland und den Rest Europas zu treiben.
Er verwies auf das Raketenabwehrsystem, welches in Osteuropa stationiert worden ist. Auch hätten die Amerikaner den kalten Krieg nie überwunden und würden in ihrem imperialen Machtgehabe die Welt destabilisieren.

Man kommt nicht umhin, in den Worten Lawrows Fakten zu erkennen, die dem tatsächlichen Weltbild näher kommen, als die Mehrzahl der Einschätzungen, die von Übersee nach Europa durchdringen.

Vertreter einflussreicher amerikanischer Denkfabriken betonen dieser Tage immer wieder die Konfliktmüdigkeit der USA und verweisen auf die unzähligen Einsatzorte des amerikanischen Militärs rund um den Globus. Doch führt man sich die Interessenlage im Zuge der Ukraine-Krise vor Augen, so wird schnell deutlich, dass die propagierte Ausgereitztheit der amerikanischen Kriegspolitik nicht zu den Geschehnissen in Osteuropa passt. Wie eine von alten Machtzwängen getriebene Supermacht, die zu allem entschlossen scheint, treiben die USA Europa vor sich her.
Ist der Vermittlungsversuch von François Hollande und Angela Merkel ernst gemeint, so muss man nicht nur Vladimir Putin die Stirn bieten, sondern auch den Kriegshetzern aus Washington.  Nur eine Randnotiz und doch weit mehr als ein pubertärer Brandstifter scheint derweil Petro Poroschenko. Der ukrainische Präsident lässt keine Gelegenheit aus, militärische Unterstützung vom Westen einzufordern.

Der Kiewer Lautsprecher sowie sein Zuarbeiter Arsenij Jazenjuk lassen mit ihren Aussagen alle friedliebenden Menschen in Europa erschaudern.
Den beiden, so scheint es, ist jeglicher Friedensansatz ein Dorn im Auge. Ein Zündeln bis die Welt in Flammen steht…

Es bleibt also ein sorgenvoller Beigeschmack. Und doch macht die europäische Friedenskampagne zumindest etwas Mut. Vielleicht führt die aktuelle Lage auch zu einem Erwachsenwerden europäischer Außenpolitik, zu einer Eigenständigkeit und Loslösung von Washington.
Nur ist die Frage, ob die Amerikaner da mitmachen.

 QUELLEN:

Foto: http://www.fotokritik.ru/photos/old/big/42912.jpg

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-merkel-vermittelt-zwischen-russland-usa-und-ukraine-a-1017280.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-lawrow-gibt-westen-schuld-an-verschaerfung-des-konflikts-a-1017273.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/debatte-um-waffen-fuer-ukraine-merkel-angreifen-um-obama-zu-treffen-1.2341401

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. „Nur ist die Frage, ob die Amerikaner da mitmachen.“ Das hat der EU egal zu sein. Die EU hat ihre Interessen zu vertreten und nicht die der Bankster aus Amerika.

    Ich fürchte nur, dass es keinen Politiker gibt, der nicht schon dermassen korrumpiert ist um das durchzuziehen.

  2. Danke dem Autor für diese offenen und neutralen Artikel. Es ist wirklich beängstigend wie jede Friedensbemühung durch Europa gleich von den USA torpediert wird.
    Diesen Konflikt kann und muss Europa gemeinsam mit Russland und der Ukraine (ohne US-Marionetten in der der Regierung wie Jazenjuk und Co) Lösen.

  3. Hoffentlich sind Merkels Aktivitäten wirklich diplomatische Versuche, das schlimmste abzuwenden! Ich befürchte, dass es eher um PR geht: Die deutsche Öffentlichkeit, die in der Mehrheit gegen martialische Gesten in Richtung Moskau ist, soll womöglich glauben, dass die Kanzlerin nicht auf Seiten der Kriegstreiber steht. Das wäre nicht das erste Mal, dass Merkel vordergründig dem Volke nach dem Mund spricht und im Hintergrund ganz andere Fäden zieht – siehe Energiewende.

  4. Merkel soll wegen der Waffenlieferungen in die usa geflogen sein.

    Ist das so? Oder ist das nur Theater für das Heer der Bildleser? Reine Propaganda?

    Gibt es denn eine eigenständige Deutsche Außenpolitik, oder ist Merkel derart us-unterwürfig, dass sie nicht mal die Abhöranlagen in 100 m des Reichstagsgebäudes entfernen läßt?

    Und seit wann läßt sich der us-Imperialist etwas von einem seiner Statthalter sagen?

    Gehört habe ich das Wort wohl, allein der Glaube fehlt mir…