in Europa

Ein vernichtender Bericht über die belgische Reaktion auf die Angriffe von Paris zeigt scheinbar gravierende Schlamperei bzw. Mangel an Ressourcen. Aber ein Hauch von Gladio liegt in der Luft.

Von Ali Menteher – Die belgische Polizei hatte seit Mitte 2014 Informationen darüber, dass die Paris-Attentäter Salah und Brahim Abdeslam “einen irreversiblen Akt“ planten. So legt ein geheimer Bericht der Polizei nahe, der Reaktionen der Behörden auf die Paris–Angriffe bewertet. Brahim Abdeslam sprengte sich in Paris im November während jener Angriffe in die Luft, die 130 Personen das Leben kosteten. Sein Bruder Salah floh und konnte in Brüssel im vergangenen Monat festgenommen werden, nur vier Tage vor den Terroranschlägen in Brüssel.

Die Schlussfolgerungen des Berichts, von dem ein Exemplar an POLITICO geleakt wurde, beschreibt die Radikalisierung der Brüder Abdeslam. Sie hatten Verbindungen zum Mastermind der Paris-Attacken, Abdelhamid Abaaoud, und ihre Absicht, ähnliche Verbrechen zu begehen, war den belgischen Sicherheitskräften lange vor den Anschlägen bekannt. Die Anti-Terror–Einheit der Polizei argumentiert, dass man keinen Bericht über die Brüder in der zentralen Polizeidatenbank speichern konnte, weil nicht mit Sicherheit nachgewiesen war, dass der eine Bruder beteiligt war.
Aber es scheint eher so zu sein, dass die Namen der beiden Brüder Abdeslam, die beide im Problem-Stadtteil Molenbeek in Brüssel lebten, bereits in der Datenbank vorhanden waren.

Der Bericht hebt individuelle Schlamperei von Einzelpersonen, begrenzte Ressourcen und mangelnde verfahrenstechnische Anleitungen für Beamte im Umgang mit streng vertraulichen Informationen als Ursachen der Panne hervor: “Nichts geschah mit den Unterlagen nach der Abfassung der Niederschrift (mit Informationen über die Gebrüder),” heißt es im Bericht, und weiter, dass die Dossiers aufgrund von “Kapazitätsproblemen” nicht bearbeitet wurden, folglich sei bis zu den Anschlägen in Paris nichts geschehen.

Computer, USB-Sticks, Telefondaten wurden nicht ausgewertet

Die Behörden waren ferner im Besitz von Computern, USB–Sticks und Telefondaten in Bezug auf die Abdeslam Brüder -und das schon seit Februar 2015, aber hätten diese Informationen nicht verwenden können: “nicht einmal nach Paris, oder vor Kurzem.” Anträge belgischer Staatsanwälte, die Telefongespräche und e-Mails der Brüder Abdeslam abzuhören bzw. auszuspähen, wurden aufgrund mangelnder Ressourcen von der Polizei abgelehnt, so Le Soir.
Die Anforderung wurde an die Anti-Terror–Einheit weitergeleitet, nachdem die Brüder von Behörden Anfang 2015 unter dem Verdacht der Planung einer Reise nach Syrien befragt wurden. Die ermittelnden Staatsanwälte suchten dann Unterstützung für die Telefon–Überwachung bei anderen Einheiten der Polizei, was aber wiederum abgelehnt wurde. Am 21. April 2015 hatte die Polizei schließlich entschieden, dass man den Abdeslam-Fall nicht weiter verfolgen wolle.

Von Gladio zu Comité P

Der Bericht wurde von einem “Comité P” verfasst , einer Prüfstelle, die potenzielle Mängel der Polizeiarbeit untersuchen sollte, aber sich offenbar nicht der politischen Führung und erst recht nicht der Öffentlichkeit offenbaren wollte. Das von POLITICO enthüllte Dokument wurde als “streng vertraulich” eingestuft –von mehreren staatlichen Quellen, die POLITICO kontaktierten. Oben auf jeder Seite waren die Worte “Eyes Only” vermerkt, es sollte nur von einer ausgewählten Gruppe von Parlamentariern eingesehen werden, denen sogar Notizen verboten wurden. Keine Kopie des Berichts sollte das Zimmer verlassen. Doch im Zeitalter der Whistleblower blieb dies eine Illusion.

Welche Folgerungen zu ziehen sind ist unklar. An Überwachungsdaten über die Attentäter hat es zumindest nicht gefehlt, so dass die von Hardlinern stereotyp nach jedem Anschlag geforderte Ausweitung von Überwachung und Einschränkung der Bürgerrechte fehl am Platze erscheint. Ob nur Schlamperei oder ein System hinter dem Polizeiversagen steckt, ist nicht absehbar. In der Vergangenheit hat es jedoch genug Fälle gegeben, wo nach Terroranschlägen im Nachhinein eine Verwicklung offizieller Organe ans Licht kam.

In Belgien gab es in den 1980er-Jahren eine Reihe brutalster Überfälle mit zahlreichen Toten, die Jahre später als Teil der “Stay Behind” (Gladio)-Connection eingeordnet werden musste. Im Nachbarland Luxemburg kam ebenfalls erst Jahrzehnte später eine Bombenserie von Gladio ans Licht -nach dem die damaligen (meist Linksterroristen angelasteten) Anschläge ebenfalls durch eine verdächtige Verkettung von Ermittlungspannen niemals aufgeklärt werden konnten. Deep state -Dunkelmänner in Staat, Militär und Geheimdiensten lassen grüßen.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Und wenn einer einen Anschlag machen will ,
    kann er ihn noch lange nicht ausführen .
    Die wichtigsten Fragen woher haben die Attentäter den Sprengstoff und die Zünder und welcher Sprengstoff wurde verwendet ? Das kann genau analysiert werden und die Herkunft festgestellt . Ähnlich ist es bei „selbstgebasteltem“ Sprengstoff – auch da läßt sich die Herkunft der Chemikalien feststellen .

  2. „…durch eine verdächtige Verkettung von Ermittlungspannen niemals aufgeklärt werden konnten.“

    Klar KANN man alles aufklären.
    Der Staat führt halt die Ermittlungen…
    Warum sind denn z.B. tausende Kamera-Daten von 9/11 vom Pentagon noch „geheim“?

    WER profitiert denn vom Terror am meisten?

  3. Wir leben in Zeiten, in den man eigentlich nichts mehr glauben kann. Hat das Ereignis so stattgefunden, wie man es uns präsentiert? Stimmen wiederum Berichte wie dieser? Zweifel sind immer und immer wieder angebracht! Da hilft nur Kant: „habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

    Eins scheint aber festzustehen: Belgien ist ein failing state, mitten in Europa! Ein trojanisches Pferd, welches für uns alle den Untergang bedeuten kann! Bespiele gefällig: EU/Brüssel, Nato-Hauptquartier, Terrorbrutstätte, marode Atomkraftwerke, der staatliche Zerfall und Gegensatz von Walonen und Flamen.

    Dem Belgier gilt jedoch meine Sympathie und Solidarität! Dieses so sympathische und friedliebende Volk hat man verkauft und verraten.