in Europa

Berlin (AFP) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 nur für möglich, wenn der Ukraine eine Transitrolle für russisches Erdgas bleibt. Es könne nicht sein, „dass durch North Stream 2 die Ukraine keinerlei Bedeutung mehr im Blick auf den Transit von Erdgas hat“, sagte Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Berlin.

Quelle: www.zeit.de

Die Feste der Europäischen Union in Person der deutschen Bundeskanzlerin hat sich, allen zur Schau gestellten Vorbehalten gegen die scheinbar nicht genügend linksliberale aktuelle US-Präsidentschaft zum Trotz, doch recht schnell wieder ins Fahrwasser der US-Strategie für Europa begeben und betreibt diese fleißig mit. Mit obigem Zitat sagt die Bundeskanzlerin im Grunde nichts Neues, denn es wurde schon früher geäußert, man solle die Ukraine möglichst irgendwie als Transitland erhalten. Aber anstelle von Wünschen spricht sie nun eine Bedingung aus: „nur möglich, wenn“. Und „umstritten“ ist Nord Stream 2 nun auch schon.

Nach dem bewaffneten, pro-amerikanischen Umsturz im Februar 2014 in der Ukraine bestand eine der wichtigsten Aufgaben des Kreml darin, den – wie es aussah – zeitweilig US-kontrollierten Keil in einer möglichen eurasischen Partnerschaft durch die Schaffung von Umgehungsstrecken für russische Erdgaslieferungen nach Europa ungefährlich zu machen. Dazu dienten die Projekte „South Stream“ und „Nord Stream 2“. Beide dieser Projekte sind zum heutigen Tag in ihrer ursprünglich gemeinten Funktion gescheitert. Das stand bereits seit einiger Zeit zu erwarten, aber heute hat die deutsche Bundeskanzlerin durch die erwähnte Bedingung der Sache endgültig den Garaus gemacht. Deutschland war die letzte Hoffnung, dass es doch noch gelingt, dem der Europäischen Union und Russland von den USA bereiteten Schicksal zu entgehen.

Der Amerikaner am ukrainischen Ventil

Der Erdgas-Transit durch die Ukraine ist für Gazprom deshalb gefährlich, weil dort indirekt die Amerikaner an den Ventilen sitzen. Selbst für den Fall, dass nur vergleichsweise geringe Mengen diesen Transitweg nehmen, genügt nur eine kleine Krise, zumindest bestimmte Regionen Europas zeitweilig ohne Erdgas dastehen zu lassen. Im Schaffen und Aufschaukeln von Krisen zum richtigen Zeitpunkt sind die Amerikaner nun durchaus erfahren. Infolgedessen würde Gazprom als nicht vertrauenswürdiger Vertragspartner gelten, was dazu führte, den Bezug von Erdgas dieses Lieferanten weiter herunterzufahren und auf andere Quellen umzustellen. Unter dem Vorwand der Diversifikation.

Nun ist es aber zufälligerweise so, dass die USA sowohl die Ukraine „betreuen“, als auch daran interessiert sind, den europäischen Erdgasmarkt zu ihren Gunsten umzustrukturieren. Die Entscheidung Russlands, dieses Land bei den Lieferungen zu umgehen, war logisch. Genauso logisch aber ist es für die US-Amerikaner und ihre Gefolgsstaaten, diese Umgehungsstrecken zu torpedieren. Die geplanten Umgehungsstrecken hatten von vornherein eine Reihe an Schwachstellen. Buchstäblich jede davon wurde von den Amerikanern, in der Regel über Marionettenregimes, angegriffen.

Das Scheitern der Süd- und Nordrouten

Zuerst kam die Einstellung von „South Stream“ vermittels Bulgarien – und dabei ist es ganz egal, dass die Bulgaren sich dadurch ins eigene Bein schossen, denn die Interessen Bulgariens bedeuten den USA natürlich rein gar nichts. Das Nachfolgeprojekt von „South Stream“, nämlich „Turkish Stream“, ist unlängst ebenso gescheitert. Dass anstelle der in „South Stream“ geplanten 63 Milliarden jährlichen Kubikmeter Erdgas inkl. 47 Milliarden Kubikmeter Transit nach Europa heute im Nachfolgeprojekt „Turkish Stream“ nur noch eine Röhre mit max. 15,75 Milliarden Kubikmetern jährlich – und das nur für den türkischen Markt – verbleibt, ist nichts anderes als ein Scheitern. Und zwar der kompletten Südroute. Selbst diese eine verbleibende Röhre des „Turkish Stream“ ist noch nicht endgültig sicher. Die für die ursprünglichen Kapazitäten dieses Projekts vorgesehenen und auf russischer Seite bereits verlegten Pipelines – über 500 Kilometer Länge – werden einer jüngeren Meldung von Gazprom zufolge eingestampft.

Jetzt ist „Nord Stream 2“ an der Reihe, und Deutschland wiederholt den „Stunt“ der Bulgaren. Ganz genau so schießt sich Deutschland mit der Perspektive auf teureres Fracking-Gas aus Amerika mehrfach ins eigene Bein. Aber genau wie bei den Bulgaren kümmern die Interessen Deutschlands die Amerikaner – und in dem Fall auch Merkel – kein bisschen.

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21 Kommentare

  1. Die Ukraine hat sich im Süden als Transitland selbst disqualifiziert. Sie hat sich an keine geschlossenen, gültigen Verträge gehalten und in der Manier von Raubrittern agiert.

    Im Norden trifft gleiches für Polen zu und das bereits seit der Wiedergründung des polnischen Staates nach dem WK II zu.

    Was nicht so bekannt ist, während der Sozialismus-Zeiten wurden Güterzüge zwischen der DDR und der Sowjetunion bewusst fehlgeleitet und ausgeplündert. In der Konsequenz wurde Polen durch eine kostenaufwendige, direkte Eisenbahnfährlinie umgangen.

    Wer eine Versorgungsstabilität für Deutschland und Europa will, kann es nur durch Trassen, die nicht durch solche Staaten führen.

    Jede andere Lösung bringt auch eine direkte Abhängigkeit von den USA.

    • Kann gut sein, dass sich die Ukraine als Transitland disqualifiziert hat, aber sie ist ein guter Vasall, dem man durch die Merkelsche Bedingung einen Revolver an die Hand gibt, den er nach Gutdünken an Gazproms Stirne halten kann. Denn wer bestimmt denn, wieviel Transit durch die Ukraine „genug“ ist?

  2. Merkel ist voll dabei, die Voraussetzungen für den nächsten großen Krieg zu schaffen, in den Deutschland dann auch ganz involviert werden wird. Wollen wir hoffen, dass sie durch die anstehende Krise weggefegt wird, vielleicht gerade zur Halbzeit der GroKo. Es wird übrigens immer deutlicher, dass die FDP gute Gründe hatte, sich nicht in die Verantwortung für die kommenden Großereignisse zu begeben.

  3. Die Ukraine, Polen, die baltischen Staaten – und im weiteren Sinne die Vishegrad-Gruppe – sind mehr oder weniger der Riegel, den die Amerikaner zwischen Russland und Deutschland/Europa schieben. Das ist ja kein Geheimnis. Interessant in dieser Betrachtung ist eigentlich einzig, dass Europa von allen Seiten nur als Markt, also als Objekt (und nicht Subjekt) der internationalen Politik betrachtet wird.

    • „Richtig ist, dass es nicht sein kann, dass durch Nord Stream 2 die Ukraine keinerlei Bedeutung mehr mit Blick auf den Transit von Erdgas hat“, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Berlin. „Es handelt sich nicht nur um ein wirtschaftliches Projekt“, ergänzte Merkel. Sie änderte damit ihre bisherige Sprachregelung.

      finanzen.net/nachricht/aktien/merkel-sieht-in-nord-stream-2-nicht-mehr-ausschliesslich-wirtschaftliches-projekt-6084415

      „Es handelt sich nicht nur um ein wirtschaftliches Projekt“ … sondern um ein geoplitisches Projekt, weshalb es zum wirtschaftlichen Schaden für die beiden Geschäftspartner Russland und Deutschland gestört werden muss.

      • Merkel: Sie änderte damit ihre bisherige Sprachregelung leicht.

        Wir kennen doch Merkels hinterlistige Art und Weise: Merkel hat angefangen, das Projekt North Stream 2 im Interesse der USA zu boykottieren.

    • Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat nach dem deutschen Bergbaurecht die Genehmigung erteilt, ebenso die Finnen – also die fachlich und sachlich zuständigen Behörden, für ihren jeweils territorial zuständigen Bereich.

      Politisch wird von allen Feinden Deutschlands – insbesondere von der Partei der Grünen – weiter gegen Nordstream gehetzt und das auch auf europäischer Ebene. Von ihnen werden die baltischen Staaten und insbesondere Polen, sowie als direkt unbetroffenes Land – die Ukraine – zum Widerstand gegen Nordstream aufgebracht.

    • Finnland hat zugestimmt.

      Die Zustimmung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie gilt nur fachlich, aber nicht (geo)politisch. Das letzte Wort spricht Frau Dr.Merkel, geb. Kasner-Kazmierczak.

  4. wie hörig muß eine Frau M. sein um dieses Projekt,welches zum Wohle des Volkes ist, zu boykottieren…. Fr. M. kriecht lieber der UK Faschisten in den A**** und läßt sich von den Amis,Franzosen und Engländern ( Alliierten Besatzung) immer noch vorschreiben wohin der Weg geht….ich will keinen Krieg mit Russland.!

  5. Ich hoffe, dass die GroKo bald zerbricht. Deutschland braucht Neuwahlen und dann sollten die Wähler sich echt überlegen, wo sie ihr Kreuz setzen.

  6. Entweder haben wir bis 2020 den gerade noch für die Anzettler steuerbaren Bürgerkrieg in Europa, oder bis 2025 einen 3.Weltkrieg.
    Die auserwählte Finanzelite braucht mindesten eins von Beiden, um ihr verdammtes Geldsystem zu retten!
    So ganz nebenbei wird auf diese Weise ein guter Teil, wenn nicht Alle nutzlosen Esser entsorgt.
    Man will die Welt für sich, mit ein paar Millionen Idioten, die die Arbeit machen.