in Essen & Trinken

Oft ist in Politik und Medien zu hören, dass die Versorgung mit sauberem Wasser der ausschlaggebende Grund für Kriege in der Zukunft sein wird. Dies ist jedoch kein mögliches Szenario, das in unabsehbarer Zukunft liegt.

Schon heute ist Wasser im östlichen Mittelmeer knapp. Gerade auf der Mittelmeerinsel Zypern mit seinen heißen Sommern und seinen milden Wintern stellt  die Wasserversorgung ein gewaltiges Problem dar.

Die vorherrschende „Macht“ in puncto Trinkwasser in der Region ist die Türkei. Das Land, das nicht gerade für seine Bodenschätze bekannt ist, rückt durch seine großen Trinkwasservorkommen immer weiter in den Vordergrund.

Gut möglich daher, dass nach dem Ende der Rohölförderung im Nahen Osten, die Türkei ein neuer Schauplatz für Unruhen und Kriege wird.

Die Türkei besitzt gute Beziehungen zu Zypern. Jedoch nur zu einem Teil der Insel. Auch wenn die Weltgemeinschaft Zypern als ein Ganzes sieht, ist das Land in einen Süd- und in einen Nordteil geteilt.

Der Süden steht dem Mutterland Griechenland Nahe. Der Norden der Türkei. Ein Versuch, die beiden Landeshälften zu vereinen, scheiterte 2004 am Veto des Südens. Neue Verhandlungen über eine Wiedervereinigung sind im Gange.

Es täte dem von der Finanzkrise erheblich gebeuteltem Süd-Zypern sicherlich gut, von der nationalistisch geprägten Hardliner-Strategie abzuweichen. Nicht nur die schlechte wirtschaftliche Situation Griechenlands, auch die immer weiter erstarkende Wirtschaftskraft der Türkei sollten zu einem friedlichen Miteinander führen.

Beide Teile des Landes leiden schon jetzt erheblich unter dem Wassermangel auf der Insel. Dieses Problem scheint der Norden nun mit einem Deal für die nächsten 30-50 Jahre gelöst zu haben.

2011 wurden die Weichen für das Projekt „Nordzypern Wasserversorgung“ gelegt. Es sieht vor, dass Flusswasser auf türkischer Seite aufgestaut, über ein 66,5 km langes, schwebendes Rohrsystem über das Mittelmeer an die Nordküste Nordzypern gefördert, dort gereinigt und über ein weiteres Rohrsystem innerhalb des Landes verteilt wird.

Das Projekt wurde letzte Woche von türkischer Seite als „erfolgreich beendet“ verkündet und zeigt, wie das einst schwache Land mittlerweile Großprojekte zeitnah abschließen kann. 66,5 km des insgesamt über 100 km langen Rohrsystems verlaufen dabei unter Wasser. Die Rohrabschnitte von jeweils 500 m „schweben“ an Drahtseilen mit Betonblöcken am Boden befestigt, quasi im Mittelmeer. Was fehlt sind lediglich die Rohre, die das ankommende Wasser innerhalb des Landes befördern. Dies scheint jedoch eher die Aufgabe der nordzypriotischen Regierung zu sein.

Laut Angaben der Projektkoordinierungsstelle DSI soll Nordzypern jährlich 75 Millionen m³ Wasser aus der Stauanlage in Anamur erhalten. 50% hiervon sollen als Trinkwasser aufbereitet werden. Der Rest fließt zu einem großen Teil an die Industrie und zu einem Teil an die Bodenbewässerung. Über die Folgen für Umwelt und Natur wird selbstverständlich nicht all zu viel gesprochen.

Der türkische Staatspräsident Erdogan ließ verlauten, dass man gerne bereit wäre, unter dem Namen „Friedenswasser“ auch den südzypriotischen Teil der Insel mit Wasser zu versorgen. Ob der Vorschlag jedoch angenommen wird ist fraglich.

Früher oder später müssen sich jedoch Länder wie der Libanon, Syrien, Palästina und Israel ernsthafte Gedanken über die Wasserversorgung ihrer Bevölkerung machen, sofern sie sich der globalen Erderwärmung und Dürre nicht völlig ausliefern möchten. In einer Welt mit sinnfreien Kriegsschauplätzen können wir uns weitere Kriege für Wasser nicht leisten. Daher spielen diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen in der Region eine noch größere Rolle als bisher.

Auch für die Europäische Union rückt die Türkei in dieser Angelegenheit wieder in den Fokus des Interesses. Eine Unterversorgung mit Wasser wird für neue Flüchtlingsströme nach Europa sorgen. Nach dem Angebot der Visaerleichterung, neuen Beitrittsverhandlungen und drei Milliarden Euro seitens der EU an die Türkei, könnte die Förderung von weiteren Wasserprojekten durch Ankara durchaus von hoher strategischer Bedeutung sein.

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