Trumps neue Kommandozentrale im „Winter White House“ Mar-a-Lago

Mar-a-Lago, ein Anwesen in Palm Beach/ Florida mit 58 Schlafzimmern, 128 Zimmern insgesamt und drei Bunkern, wurde 1985 von Donald Trump für nur 10 Millionen US-Dollar gekauft. Seit dem galt das Anwesen neben New York City als der Wohnsitz von Donald Trump, zu dem auch ein exklusiver Golfclub gehört. Ein Blick in die Geschichte des Anwesens offenbart, dass es einst als Weißes Haus für den Winter geplant war.

Im November 2016 titelte die Zeitung „Palm Beach Daily News“ mit der Frage, ob Trumps Mar-a-Lago einmal zum „Winter White House“ werden könnte. Im Januar 2017 erklärte der gewählte Präsident: „Ich schreibe meine Antrittsrede im Winter White House Mar-a-Lago. Auch John F. Kennedy schrieb seine Antrittsrede auf dem Anwesen seines Vaters im North End der Stadt Palm Beach. Marjorie Merriweather Post hatte das Anwesen in den 1920er erbauen lassen und wollte die Villa zu einem offiziellen Winterrückzugsort von Präsidenten machen.

Selbst für Palm Beach Verhältnisse war Mar-a-Lago damals grandios: 58 Schlafzimmer, 33 Bäder mit vergoldeten Armaturen und ein 1.800 Quadratmeter großes Wohnzimmer mit 12 Meter hohen Decken. Auf 10.000 Quadratmetern glitzerte Blattgold, spanische Fliesen, italienischer Marmor und venezianische Seide. Der Garten umfasst 35.000 Quadratmeter. Marjorie Post gab für den Bau des Anwesens 7 Millionen Dollar aus. Das entspricht heute der Summe von etwa 90 Millionen Dollar. 1927 war das Anwesen fertiggestellt.

In den 50er und 60er Jahren änderte sich der Geschmack und viele große Villen wurden abgerissen. Nicht so Mar-a-Lago. Post sah Mar-a-Lago als Winter-Rückzugsort für Präsidenten in Washington D.C. Sie arrangierte, dass das Anwesen dem Staat geschenkt wurde. 1968 wurde Mar-a-Lago schließlich offiziell zum Weißen Haus im Winter erklärt und zum Eigentum der Vereinigten Staaten. 1981 kam Mar-a-Lago schließlich auf den Markt und drei potenzielle Verkäufe scheiterten, bis schließlich Donald Trump das Anwesen 1985 für nur 10 Millionen Dollar kaufte. Somit ging der Wunsch von Marjorie Post doch noch in Erfüllung, denn Donald Trump residierte in den vergangenen vier Jahren regelmäßig in Mar-a-Lago und empfing dort sogar Staatschefs und hochrangige Politiker.

Um die Inauguration von Joe Biden am 20. Januar ranken sich viele Gerüchte, genau wie um Donald Trump, der nun im Winter White House residiert. Die Gerüchte wurden befeuert, da Trump nun seine Kommandozentrale in Mar-a-Lago errichtet und dort offiziell sein „Büro des ehemaligen Präsidenten“ eröffnet hat. In Washington D.C. sind zudem merkwürdige Geschehnisse zu beobachten. So scheint das Weiße Haus nicht bewohnt zu sein und das ganze Regierungsviertel ist immer noch vollständig vom Militär abgeriegelt – die Lage vor Ort ist gespenstisch, das Militär soll noch bis Mitte März dort bleiben.

In dem offiziellen Statement des ehemaligen Präsidenten, welches mit der Präsentation seiner Webseite einherging, heißt es: „Palm Beach County, Florida – Heute hat der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald J. Trump, offiziell das Büro des Ehemaligen Präsidenten eröffnet. Das Büro wird dafür verantwortlich sein, die Korrespondenz von Präsident Trump zu managen, öffentliche Statements abzugeben und offizielle Aktivitäten zu organisieren, die den Interessen der Vereinigten Staaten dienen. Die Agenda der Trump Administration soll durch Interessenvertretung, Organisation und öffentliche Aktivitäten fortgeführt werden. Präsident Trump wird immer und ewig der Champion für das amerikanische Volk sein.“

Trump Former Präsident

Das Statement klingt, als sei Trump eine Art „Schattenpräsident“. Das ehemalige Billardzimmer wurde in eine Kommandozentrale umgewandelt. Sicherheitsvorkehrungen schützen den Raum vor unerwünschten Gästen, und die wenigen Besucher, die hineingelassen werden, müssen für die Dauer ihres Besuchs auf Mobiltelefone und digitale Medien verzichten. An einer rot-weiß-blau gestrichenen Wand – den Farben der amerikanischen Flagge – sind drei digitale Whiteboards angebracht. Jedes so groß wie ein großer Flachbildfernseher. Werden wir in den kommenden Wochen und Monaten noch überraschende Wendungen in der US-Politik erleben?