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Der Wegwerf-Skandal bei Amazon: Retouren werden weggeschmissen – nur wer hat Schuld?

Die Empörung in Deutschland war groß, insbesondere in den staatsgetragenen Sendungen des öffentlichen Fernsehens: Amazon erhält Retouren und wirft diese dann weg. Oder zerstört die Retouren und wirft sie dann weg. Ein kapitalistischer Trick, um die armen Käufer hohe Preise zahlen zu lassen, anstatt die Ware an Bedürftige zu verschenken? Oder steckt mehr dahinter?

Schenkungen lässt sich der Staat bezahlen

Tatsächlich hält hier der Staat die Hand auf. Die Schenkung an Bedürftige ist eine gute Idee – die würde möglicherweise sogar Amazon nachvollziehen können, sofern darunter keine vermuteten Kunden wären. Nur ist die Sache offenbar nicht so einfach, wie es die empörten Politiker und Journalisten des Mainstreams gerne hätten. Wer schenkt, zahlt darauf Mehrwertsteuer, hier 19 %. Wenn also Amazon eine Ware im Wert von 100 Euro verschenkt, kostet das den Konzern 19 Euro. Die Zerstörung der Retouren soll ungefähr bei 5 Euro Kosten liegen. Dies dürfte allerdings von den Waren selbst abhängen, die Größenordnung jedenfalls stimmt. Mit anderen Worten: Amazon würde 14 Euro oder 14 % mehr vom ursprünglichen Warenwert drauflegen, um die Ware zu verschenken.

Es gibt wohl keinen Kaufmann weltweit, der freiwillig Geld investieren würde, um dem Staat eine Art von Schenkungsteuer zu finanzieren. Hier wäre es für Amazon sogar günstiger, beispielsweise 5 Euro zu verschenken und die Ware dennoch zu zerstören. Die Empörung ist offensichtlich geheuchelt und trifft natürlich Amazon gerne. Das Unternehmen hat ohnehin nicht das beste Bild hinterlassen und gilt als Zerstörer des Handels.

Die Steuerproblematik würde indes auch den kleinen Blumenladen betreffen, der seine fast verwelkende Ware ja offiziell ins Altenheim geben könnte (statt unter der Hand, wie es oft in der Praxis laufen wird). Die Ware darf eben nicht einfach „verkauft“ sein, sie muss zerstört sein, damit der Staat seine Hand von der Mehrwertsteuer lässt. Das müsste eigentlich auch die Politik wissen.

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Kommentar

  1. Sind 90% der Produktion nicht sowieso nur da,
    um gekauft zu werden und nach unterschiedlicher Zeitspanne weggeworfen zu werden .
    — Kaufen als Lustgewinn .
    Der Fortschritt : Dinge werden bestellt (Lustgewinn) und anschliessend gleich vernichtet (Die Produktion muss weiter laufen)

  2. Ergänzung zum Artikel. Wem sollten denn die Retoure-Sachen, nach Meinung unserer Dumpfbacken-Politiker und MSM-Schreiberlingen geschenkt werden?

    Wenn ich etwas an Fremde verschenke, dann an Bedürftige.

    Wenn ein Konzern Produkte an Bedürftige verschenkt, die im Regelfall Leistungen des Staates erhalten – Hartz IV, Grundsicherung im Alter, soziale Leistungen, dann greift sofort das Prinzip des geldwerten Vorteils und es werden diese Geschenke auf den Bezug der Leistungen angerechnet. Schließlich ist es nachprüfbar, da der Konzern der Nachweispflicht unterliegt.

    Diese verachtenden Gesetze haben auch die Politiker durchgepeitscht, die jetzt den heiligen Samariter von Amazon einfordern.
    Diese vordergründige Gutmenschen-Fürsorge erregt Ekel.

  3. Wir haben eine Überproduktion die durch die Leistung der Lohnabhängigen Arbeitnehmer entstanden ist, doch diese Leistung muss vernichtet werden, damit ein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der Regierung und Wirtschaft bestehen bleibt. Verstehe ich das so richtig? Der Staat sind wir alle und wir alle halten angeblich die Hand auf, um einen 19 prozentigen Anteil zu bekommen? Die Regierung sind wenige. Da wird also bis 19%, oder mehr, von unserem Berufsleben einfach weggeworfen, das über die Hälfte unseres Lebens aus macht.

    Das ist eine Beleidigung und Benachteiligung gegenüber uns Arbeitnehmer.

    Der beste Widerstand gegen eine Diktatur ist es, wenn man sich so viel wie möglich das nötige zum Leben selbst macht.

    • @Habnix,

      wir haben Abgaben und Gebühren. Da war mal erkennbar, wofür sie gedacht und verwendet werden.

      Steuern können erhoben werden, ohne dass der Verwendungszweck feststeht. Bei der Einführung wird mit blumigen Worten die Notwendigkeit erklärt und dass wir alle davon profitieren. Gern schaut man auch zusammenhangslos ins Ausland und sieht dort, oh Wunder, viel höhere Steuern.

      Vollkommen richtig ist natürlich, dass noch mehr „von unserem Berufsleben einfach weggeworfen wird“, denn wir zahlen mit jedem Produkt, mit jeder Ware, mit jeder Dienstleistung auch die betreffenden, umgelegten Zins- und Steuerlasten der Unternehmen/Hersteller/Produzenten/Leistenden. Für die sind es dann überwiegend durchlaufende Kosten.