in Wissenschaft

ANZEIGE

In einer schwedischen Studie, die kürzlich im Fachblatt JAMA Pediatrics erschienen ist, wurde die Wirksamkeit von Haustieren zur Vorbeugung von Kinder-Asthma untersucht.

Demzufolge entwickelten Kinder, die in einem Haushalt mit Haustieren aufwuchsen, signifikant seltener Asthma im Kindesalter. Eine ähnliche Studie hatte bereits den Einfluss von Farmtieren untersucht, die eine noch viel größere Schutzwirkung aufwiesen.

Wie kommt es zu dieser wissenschaftlichen Sensation?

Egal ob Haus- oder Farmtiere. Im Fell der Vierbeiner verstecken sich unterschiedliche Mikroorganismen, die im direkten Kontakt zwischen Tier und Mensch übertragen werden. Asthma ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung. Im Kindesalter besteht die Chance, dass sich die Krankheit nicht manifestiert und wieder verschwindet. Tritt das Asthma hingegen im Erwachsenenalter auf, müssen die Betroffenen oft ihr ganzes Leben mit der Krankheit kämpfen. Verschiedene Sprays und Medikamente können jedoch zu einer Verbesserung der Symptome führen. Oft werden dazu entkrampfende und entzündungshemmende Präparate verabreicht, die zu einer Entspannung der Bronchien führen und das Ausatmen begünstigen.

In schwierigen Fällen kann es notwendig werden, hohe Dosen an Kortison zu verabreichen. Kortison hemmt nach längerer Einnahmedauer die Entzündungsprozesse im Körper. Das Immunsystem wird jedoch geschwächt und anfällig für Pilzinfektionen oder andere übertragbare Krankheiten. Bisher konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, wie genau Tierhaare und andere Allergene vorbeugend gegen Asthma im Kindesalter helfen. Angenommen wird jedoch, dass generell die hohen Hygienestandards Schuld am Auftreten von Allergien und Asthma sind.

Zusammenspiel von Asthma und Allergien

Die Atemwegserkrankung Asthma bronchiale, bei der es zu akuten Anfällen kommen kann, beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen im hohen Maße. Nächtliche Hustenanfälle können ebenso vorkommen, wie plötzliches Giemen, ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Entkrampfende Medikamente, wie Salbutamol entspannen zwar die Bronchialmuskulatur und erhöhen damit auch den Peak-flow des Patienten, können aber langfristig keine Heilung der Krankheit versprechen. Für den täglichen Gebrauch werden deshalb oft sogenannte Controller eingesetzt, die auch Kortison beinhalten. Damit reduziert sich langfristig zwar die chronische Entzündung, gleichzeitig treten aber auch Nebenwirkungen auf. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse der schwedischen Studie.

Dabei konnte eindeutig belegt werden, dass Haustiere gegen Kinder-Asthma vorbeugen. Auch das Auftreten von Allergien ist stark vermindert, wenn Kinder Tierkontakt haben oder auf einem Bauernhof aufwachsen. Über den genauen Ablauf dieser Schutzreaktion existieren unzählige Vermutungen und Theorien. Die Forscher sind sich weitestgehend einig darüber, dass eine zu saubere Umgebung der Auslöser für Asthma und Allergien sein kann. In vielen Entwicklungsländern dieser Welt gibt es Regionen, wo die Menschen mit Bandwürmern infiziert sind. Diese Parasiten werden über kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen. Bemerkenswert an diesem Beispiel ist, dass Allergien und damit assoziierte asthmatische Anfälle signifikant seltener auftraten, wenn die Probanden zuvor mit Bandwürmern infiziert wurden.

Hygiene als Auslöser westlicher Zivilisationskrankheiten?

Unsere hohen Hygienestandards könnten also durchaus einen Einfluss auf das Auftreten von Allergien und Asthma haben. Das Immunsystem entwickelt Antikörper gegen vermeintlich harmlose Allergene, wie Blütenpollen oder Tierhaare, wenn die natürlichen Parasiten und Mikroorganismen fehlen. Es wird damit eine Abwehrreaktion simuliert, die sich nicht gegen infektiöse Partikel richtet. Stattdessen führt die andauernde Übererregung des Immunsystems zu chronisch entzündlichen Prozessen, die sich wiederum als Asthma bronchiale oder Rhinitis zeigen. Ließe sich dieser Kreislauf eindeutig belegen, würden sich gravierende Änderungen unserer Hygienestandards daraus ergeben.

Und genau nach diesem Schema läuft auch der Kontakt zwischen Mensch und Haustier ab. Das Immunsystem wird bereits im Kindesalter darauf vorbereitet, mit potentiell infektiösen Erregern fertig zu werden. Demnach lernt das Immunsystem eine sinnvolle Immunantwort als Reaktion auf Allergene, wie beispielsweise Blütenpollen. Letztendlich reduziert sich somit das Risiko, später an Allergien und Asthma bronchiale zu erkranken. Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass insbesondere in Großstädten auf strenge Hygienerichtlinien geachtet werden muss. Denn es gibt gute Mikroorganismen und Parasiten, die keine Gefahr für den Menschen darstellen, weil sie überwiegend Tiere als Wirt befallen. Und es gibt gefährliche Krankheitserreger, wie humanpathogene Viren und Bakterien, die sich über Schmier- oder Tröpfcheninfektionen von Mensch zu Mensch übertragen. Wenn also von herabgesetzten Hygienestandards die Rede ist, muss dieser Umstand unbedingt beachtet werden.

Fazit

Die Studie hat gezeigt, dass eine protektive Wirkung von Haustieren nachweisbar ist. Diese Ergebnisse könnten Familien zukünftig dabei helfen, ihre Entscheidung für oder gegen ein Haustier zu treffen.

ANZEIGE

Dein Kommentar

Kommentar

  1. Hach ja, ein entspannender Artikel für zwischendurch, außer natürlich man hat Asthma !
    Schlimm muss das sein !
    Ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen, und trotzdem hab ich mit 17 eine Tierhaarallergie entwickelt, die mich bis heute begleitet. Ist aber überhaupt kein Vergleich zu Asthmabeschwerden !
    Jedenfalls sind Tiere die besseren Menschen, und ich komm an keinem Vierbeiner vorbei ohne ihn einer Knuddelprozedur zu unterziehen, – sofern man mich lässt ! Bin so froh das wir sie haben und für Kinder sind sie ein Muss !

  2. Ich durfte meine ganze Jugend ohne Gummihandschuhe und im Dreck spielend verbringen. Hab trotzdem Heuschnupfenallergie ganzjährig seit ich 10 bin. Alles auf neumodische Hygienestandards zu schieben ist – Schwachsinn.

  3. Mal ein gutes Thema und eine weitere Bestätigung für mich, schafft euch Haustiere an … Alleine weil es für die eigene Persönlichkeit ein enormen Wert hat.

    Ab meiner Geburts gab es immer Katzen um mich rum und ich habe das Glück das ich bisher mit keiner Allergie oder sonstigem Probleme hatte. Ich hatte einmal wegen Milben und längerer Abstinenz meiner Hauskatze starken Husten und Reizungen in den Bronchen gehabt. :)

    Tiere MUSS man um sich haben.

  4. Also wir denken das eigentlich schon seit Jahren, dass das so ist – hier zeigt nun also eine weitere Studie, dass wir vermutlich richtig liegen.

    Finde ich gut – da haben wir also alles richtig gemacht!

  5. s3eIch empfehle die Atemgymnastik von Frau. Strelnikova mit dem Video gimnastika strelnikovoi peredniy shag (googeln) mit lauter Einatmung durch die Nase und selbstredend mit steifer Oberlippe.. Nach meiner Erfahrung spielt kräftige Bewegung der Arme eine große Rolle. Die Fäuste werden in Takt mit dem Atemholen zusammen geballt.
    Eine gute Gelegenheit ist ein strammer Spaziergang.. Das unterstützt die Nasenatmung, die dann sich von alleine entwickelt und Kraft spendet statt eher zu behindern. .
    Richard Friedel s3e0101@mail.lrz-muenchen.de

    0101@mail.lrz-muenchen.de