in Wirtschaft

Hans-Werner Sinn schreibt in „Karl Marx‘ wahre Leistung“: „Die wichtigsten Beiträge zur volkswirtschaftlichen Erkenntnis liefern seine Krisentheorien. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Theorie vom tendenziellen Fall der Profitrate zu, die im dritten Band des Kapital entwickelt wird.“

Allerdings könne man als Ökonom der Vorstellung wenig abgewinnen, merkt Sinn an, “dass der Wert einer Ware sich speziell nur durch den Gehalt an Arbeit, der darin steckt, erklärt, während die Kosten des Kapitaleinsatz nichts als ein Mehrwert seien, den die Kapitalisten den Arbeitern stehlen.“

Ich will im folgenden zeigen, dass die Theorie vom tendenziellen Fall der Profitrate und die Mehrwerttheorie zusammengehören und zusammen Marx’ wahre Leistung darstellen, die nichts an Aktualität verloren hat. Die Mehrwerttheorie ist darüberhinaus keine Ideologie „mit Geschmäckle“, wie Sinn nahelegt, sondern eine im Grunde simple, logische Angelegenheit – mit Bezug zum Machtgefüge unserer Tage. Ich fasse die Theorien von Marx im folgenden kurz zusammen, ausführlicher können Sie es hier nachlesen: “Marx: Mehrwert und sinkende Profitrate“.

Die Mehrwerttheorie postuliert, dass der Geldzuwachs nicht im Warenumlauf entsteht. Im massenhaft und nicht länger zufällig stattfindenden Tausch-Prozess des Kapitalismus setzt sich im gesellschaftlichen Durchschnitt per Wettbewerb das Wertgesetz durch. Zeitweilige Extra-Profite nivellieren sich. Ein Mehrwert kann nur in der Produktion entstehen, indem der Geldbesitzer mit dem Kauf der Arbeitskraft das Recht hat, die Arbeitskraft über die zu ihrer Reproduktion „notwendigen Arbeitszeit“ hinaus zu gebrauchen. In dieser „Surplusarbeitszeit“ erzeugt der Arbeiter den Mehrwert, der dem Kapitalist zufällt. Das Verhältnis zwischen beiden Arbeitszeiten ist die Mehrwert- oder Ausbeutungsrate.

Marx unterscheidet zwei Arten von Kapital: Das konstante Kapital wird in Produktionsmitteln eingesetzt, also für Maschinen, Werkzeug und Rohstoffe ausgegeben. Es geht mit der Produktion nach und nach auf das Endprodukt über. Das variable Kapital umfasst die Ausgaben für die Arbeitskraft. Es ist im Produktionsprozess Quelle für den Mehrwert. Im Akkumulationsprozess des Kapitals wird der nicht dem persönlichen Verbrauch des Kapitalisten dienende Mehrwert in konstantes und variables Kapital verwandelt. Die Erhöhung der Mehrwertrate ist der zentrale Hebel, mit der sich die Masse des Mehrwerts steigern lässt. Um die Mehrwertrate zu steigern, wird der Arbeiter nach und nach durch die Maschine verdrängt.

Die auf dem Wertgesetz basierende Profitrate definiert Marx als das Verhältnis des Mehrwerts zum Gesamtkapital eines Unternehmens. Ist der Anteil des konstanten Kapitals überdurchschnittlich hoch, ist die Profitrate im gesamtgesellschaftlichen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Konkurrenz gleicht die Einzelprofitraten durch Kapitalwanderung in Richtung Durchschnittsprofitrate aus.

Die Steigerung der Produktivität der Arbeit lässt das konstante Kapital schneller wachsen als das variable. Da nur das variable Kapital Mehrwert hervorbringt, muss die Profitrate tendenziell sinken. Schon David Ricardo hatte vor Marx die Theorie vom fallenden Unternehmensgewinn entwickelt. Marx selbst legt Wert auf das Wort „tendenziell“ und führt eine Vielzahl von Faktoren an, die diesem Fall eine gewisse Zeit entgegenwirken können.

Entscheidend ist, dass Marx den tendenziellen Fall der Profitrate von der Mehrwert-Theorie her erklärt – das eine ergibt sich aus dem anderen, sie stehen nicht nebeneinander: Das Bestreben, die Mehrwertrate zu steigern, führt dazu, dass die Profitrate sinkt. Diese Verbindung erklärt sämtliche Erscheinungsformen von der Tendenz zunehmender Automatisierung über Druck auf Löhne, die Tendenz der Internationalisierung des Kapitalismus bis hin zu wachsenden Konflikten und zu Kriegen. Sie erklärt auch, warum es periodisch zu Vernichtung konstanten Kapitals kommt.

Sinn schreibt: “Nach Meinung von Marx fällt die(se) Profitrate im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung auf ein immer niedrigeres Niveau. Das liege daran, dass das Kapital schneller vermehrt werden kann, als die Zahl der Arbeitskräfte wächst. Es werde also immer mehr Kapital pro Arbeiter angehäuft, aber nicht proportional mehr verdient.”

Das ist zwar richtig, aber zu technisch und zu kurz gegriffen. Denn warum ist das so? Die Profitrate sinkt, weil die kapitalistischen Unternehmungen die Mehrwertrate (=Ausbeutungsrate) zu steigern versuchen. Das ist die tiefste Ursache für die periodische krisenbedingte Entwertung des Kapitals. Übertragen auf unsere Tage: Wenn die Profitmarge zu gering ist, müssen die öffentlichen Institutionen einspringen und die Unternehmen, resp. Banken heraushauen. Das hieß mal “TBTF” (Too big to fail).

Nach Joseph Schumpeter und seiner schöpferischen Zerstörung kann aus der zyklischen Abwertung des Kapitals ein Neuanfang auf den Ruinen alter Industrien erwachsen, wenn man diesen Prozess zulässt. Wenn nicht, dann müssen die Zentralbanken die Zinsen nach und nach so tief und die Vermögenswerte durch den Kauf von Wertpapieren so hoch halten, “dass auch Zombie-Unternehmen nebst der Banken, die sie finanzieren, am Leben gehalten werden.“

Die moderne Geldpolitik macht aus dem tendenziellen Fall der Profitrate ein schleichendes Siechtum. Das sieht dann so aus wie die Säkulare Stagnation etwa eines Larry Summers, ist aber in Wahrheit durch eine Zentralbankpolitik verursacht, „die den Interessen der Altbanken, Altfirmen und alten Vermögensbesitzer dient und dadurch den Prozess der schöpferischen Zerstörung verhindert,“ schreibt Sinn.

Und da auch das nicht bis in alle Ewigkeit funktioniert, werden nun Rezepte herumgereicht wie Negativzinsen, Bargeldverbot und dergleichen mehr. Diese schreiben nur die Idee hinter den fehlgeleiteten Geldflut-Maßnahmen fort und verlängern das realwirtschaftliche Siechtum samt massiver Umverteilung von unten nach oben.

Das Problem ist: Je länger der Stau bei der zyklischen Bereinigung in der Wirtschaft anhält (er begann letztlich in den 1990er Jahren in der Ära Greenspan), weil die Finanz-Wirtschaft dies verhindert, je größer wird das Potenzial, dass er sich eines Tages unkontrolliert entlädt mit verheerenden Folgen.

Vielleicht erfindet jemand eines Tages gerade noch rechtzeitig, wie man Geld fressen kann. Das könnte dann eventuell die tragende Basisinnovation für den nächsten Kondratieff-Zyklus werden. Genug Geld ist ja da…

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15 Kommentare

  1. Vor allem hat er eines klar formuliert: im Kapitalismus wird NUR produziert, um aus Geld mehr Geld zu machen – und das bestreitet die Volkswirtschaftslehre bis heute; und das kann man auch verstehen: es macht den Kaiser Kapitalismus so nackt, wie er ist.

  2. Da bluten einem (wieder) die Augen bei der falschen kulturmarxistischen Gefühlsduselei, des Herrn Singer!
    Lügen, falsche Darstellungen u.Aussagen, Unterstellungen u.Übertreibungen sind an der Tagesordnung in dem Kultur-Marxismus der ‚Frankfurter Schule‘!
    Die jü…schen Kommunisten u.ihre willigen Lakaien, die pseudo-linken Kulturmarxisten, haben den Kapitalismus insgesamt in Verruf gebracht. Man muß nämlich unterscheiden, zwischen „schaffenden Kapital“, das Arbeitsplätze u.soziale Sicherheit schafft u.dem „raffenden Kapital“, das keine Arbeitsplätze schafft u.auch keine soziale Sicherheit, sondern Arbeitsplätze vernichte! Dieser jü.. Raubtierkapitalismus, mit seinem Luftgeld gehört abgeschafft! Aber Herr Singer, Ihr Traum …

    • einer marxist.Kulturrevolution ist schon lange am laufen. Der Sowjetkommunismus konnte Marx u.Lenins Traum nicht erfüllen, den kommunistischen Eine-Welt Staat, der von Rot.. hschild in Auftrag gestellt u.bezahlt war. Aber wird sind jetzt auf dem besten Weg! Der Ju..(Moishe)Martin Schulz wird wohl übernehmen u.die Umvolkungspolitik der EUdSSR durch den jü..Grinblat UNO-Plan noch schneller umsetzen, der uns bis 2025 die EU mit 160 Mio.Schwerstbereicherern beglücken soll. Davon 23 Mio.in Frankreich, 26 Mio.in Italien u.44 Mio.in Deutschland. Dann haben Sie bald Ihren linksMarxistischenBolschewismus u.Einheitsstaat, des Krypto-Ju..en Marx, inkl. Mio. von Niedrigst-Intelligenzlern! Der deutschUndWeißenHasser Schulz wird´s richten – „hurra“!

      • “ Der Sowjetkommunismus konnte Marx u.Lenins Traum nicht erfüllen, den kommunistischen Eine-Welt Staat, der von Rot.. “

        Nur hat das mit Kommunismus soviel zu tun gehabt, wie Konservativismus etwas mit Fortschritsgläubigkeit zu tun hat. Das war ein reiner Staatskapitalismus, indem nix dem Volk aber alles dem Staat gehörte. Das ist kein Kommunismus gewesen – ganz einfach.

        • @Eymontop – Marx war ein Ju…e und hier, wie überall, ob links, ob rechts usw. geht es nur um These und Antithese ! Wie oft denn noch? Es geh´nur darum dem Pöbel eine These und einen Antithese zu geben, egal wie sie heißt, es stecken immer die selben Leute dahinter, und aus dem daraus resultierenden Chaos wird das eigentl. Ziel geschaffen, in dem man dem Pöbel dann sagt, „das ist die Lösung“! Lenis, Trotzki, Marx, … alles Ju..en, alles Agenten von Rothschild, die von der City of London ausgebildet wurden! Sie sollten sich vielleicht erst einmal mit grundlegenden beschäftigen und vor allem wer wirlich dann dahinter steckt! Ich wette ´Frankfurter Schule´ haben Sie heute zum 1.x gehört und darum auch gar nicht registriert, worum es geht!

          • Vorweg, meinen NICK brauchst nicht zu siezen – aber jeder steht da, wo er sich selber hinstellt.

            Zitat: “ Sie sollten sich vielleicht erst einmal mit grundlegenden beschäftigen und vor allem wer wirlich dann dahinter steckt! Ich wette ´Frankfurter Schule´ haben Sie heute zum 1.x gehört und darum auch gar nicht registriert, worum es geht!“

            Ich gehöre gar keiner „Schule“ an, ich kenne nur die Theorie von Karl Marx & Friedrich Engels aus dem Kapital. Und die ist wesentlich logischer, stringenter und schlüssiger als das Privatkapitalistische Konzept, das einfach nicht zu Ende gedacht wurde.
            Das Beispiel, was ich für mein Unternehmen geschrieben habe, gilt letztlich für alle Unternehmen (vlt. mal abgesehen von Lebensmittel-Herstellern)

  3. Marx hat alles, was heute passiert haarklein voraus gesagt, das zeigt, das seine Analyse richtig war.

    Und das die Profitrate sinkt, wenn der Mehrwehrt steigt, davon kann jeder Unternehmer, der versucht besonders hochwertige Produkte zu bauen (so dumm war ich früher) bestätigen. Das Problem: Wenn deine Produkte zu gut sind, hast du bald keine Kunden mehr, weil wenn ein Produkt z.B. ein Leben lang hält, kauft jeder nur genau EINMAL bei dir.

    Das ist imho der Fehler im System, wer keinen Schrott baut, der nur kurze Zeit hält, geht erst recht pleite. D.h. das Privatkapitalistische System ZWINGT den Unternehmer zu Rohstoff-Verschwendung und Ausbeutung.

    • Das Ergebnis sehen wir heute: überall werden Produkte gebaut, die künstlich ihrer Haltbarkeit beraubt wurden (fest-eingelötete Akkus, Küchenmaschinen mit Plastik-Getriebe usw).

      D.h. das derzeitige – grundfalsche – System geht auch von der falschen Annahme aus, das Rohstoffe „unendlich“ verfügbar sind. Deshalb ist nicht die Frage Kommunismus oder nicht. Sondern Kommunismus wann?

      Wir haben gar keine andere Wahl als die gegenwärtige Private Verschleiß-Wirtschaft zu verlassen, weil wir auf einem Planeten mit ENDLICHEN Ressourcen leben. Der private Kapitalismus ist einfach zu kurz gedacht, das ist sein Fehler. Wie gesagt, sieht jeder Unternehmer, der gute, haltbare Produkte bauen will – dann verdient er nichts mehr!

      • @Eymontop – Sie werfen hier alles in den Topf, rühren kräftig um u.glauben so den Kommunismus rechtfertigen zu können! Dabei können Sie noch nicht mal zwischen dem ideologischen Kommunismus u.dem eigentlichen Ziel, des Kommunismus, unterscheiden! (Mal abgesehen davon, das Mio. von Menschen abgeschlachte wurden) Keiner geht von unbrenzten Ressourcen aus, es geht nur darum das der Raubtierkapitalismus, mit seinem Fiat-Money, unendliches Wachstum benötigt, mit immer mehr Konsum u.beides kann es nun mal nicht geben! Unter A.H. (auch von den Ju.. installiert) konnte man sehen, das es nichts mit Kapitalismus, oder Kommunismus zu tun hat, sondern nur mit den jü…Banken, denn Deutschland hatte sein eigenes zinsfreies Geld, herausgelöst vom …

        • jü…Welthandelssystem! „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem II. Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem„ die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte.“ – WinstonChurchill
          „Die Na .. zis kamen im Jahr 1933 in Deutschland an die Macht. Zu einer Zeit als ihre Wirtschaft unter den unvorstellbaren Reparationkosten begraben lag und keine Aussicht auf ausländische Kredite oder Investitionen hatte. Erst durch eine unabhängige Geldpolitik und einer souveränen Währung war das dritte Rei.. ch in der Lage das völlig bankrotte Deutschland, das (im Zuge von Vers.. aille) seiner bis dahin wichtigsten Rohstoffquelle, den Kolonien, …

          • …beraubt wurde, innerhalb von nur vier Jahren zur stärksten Wirtschaft in Europa zu machen. U.das bevor die Aufrüstung begann.“ Henry C.K.Liu

        • Zitat: „…es geht nur darum das der Raubtierkapitalismus, mit seinem Fiat-Money, unendliches Wachstum benötigt, mit immer mehr Konsum u.beides kann es nun mal nicht geben!“

          Den Grund dafür habe ich in meinem Post genannt, darauf gehst du aber überhaupt nicht ein.

          „Fiat-Geldsysteme“ sind wieder ein völlig anderes Thema, das mit einem verfehlten GELDSYSTEM zu tun hat, aber nichts mit dem Privatkapitalismus an sich – der schon ein falsches System ist – Grund siehe mein Post.
          Zitat:“ Sie werfen hier alles in den Topf, rühren kräftig um u.glauben so den Kommunismus rechtfertigen zu können!“ Du beschreibst deinen eigenen Post damit am besten. Thema komplett verfehlt.

          • @Eymontop – „Ich gehöre gar keiner „Schule“ an, ..“
            Wußte ich es doch, Sie wissen überhaupt nicht was ´Frankfurter Schule´ bedeutet und stellen sich dann mit solchen Aussagen
            („Ich gehöre gar keiner „Schule“ an, …“)
            auch noch selber bloß!
            Der nächste geschichtliche Blindgänger, hier, der mit Begriffen um sich wirft, deren Bedeutung er weder kennt noch versteht!

            P.S. Siezen ist eine Frage des Anstands und der Erziehnung! Fremde duzt man einfach nicht. Und da ich davon ausgehe, das Sie weder ein Kind sind noch ein Troll, ist es eben eine Frage des Anstands.

  4. wenn man euch zwei kurz durchliest, kommt man schnell zum schluss!
    der faktor sapien ist doch das problem, ohne hier jetzt jemand anzugreifen zu wollen.
    querphilosophie×quantentechnik+evolutionstheorie ergibt…?