in Umwelt

Am vergangenen Samstag wurde der dritte Teil des Weltklimaberichts veröffentlicht. Bereits Teil 2 löste bemerkenswerte Reaktionen aus. Da stellte sich die Bundesumweltministerin vor das Mikrofon und verkündet im Deutschlandfunk, die Bürger müssten wohl ihre Lebensweise etwas ändern, um der Klimaerwärmung zu begegnen. Sie hatte sogar einen praktischen Hinweis parat: die Wohnraumtemperatur um 2 Grad zu reduzieren.

Vielleicht war das eine Verwechselung mit dem globalen 2-Grad-Ziel, aber was soll’s. Schließlich ist sie ja keine Umweltexpertin, sondern hat über „Die Entwicklung der Margarineindustrie am unteren Niederrhein“ promoviert. Macht aber nichts, denn Politiker sind ja zu allem fähig. Dann erfuhr der ehrfürchtige Zuhörer, dem kurz zuvor die apokalyptischen Botschaften des Weltklimaberichts serviert wurden, dass ein Sofortprogramm für Deutschland gegen den Klimawandel kurz vor der Verabschiedung stehe. Wir dürfen also gespannt sein – wahrscheinlich wird dieses Programm Revolutionäres beinhalten! Zum Beispiel die Umstellung auf 100% erneuerbare Energien innerhalb von 8 Jahren. Und natürlich ein sofortiger Stopp der Erweiterung des Braunkohleabbaus. Ganz sicher kommt auch die kostenlose Nutzung aller Nahverkehrsmittel, um den Autoverkehr zu reduzieren.

Nun lachen wir alle mal kräftig, und dann überlegen wir, was das Programm wirklich beinhalten könnte. – Ganz sicher wird der Ausbau der neuen Stromtrassen noch einmal forciert werden. Jetzt, da der Bürgerprotest zu stark zu werden droht und alle namhaften Experten diesem Programm volkswirtschaftliche Sinnlosigkeit bescheinigt haben, muss man aufs Gas treten, damit  es doch noch durchgepeitscht werden kann. Denn die Interessen der Energiemonopole darf man nicht aufs Spiel setzten, da sei die Lobby vor! Das Argument wird lauten: wir müssen den Ökostrom aus dem Norden dorthin schaffen, wo er gebraucht wird – nach dem Süden. Das Argument wurde hunderte Male ad absurdum geführt, trotzdem wird es auch diesmal gebetsmühlenartig verkündet werden – wetten?

Auch die Baulobby wird etwas abbekommen. Energetische Gebäudesanierung muss wieder mal gefördert werden; bringt zwar nichts, gibt aber einen schönen Wachstumsschub. Die Bürger dämmen sich ihre Häuser kaputt und bezahlen auch noch dafür.

Braunkohleförderung funktioniert bekanntlich nach dem Motto „Ihr wollt ja keine Atomkraft mehr – da habt ihr den Dreck!“ Wie man sie allerdings in dem Sofortprogramm zur Klimarettung darstellen wird, ist die echt spannende Frage. Vermutlich wird das Thema gar nicht angesprochen. Auch dass es seriöse Modelle gibt, wie man in wenigen Jahren zu 100% Versorgung aus erneuerbaren Energien gelangen kann, wird keine Erwähnung finden.

Welchen Sinn hat ein Sofortprogramm überhaupt, wenn ihm die Einbettung in eine langfristige Strategie fehlt? Es kann nur eines sein: Aktionismus; und der nützt nur temporären Einzelinteressen, der Gemeinschaft schadet er in unkalkulierbarem Maße. Dieser Aktionismus ist deshalb so gefährlich, weil er die Ängste der Menschen vor der drohenden Katastrophe missbraucht, und sich dazu gern solcher Parolen  bedient, wie „Es ist 5 vor 12“ oder „Die Zeit wird knapp„.

Eine Zeitlang konnte man das Fehlverhalten der Politik noch damit entschuldigen, dass sie von Expertenseite falsch beraten wurde. Doch inzwischen kann kein Politiker mehr sagen, er hätte es nicht gewusst: dass wir Zeit haben! Es sind nämlich keine inkompetenten Störenfriede, die die Szenarien der Klima-Alarmisten anzweifeln, sondern erstrangige Wissenschaftler. So hat der Niederländer Professor Richard Tol, einer der renommiertesten Experten weltweit, den Weltklimarat IPCC verlassen, weil er die Aussagen im neuen Weltklimabericht nicht unterschreiben wollte. In einem Gespräch mit der F.A.Z. kritisierte Tol,

dass es einen starken Druck gebe, die Klimaberichte möglichst dramatisch zu formulieren. „Es gibt viele Bürokraten, Politiker und Wissenschaftler, deren Jobs davon abhängen, dass die Klimakatastrophe möglichst schlimm erscheint“, sagte Tol. Außerdem gebe es eine Art Selbstselektion der beteiligten Wissenschaftler und Politiker: Vornehmlich solche, die Klima-Alarmismus zuneigten, würden sich bei dem Thema engagieren. Tol kritisiert auch die Aussagen des neuen IPCC-Entwurfs zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kriegen. Diese widersprächen den meisten Ergebnissen der Forschung.(FAZ 27.03.2014)

Der schwedische Professor und langjährige Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie Lennart Bengtsson übte ebenfalls scharfe Kritik:

Hört auf Unwahrheiten über die Klimaentwicklung zu erzählen… Aktivisten und Politiker haben die Klimadebatte an sich gerissen. Und seit sie am Ruder sind, hat man aufgehört, die Klimazusammenhänge objektiv zu erforschen. … Wenn ein Wissenschaftler Kritik an Politikern äußert, dann werden sich die Politiker natürlich fragen, warum dieser Querulant eigentlich noch weiter wissenschaftliche Fördermittel bekommen sollte. Genau diese Politiker hatten bereits gesagt, dass nun wohl keine weitere Forschung mehr notwendig sei, wenn sich die Wissenschaft im Klimaproblem offenbar einig ist. Das ist natürlich komplett falsch. (Jyllands-Posten 24.03.2013)

Und der wohl populärste deutsche Klimaforscher Hans v. Storch („Die Klimafalle“) warnt schon seit vielen Jahren vor Panikmache auf diesem Gebiet.

Man muss als Klimawissenschaftler bei dem bleiben, von dem man etwas versteht. Ich kritisiere, wenn die Klimaveränderung über ihre eigentliche Bedeutung zu einer Leitfrage für alle möglichen globalen Herausforderungen hochgestemmt wird. Wenn Klimaforscher plötzlich auch Rezepte gegen das Nord-Süd-Gefälle, den Hunger oder die Armut in der Welt auf Lager zu haben glauben, verlassen sie ihren Kompetenzbereich … machen sich zu Politikern … und verkünden die vermeintlich einzig richtige, weil wissenschaftlich gestützte Sicht. (Berner Zeitung 16.02.2014)

Das heißt: kein Politiker kann ernsthaft behaupten, unzureichend informiert gewesen zu sein. Wenn also die Berücksichtigung von Expertenmeinungen derart selektiv erfolgt, dann muss Methode dahinter stecken. Dann geht es um Partikularinteressen, die heißen: Wachstum um jeden Preis, Monopolmacht um jeden Preis, Rechthaben um jeden Preis. Ansonsten würden Umwelt- und Energiepolitik nämlich anders aussehen: nachhaltig, reduktiv und ausschließlich den Interessen der Gemeinschaft verpflichtet.

So, nun warte ich schon ganz gespannt auf eine Stellungnahme unserer Regierung  zu diesem 3. Teil des IPCC-Berichtes. Und endlich – Reuters meldet:

Deutschland und Europa sollten nach den Worten von Umweltministerin Barbara Hendricks beim weltweiten Klimaschutz Vorreiter sein. „Deutschland kann eine wichtige Rolle spielen, wenn wir der Welt am praktischen Beispiel zeigen, dass Klimaschutz in einem Industrieland funktioniert“

Allerdings kein Wort davon, dass der Bericht ganz explizit die steigenden  Emissionen durch Kohlekraftwerke anprangert. Auf der Website des Umweltbundesamtes findet das natürlich auch keine Erwähnung. Stattdessen verweist man auf die neue Studie „Treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050“.  Wohl denn – bis dahin können wir noch einiges an Braunkohle aus der Erde holen!

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  1. Heutzutage dürfen Politiker derartigen Unsinn wie in die „Klimapolitik“ öffentlich äussern ohne gleich in der Klapse oder vor Gericht zu landen. Das sagt ne Menge über unsere Gesellschaft aus.

  2. Es ist wohl jeder Umwelt Experte, der dieses Wort fehlerfrei schreiben kann. Es ist einfach beschämend, was diese Gesellschaft mit sich machen lässt. Wenn man die Figuren auf dem Bild ansieht, könnte man sich übergeben.

  3. Ein sehr informativer Bericht mit klaren Folgerungen!
    Danke auch für den Hinweis auf das absolut spannende Thema von Hendricks Dissertation: Entwicklung der Margarineindustrei am unteren Niederrhein! Ich dachte schon, Kohls Dissertation könnte nie getoppt werden:Die Enntwickung der CDU in RP von 1945 – 1948!

    Merkels ausschließlich in Gruppenarbeit absolvierte vorwiegend statistische Untersuchung der Messsmethoden des chemischen Zerfalls bei eingefahrenen technischen Vorgängen haben der Wissenschaft und der Industrie auch nicht mehr gegeben. Sie hat dann ja auch nie wirkliche Arbeit in ihrem Fach geleistet.

    Kein Wunder, dass Merkel nach Frau Dr. Schavan Frau Dr. Hendicks in ihr Team geholt hat! Armes Deutschland.

  4. Man will die Leute etwas beschäftigen. Das Abschmelzen der Polkappen, im Abkommen von Wladiwostock 1974 zwischen den USA vereinbahrt und mit Mikrowellenwaffen durchgeführt (ursprünglich wollte man Kernwaffen nehmen), wird uns seit Jahren als Erderwärmung verkauft.
    Der Versuch einen der Van-Ellen-Gürtel mit Kernwaffen zu sprengen, bei dem 3 Prozent des Ozons flöten gingen, wurde uns als Ozonloch aus den Kühlschrank-„Treibhaus“gasen verkauft. Das Bodengas CO2 wird uns als Treibhausgas verkauft. Ich glaube, was man braucht sind die Kampagnen und das Erschrecken der Leute. Die an der Macht sind, scheinen nicht „rein“ menschlich zu sein. Des Geldes wegen machen die das nie, denn das können die drucken, soviel sie wollen.

    • Eine stabile Alternativenergie wären die Silane oder die freie Energie von Tesla. Für den Einsatz von Silanen („Benzin aus Sand“ – Dr. Plichta) existieren alle Patente und die Produktion ist serienreif. Aber, dann könnte man uns nicht mehr mit dem Gespenst der Energieknappheit erschrecken.