in Technik

Die Entwicklung des Ölpreises lässt mich wieder einmal über Deutschlands angeblich so innovative Industrie nachdenken.

Denn wenn in den Medien von der deutschen Industrie die Rede ist, meint man fast immer die Automobilindustrie. Wie sieht es mit deren innovativer Kraft aus, mit dem Fortschritt, der ja heute immer auch mit weniger Verbrauch von Ressourcen bei gleichzeitiger Umweltschonung einhergehen sollte? Um es auf den Punkt zu bringen: Es sieht schlecht aus.

Als ich vor Jahren den BMW- Händler meines Vertrauens nach einem Elektrofahrzeug fragte, winkte der nur ab. Daran wäre bei BMW noch gar nicht zu denken und wenn überhaupt, würde man ein derartiges Fahrzeug nur in der Oberklasse anbieten. Inzwischen gibt es zwar den i3, aber das Beste, was man über dieses Fahrzeug sagen kann, ist, dass es in Leipzig produziert wird. Aufladezeiten von 6 Stunden und mehr, nur um damit im Sommer 100 bis maximal 150 km auf der Autobahn fahren zu können -im Winter schluckt die E-Heizung noch einige Kilometer der Reichweite – zeugen davon, dass dieses Fahrzeug im Moment nur Spielerei ist. Solange es keine neuen Lösungen für speicherstarke Akkumulator-Systeme gibt, wird das auch so bleiben. Dass man sich dann noch entblödet, dem ehemaligen Taxifahrer und Außenminister Josef Maria Fischer eines dieser Fahrzeuge zu schenken, schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht (Ja, ich weiß, angeblich hat er es bezahlt). Vom Preis wollen wir nicht reden, da der Wagen natürlich nicht im großen Maßstab produziert und verkauft wird und sich somit die Preise kaum ändern werden.

Auch bei den anderen deutschen Autofirmen soll man nicht viel weiter in der Entwicklung und Nutzung alternativer Energiequellen sein. Mercedes bastelt offenbar an einer Brennstoffzelle, dem F-Cell und hat schon 2008 – also vor 8 Jahren – die erste A-Klasse mit Brennstoffzelle präsentiert.  Serienreife und Serienproduktion … Fragezeichen.

Es steht zu befürchten, dass die gegenwärtige Verbilligung von Benzin und Diesel diese offenbar nur halbherzig verfolgten Konzepte deutscher Autohersteller nicht gerade beschleunigen werden. Auch hier wiederholt sich Geschichte: Man baut in die kolossalen SUVs  der deutschen Autohersteller viel lieber noch einen weiteren Elektromotor z.B. zum automatischen Schließen der Kofferraumklappe oder ähnlichen Firlefanz ein, anstatt sich endlich zu grundlegenden Innovationen in der Antriebstechnik zu bekennen. Erinnert mich an das berühmte „Mäusekino“ im Zweitakt-Trabant, das dieses technisch zurück gebliebene Fahrzeug in den Augen seiner Fahrer auch nicht mehr aufwerten konnte. Wahrscheinlich ist es einfacher, über manipulierte Software die Umweltfreundlichkeit der im wesentlichen seit 150 Jahren verwendeten Antriebe in deutschen Autos zu suggerieren.

Anders dagegen die Japaner: Toyota hat im vergangenen Jahr den Mirai in Großserie herausgebracht. Der Mirai ist ein Brennstoffzellen-Fahrzeug, d.h. in einer Brennstoffzelle wird Wasserstoff in Wasser umgewandelt, dabei entsteht Energie, die wiederum einen Stromgenerator antreibt. Das Herzstück des Toyota Mirai bildet die weltweit effizienteste Brennstoffzelle – das Ergebnis von mehr als 20 Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Die Japaner nutzen neben dieser Brennstoffzelle ein Know-how, dass sie seit 2006 bei Akkumulatoren und Motorsteuerungen von  Hybridfahrzeugen wie dem Auris gewinnen konnten. Durch die Verwendung von Standardteilen wie Akkumulatoren aus der Hybridproduktion sinken natürlich auch die Produktionskosten des Brennstoffzellen-Autos.

Aus eigener Anschauung kenne ich den Auris Touring Sport, einen Vollhybriden, den wir seit etwa zwei Jahren fahren. Benzineinsparungen von ca. 30 Prozent, Steuer minimal, ein phantastisches Fahrgefühl, innerorts  fahren wir fast nur mit E-Antrieb. Bei etwa 170 km/h auf der Autobahn ist noch nicht Schluss und an der Ampel ist man mit der kombinierten Beschleunigung durch Elektro- und Benzinmotor am schnellsten weg. Aber das nur nebenbei. Entscheidend für den Kauf war für uns der geringere Schadstoffausstoß.

Hybridantrieb und Brennstoffzellen sind jedenfalls schon in Serie. Und zumindest der Hybrid ist auch für den Normalkunden erschwinglich. Allerdings werden diese neuen Antriebssysteme nicht von der angeblich so innovativen deutschen Autoindustrie angeboten.

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11 Kommentare

  1. Das mit den Elektroautos ist ein Problem wie zwischen Henne und Ei. Es gibt keine Infrastruktur und die Industrie weiß nicht, wo sie anfangen soll, bei einem Aufbau der Tankstellen oder bei der Produktion von Elektroautos. Daß die Akkus sehr robust sind, kann man daran ablesen, daß die nur „vermietet“ werden. Mietkosten rund 50 Euro im Monat. Beworben wird der Raubzug damit, bei einem Defekt kostenlosen Ersatz zu stellen.
    Würden die regenerativen Quellen konsequent subventioniert, machte die Wissenschaft Quantensprünge und sie würden mit der Marktbreite so billig wie Handys und ebenso langlebig – sieht man mal ab von der geplanten Obsoleszenz.

  2. Mit Elektroautos würde die Gesellschaft entschleunigt, der Gesellschaft das Umweltbewußtsein ganz nebenbei eingeimpft.

    Selbst, wenn von un auf jetzt alle Benziner aus dem Verkehr gezogen würden und mit Hybrid ersetzt, hätten wie dieselben Problem in 7 Jahren wieder.

    Elektro würde Unabhängigkeit schaffen von den Ölforderländern und den USA, Selbstbestimmung.

    • Ja, das wär‘ toll – es gibt so viele gute Technologien die Subventionsgeeignet wären, bestimmt nochmal so viele die in Schubladen verstauben, aber solange die Faschisten-Mafia an den Schrauben dreht ist da wohl kein Land in Sicht !

  3. Deutschland hat, verglichen mit Toyota und Tesla, die „Energiewende“ in der Autobranche total verpennt. Das die Autolobby in der Politik daran Schuld ist, muss man nicht erwähnen. Und, …nein, es sind nicht die Abgaswerte ! Die sind den meissten Sch….egal. Wenn man hier ein Umdenken will, muss das über den Preis gehen (Querfinanzierung, E-Autos max. 20% als vergleichbare Verbrenner-Klasse, Steuern usw).
    Es ist doch auch hier, wie im politischen Widerstand ! Der Deutsche macht nichts von selbst. Man schläft solange bis es zu spät ist.

  4. Ich fahre einen Toyota Hybriden schon viele Jahre. Ich kaufte ihn damals wegen der geringen Schadstoffe (z.B. NOx <0,1 mgr/km)
    Bis auf eine Birne war noch nichts kaputt. Ich liege im Jahresmittel leicht unter dem Normverbrauch von 3,9Liter/100km (reale Verbräuche, keine Bordcomputerlügen).
    Dennoch, das nächste Auto wird definitiv eines ohne Verbrennungsmotor.

  5. Innovativ sind deutsche Autobauer nur bei immer neuen Luxus-Apps. Ihre Motoren schlucken viel zuviel Sprit – was VW ja angesichts seiner Lügen gleich sein konnte.
    Sie stehen natürlich in Verbindung mit der Mineralölindustrie, die aus existenziellen Gründen E-Mobile zu verhindern sucht.

  6. Interessant wäre einmal zu erfahren wie die Ökobilanz von E-Autos wirklich aussieht? Angefangen bei der Rohstoffgewinnung bis zur Verschrottung. Was bringt ein E-Auto wenn der Strom aus Kohle und Gas gewonnen wird?

    • Natürlich bringts nichts, wenn der Strom aus Kohle gewonnen wird. Aber genau davon will ja die Brennstoffzelle oder das Solarzellen-Auto (aufgeladen wird unterwegs durch die Sonne) weg. Die Japaner haben mit gleich mehreren Modellen bewiesen, das das problemlos möglich wäre.

      Übrigens bei der Verschrottung dürfte ein herkömmliches Auto ehrheblich teurer sein (Verbrennungsmotor ist viel aufwendiger zu entsorgen und es fällt eine Menge hochgiftiges Altöl an).

  7. Hey Alupe ! Mir geht`s genauso. Seit Jahren fahre ich Toyota Hybrid. Zuerst war ich enttäuscht da ich immer nur Jeeps gefahren bin. Doch heute möchte ich kein anderes Auto fahren. Sprit sparend und zuverlässig. Am liebsten würde ich ihn ausbauen lassen aber ein anderes Auto kommt nicht in Frage. Ich schaffe es bei Touren bis nach Griechenland mit 5 L / 100 Km. Wenn die Stadt nicht voll ist, liege ich bei 3,5 L !!! Super Auto !