in Reisen

Das Auswärtige Amt warnt seit dem 26.2.2014 ausdrücklich vor Reisen in das Sinai Gebiet und rät Deutschen auch einen Urlaub an den dortigen Badeorten ab. Wie ein Dejavu aus dem letzten Sommer, nur dass es jetzt den Sinai und nicht die Gebiete um Hurghada betrifft, fühlt sich das für die Ägypter und die in Ägypten lebenden Ausländer an

Dahab ohne Deutsche

Wie aus im Sommer 2013 spielte sich das gleiche Szenario ab. Die Urlauber, die noch zu der Zeit da waren, freilich nur die deutschen, wurden aufgrund der Berichterstattung durch einschlägige Medien, völlig verunsichert, manche brachen gar ihren Urlaub ab. Reiseveranstalter wie TUI reagierten prompt, boten sofortige Rückreisen und Umbuchungen an und stoppten die Flüge, sodass deutsche nur noch über Umwege wie dem Flughafen Kairo Sharm El Sheik ansteuern konnten. Die meisten aber ließen sich von den Angst stiftenden Medien dazu bringen, die Reise umzubuchen.

Der bei Tauchern bekannte Urlaubsort Dahab liegt 1,5 Autostunden nördliche von Sharm El Sheik. Nahe Dahab liegt der berühmt berüchtigte Tauchspot Blue Hole, der nahezu senkrecht auf eine Tiefe von 110 Metern abfällt und ein beliebtes Ausflugsziel ist. Dahab war schon immer als ruhigere, Backpacker oder Hippi Stadt bekannt und bietet mit zahlreichen Cafes und Bars mit Liegen direkt am Strand wirklich ein entspanntes Flair. Nur deutsche trauen sich kaum noch hierher. Die kleinen Souvenirläden liegen still im strahlenden Sonnenschein, die meisten Liegen am Strand sind leer. Von Terror aber ist keine Spur.

Die Ägypter sind verzweifelt, zu lange schon stagnieren die Touristenzahlen, zu oft sorgen Warnungen für immer mehr Urlauber, die das Land aus ihrer Liste gestrichen haben. Normalerweise beginnt im April die Saison, jetzt schließen mache ihr Läden. Für Deutsche, die in Dahab leben, ist es schon fast peinlich. Zuerst wird investiert, sodass die Bedürfnisse der Urlauber gestillt werden, um dann, aufgrund von aufgebauschten Medien, einfach weg zu bleiben. Was zurück bleibt: Ägypter, die sich auf Touristen eingelassen haben und nun vor dem Nichts stehen. Manche sehen sich bereits gezwungen auf der Suche nach Arbeit nach Kairo zu ziehen.

Im Namen des Terrors

Natürlich ist etwas vorgefallen, dass das Auswärtige Amt zu den Warnungen veranlasst hat: Im Sommer 2013 war nach zahlreichen Protesten, die vor allem in Kairo statt fanden, ein in toter deutscher in Hurghada der Anlaß für den Stopp der deutschen Touristen. Am 16.02. diesen Jahres fand in dem in der Nahe der israelischen Grenze gelegenen Ort Taba en Anschlag auf ein Touristenbus mit mehreren Toten statt. In der Hauptstadt brodelte es zudem von Demonstrationen und Gewalt gegen Polizeistationen.   Die Absetzung des Präsidenten Mursi im Juli 2013 verstärkte die bereits seit 2011 unruhige politische Stimmung im Land. Nach dem Sturz Mubaraks im Jahr 2011 wurde Mursi mit der durch die Muslimbrüder gegründete Freiheits- und Gerechtigkeitspartei zum Parteivorsitzenden gewählt. Für die Massenmedien war nun sofort klar: Die Muslim Brüder sind hier die Unruhestifter.

Die deutsche Berichterstattung will es ihren Bürgern einfach machen und konstruiert ein passendes schwarz-weiss Bild der Lage. Die bereits im Jahr 1928 gegründete sunnitisch-islamische Bewegung der Muslimbruderschaft, der auch Präsident Mursi angehört, ist aber wesentlich Älter als ein paar Jahre und muss auch in diesem Kontext gesehen werden.

Das Ziel islamische Moralvorstellungen zu verbreiten war seit 1928 eines neben vielen anderen: Die Muslimbrüder unterstützten zudem wohltätige und soziale Einrichtungen und kümmerten sich um die Belange des Volks. Die schnell wachsende Gruppe besaß bald eigene Krankenhäuser, Firmen und Schulen. Dass sie eine willkommene Zielscheibe unter dem Namen des Terrors wurden, hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass sie seit Anbeginn ihrer Ausbreitung das Ziel hatten, Ägypten freier und unabhängiger zu machen. Dabei ging es auch darum, sich die Unabhängigkeit vor westlichen Investoren zu bewahren.

Was wir wissen: dass wir nichts Genaues wissen

Es geht hier weniger darum, vorgefertigte Meinung umzustülpen, denn es sollte keineswegs hiermit gesagt werden, dass nur gutes von der Muslimbruderschaft ausging. Freilich ist es ein schmaler Grad, der aus westlicher Sicht oft als unmöglich angesehen wird, auf dem sich die islamisch orientierte Gruppe sich bewegt. Doch die andere Seit ist bereits zur Genüge bekannt. Daher ist es vorrangig wichtiger, die vorherrschende Meinung für Themen, nicht nur auf Ägyptens Situation bedacht, zu sensibilisieren. Oft berichten die Massenmedien einseitig, wie man in der derzeitigen Krim Krise erkennen kann. Dies führt zu Meinungsmache, wo keine Hintergrund vorhanden ist. Gemüter werden einseitig aufgeheizt und das kann gefährlich werden.

Es sind wohl auch zu viele angebliche News, die täglich reinflattern und die News Seiten füllen, sodass die Zeit zum recherchieren und vor allem auch zum nachdenken fehlt. Stattdessen werden so viele Schlagzeilen wie möglich aufgenommen, um up-to-date zu sein. Nichts geschieht aber ohne Grund und vor allem nicht ohne Hintergrund: Daher macht es meistens mehr Sinn und führt zu mehr allgemeinem Verständnis, wenn man sich mit weniger top-news von renommierten Tageszeitungsredakteuren und sich dafür genauer und intensiver selbst mit den Themen auseinandersetzt.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die Gegend um Hurghada ist wohl derzeit wirklich nicht anschlagsgefährdet.

    Richtig ist auch, dass die Muslimbruderschaft lange Zeit eine wichtige Anaufstelle für die Armen im Lande war.

    Aber nach Mursis Wahl haben die Anhänger eines islamistischen Gottesstaats unter den Muslimbrüdern das Konzept in die Hand genommen und wollten die Scharia einführen. Von Demokratie will ich nicht reden, die lässt sich nicht einfach exportieren (besonders nicht unser fremdbestimmtes paralmentarisches System).

    Ohne eine Art Atatürk gibt es im islamistischen Umfeld keinen Rechtsstaat.Ob das Militär in Ägypten ihn fördern wird, ist wiederum fraglich.
    Da lohnte es nicht, den Diktator Mubarak abzusägen, ähnlich wie vor ihm Hussein und bald Assad.