in USA

Der schlimmste Fehler in der US-amerikanischen Geschichte war die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Umwandlung der US-Regierung von einer verfassungsmäßigen, eingeschränkten Regierung in einen nationalen Sicherheitsstaat.

Von Jacob G. Hornberger – Nichts hat mehr dazu beigetragen, das Gewissen, die Prinzipien und Werte der amerikanischen Menschen zu verzerren, einschließlich derjenigen, die im US-Militär dienen.

Ein gutes Beispiel dafür, wie sich der nationale Sicherheitsstaat nachteilig auf das Denken der US-Soldaten ausgewirkt hat, widerspiegelte sich in der Ausgabe der New York Times vom 10. Februar 2017 unter dem Titel „What We‘ re Fighting For“ („Wofür wir kämpfen“). Verfasst durch einen Irakkriegsveteranen namens Phil Klay, zeigt der Artikel perfekt, was der nationale Sicherheitsstaat den Soldaten und anderen angetan hat und warum es für die Amerikaner so dringend erforderlich ist, in unserem Land eine verfassungsmäßige Republik wiederherzustellen.

Klay beginnt seinen Kommentar, indem er die Heldentaten eines anderen US-Marines, First Lt. Brian Chontosh preist, dem es durch seine große Tapferkeit gelang, ungefähr zwei Dutzend Iraker in einem heftigen Feuergefecht während der US-Invasion 2003 im Irak zu töten, so Klay.

Als ich ein neuer Marine war, gerade in das Korps eingetreten, war diese Geschichte von der Irak-Invasion für mich der Inbegriff von Heldentum. Es ist ein perfektes Bild des Krieges, um neue Offizierskandidaten zu inspirieren, ganz im Einklang mit den jugendlichen Vorstellungen davon, was Krieg ist und welche Art von Mut es braucht – körperlichen Mut, bis zum Ende.

Klay geht dann weiter und erzählt eine Geschichte über ein Ereignis, das er erlebt hat, als er 2007 in den Irak entsandt wurde. Nachdem die Ärzte nicht in der Lage waren, das Leben eines Marines, der von einem irakischen Scharfschützen getroffen worden war, zu retten, fuhren die gleichen Ärzte damit fort, den irakischen Scharfschützen zu behandeln und zu retten, der selbst von US-Truppen angeschossen worden war. Klay benutzte die Geschichte, um die tugendhafte Art und Weise hervorzustreichen, in der die US-Streitkräfte ihre militärische Mission im Irak durchführten.

Gut, beobachtet Klay, ausgenommen möglicherweise Abu Ghraib, das irakische Gefängnis, in dem Saddam Husseins Regierung unzählige Iraker gefoltert und missbraucht hatte und das das US-Militär zu seinem eigenen Zentrum für Folterung und Missbrauch von Irakern machte, die während der US-Invasion 2003 des Landes gefangengenommen wurden. Klay erzählt die Geschichte eines Verteidigungskontraktors namens Eric Fair, der einen irakischen Gefangenen folterte, um aus diesem Informationen über eine Autobombenfabrik herauszubekommen. Ermutigt durch diese erfolgreiche Anwendung der Folter hat Fair sie gegen viele weitere Iraker eingesetzt, von denen jedoch keiner belastende Beweise vorlegen konnte.

Klay unterstreicht, dass Abu Ghraib und Guantanamo Bay die Hauptwendepunkte im Irak-Krieg waren, weil Gefangenermißbrauch in beiden Lagern eine treibende Kraft für Iraker wurde, sich dem Aufstand im Irak anzuschließen. Während Fair durch seinen erfolgreichen Einsatz von Folter zwar Leben gerettet haben mag, könnten er und andere US-Bedienstete, die Menschen in Abu Ghraib und Guantanamo Bay gefoltert und misshandelt haben, langfristig das Leben von viel mehr US-Soldaten gekostet haben.

Klay meint jedoch, dass nichts davon wirklich Fairs Schuld war. Auch wenn er einige moralische Grenzen überschritten haben mag, so Klay, sei alles, was er getan habe, im Einklang mit den gesetzlichen Regeln und Vorschriften gewesen, schreibt Klay.

Und Eric tat, was unsere Nation von ihm verlangte, benutzte Techniken, die überprüft und genehmigt wurden und an Geheimdienstler und Armeekontrahenten wie ihn selbst weitergegeben wurden. Juristen auf höchster Regierungsebene wurden konsultiert und gebeten, uns an den äußersten Rand dessen zu bringen, was das Gesetz erlauben könnte. Das zu tun, was nötig ist, egal, ob solche Maßnahmen die „Bindung aller guten Menschen“ sichern, oder ob sie diesem Eid gerecht werden, den wir schwören, die Verfassung zu unterstützen und zu verteidigen.

Klay bezieht sich auf den Eid, den US-Soldaten leisten, nämlich die Verfassung zu unterstützen und zu verteidigen. Indem er eindeutig sich und anderen Mitgliedern des US-Militärs auf die Schulter klopft, sagt er, dass US-Soldaten mit Ehre kämpfen, um eine „Reihe von Prinzipien“ zu verteidigen, die sich in der Verfassung widerspiegeln und die Amerika definieren.

Es wäre schwierig, ein besseres Beispiel für ein Leben in der Lüge zu finden, als das von Phil Klay. Er demonstriert in perfekter Weise, was ein nationaler Sicherheitsstaat den Köpfen der Soldaten antut und warum die Gründerväter so sehr gegen diese Art von Regierungsstruktur waren.

Die Rechte der Eindringlinge

Beachten Sie eine große Auslassung von Klays selbstverherrlichendem Artikel: Der Irak griff nie die Vereinigten Staaten an und hat auch nie damit gedoht das zu tun. Stattdessen war es die US-Regierung, die mit ihren Truppen im Irakkrieg die angreifende Nation war. Aggressionskriege – Angriff, Invasion und Besetzung anderer Länder – gehörten zu den Straftaten, für die die Angeklagten in Nürnberg verurteilt (und aufgehängt, d.Ü.)wurden.

Es ist absolut faszinierend, dass dieser kritisch wichtige Punkt Klay so vollkommen zu entgehen scheint. Es ist, als ob er einfach nicht existiert oder einfach nicht zählt. Sein Denken fängt einfach mit der Tatsache an, dass US-Truppen in den Krieg einsteigen, und von dort aus geht es weiter, um sich auf den Mut und die Menschlichkeit der Truppen zu konzentrieren, wie ihre Tapferkeit im Kampf ihn inspirierte, und wie sie den Feind menschlich behandelten. Es fällt ihm nie ein, die lebenswichtige Frage zu stellen: Hatten US-Truppen irgendein gültiges oder moralisches Recht, im Irak zu sein und jedermann dort, einschließlich die irakischen Soldaten, Rebellen, Zivilisten und Beamten zu töten, die für die irakische Regierung arbeiten?

Vor vielen Jahren habe ich einem libertären Freund von mir, der katholischer Priester war, eine Frage über die US-Invasion und Besetzung des Irak gestellt. Ich fragte ihn, ob, wenn ein amerikanischer Soldat im Irak in eine töte-oder werde-getötet-Situation kommt, er ein Recht hat, auf einen irakischen Soldaten zu schießen.

Die Antwort meines Freundes war eindeutig: absolut nicht, antwortete er. Da er kein legitimes Recht hat, im Irak zu sein, da er ein Teil der Aggressionskräfte ist, die den Krieg ausgelöst haben, kann er nach Gottes Gesetzen niemanden töten, auch nicht, indem er sich selbst davon überzeugt, dass er nur in „Selbstverteidigung“ handelt.

Ich antwortete: „Willst du damit sagen, dass seine einzige Wahl darin besteht, davonzulaufen oder sich töten zu lassen?“ Er antwortete: „Das ist genau das, was ich sage. Nach den Gesetzen Gottes kann er niemanden im Irak töten, weil er kein Recht hat, dort zu sein.“

Angenommen, ein Einbrecher betritt das Haus eines Menschen mitten in der Nacht. Der Hausbesitzer wacht auf, entdeckt den Eindringling und fängt an, auf ihn zu schießen. Der Einbrecher feuert zurück und tötet den Hausbesitzer.

Der Einbrecher erscheint vor Gericht und erklärt, dass er nie die Absicht hatte, den Hausbesitzer zu töten und dass er einfach nur in Selbstverteidigung zurückfeuerte. Er könnte vielleicht sogar dem Richter erklären, wie mutig er unter Beschuss reagierte und wie geschickt er den Hausbesitzer ausmanövrierte und erschoss.

Der Richter würde allerdings jeden Anspruch des Einbrechers auf Selbstverteidigung zurueckweisen. Warum? Weil der Einbrecher kein Recht hatte, im Haus des Hausbesitzers zu sein. Wie der US-Soldat im Irak hatte der Einbrecher, als der Hausbewohner anfing zu schießen, nur zwei zugelassene und moralische Optionen: weglaufen oder getötet werden.

Das ist es, was mein katholischer Priesterfreund in Bezug auf US-Soldaten im Irak unterstrich. Sie hatten kein Recht, dort zu sein. Sie drangen in ein armes Dritte-Welt-Land ein, dessen Regierung niemals die Vereinigten Staaten angegriffen hatte, und sie töteten, folterten und mißbrauchten Menschen, die sie nicht töten, foltern oder missbrauchen durften.

Das ist, was Klay und die meisten anderen Mitglieder des US-Militärs und in der Tat viele Amerikaner noch immer nicht begreifen: dass die irakischen Menschen diejenigen waren, die das Recht der Selbstverteidigung gegen eine illegale Invasion durch eine fremde Macht ausübten, und dass US-Streitkräfte als die Angriffsmacht im Krieg kein legales oder moralisches Recht hatten, irgendeinen Iraker zu töten, nicht einmal in „Selbstverteidigung“.

Klay schwärmt eloquent über die US-Verfassung und den Eid, den Soldaten leisten, um diese zu unterstützen und zu verteidigen, aber das ist in Wirklichkeit nur eine weitere perfekte Demonstration des Lebens in der Lüge, in der er und so viele andere US-Soldaten leben. Die Wirklichkeit ist, dass, wenn US-Soldaten geloben, die Verfassung zu unterstützen und zu verteidigen, sie praktisch geloben, die Befehle und Kommandos des Präsidenten loyal zu befolgen, der ihr militärischer Oberbefehlshaber ist.

Es gibt kein besseres Beispiel für dieses Phänomen als das, was im Irak geschehen ist. Die US-Verfassung ist klar: Der Präsident darf ohne Kriegserklärung des Kongresses keinen Krieg führen. Keine Kriegserklärung, kein Krieg. Jeder US-Soldat, dem befohlen wurde, in den Irak einzudringen, wusste das oder hätte das wissen müssen.

Jeder, einschließlich die Truppen, wußte auch, dass der Kongreß nicht den Krieg gegen den Irak erklärt hatte. Dennoch unterstützte kein einziger Soldat die Verfassung oder verteidigte sie, indem er George Bushs Befehl ablehnte, den Irak anzugreifen und einzufallen. Jeder von ihnen befolgte loyal seinen Befehl, anzugreifen und einzudringen, in dem Wissen, dass das bedeuten würde, Menschen im Irak zu töten – Menschen zu töten, die niemals die Vereinigten Staaten angegriffen hatten. Und sie alle überzeugten sich selbst davon, dass sie die Verfassung unterstützten und verteidigten, indem sie den Befehlen des Präsidenten folgten, in den Irak einzufallen und Iraker zu töten.

Wie bringen US-Soldaten das in Einklang? Sie überzeugen sich selbst davon, dass sie die Verfassung unterstützen und verteidigen, indem sie den Befehlen des Präsidenten gehorchen, der von den Bürgern demokratisch gewählt wurde. Es ist nicht ihre Aufgabe, so sagen sie sich selbst, zu beurteilen, was verfassungskonform ist und was nicht. Ihre Aufgabe, so glauben sie, ist es einfach das zu tun, was ihnen der Präsident durch seine Untergebenen befiehlt. Sie unterstützen und verteidigen die Verfassung, wann immer sie treu und gehorsam die Befehle des Präsidenten ausführen.

Das bedeutet also, dass die stehende Armee nichts anderes ist als die Privatarmee des Präsidenten. Praktisch gesehen werden Soldaten alles tun, was ihnen befohlen wird. Wenn sie es nicht tun, werden sie schnell erschossen oder einfach ausgetauscht, was einen guten Anreiz für andere darstellt, das zu tun, was ihnen gesagt wird. Das ist der Grund, warum Soldaten in den Irak eindrangen, der nie die Vereinigten Staaten von Amerika angegriffen hatte, und Leute töteten, die ihr Land gegen eine rechtswidrige Invasion verteidigten. Das ist auch der Grund, warum Soldaten und Militärkontrahenten Menschen in Abu Ghraib, Guantanamo Bay und anderswo gefoltert und misshandelt haben. Sie alle glaubten, dass sie die Anweisungen ihrer Vorgesetzten vom Präsidenten an abwärts befolgten und dass sie dabei die Verfassung unterstützten und verteidigten.

Wie die Menschen im Laufe der Geschichte gelernt haben, stellt eine ständige Armee deshalb auch eine so ernste Bedrohung für die Freiheit und das Wohlergehen der Bürger dar. Diese ist das Mittel, mit dem ein Tyrann der Bürgerschaft seinen Willen aufzwingt und durchsetzt. Fragen Sie einfach das chilenische Volk, wo die Truppen eines Militärregimes, das vom US-amerikanischen Sicherheitsestablishment an die Macht gebracht wurde, Zehntausende von unschuldigen Menschen zusammengetrieben und inhaftiert, gefoltert, vergewaltigt, missbraucht oder hingerichtet haben, und das alles ohne rechtsstaatliche Verfahren und mit Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Vor der Invasion des Iraks las ich, dass einige katholische Soldaten tief beunruhigt waren von der Aussicht, Menschen in einem Krieg zu töten, den die US-Regierung begonnen hat. Ich war überrascht, zu lesen, dass ein US-Militärseelsorger ihnen erklärte, dass sie nach Gottes Gesetzen das Recht hätten, dem Befehl des Präsidenten zu gehorchen, in den Irak einzudringen und Iraker zu töten. Gott würde es ihnen nicht übel nehmen, sagte er, wenn sie Menschen töteten, während sie Befehle befolgten.

Wirklich? Werden Gottes Gesetze wirklich durch die Befehle des Militärkommandanten einer Regierung aufgehoben? Wenn dem so wäre, glaubst du nicht, dass das Gebot Gottes lauten würde: „Du sollst nicht töten, es sei denn, dein Herrscher befiehlt dir, dies in einem Angriffskrieg gegen ein anderes Volk zu tun“?

Bis zum heutigen Tag gibt es diejenigen, die behaupten, dass George W. Bush einfach einen ehrlichen Fehler gemacht hat, indem er behauptete, dass Saddam Hussein, der irakische Diktator, Massenvernichtungswaffen (WMDs) behalten hat und dass US-Soldaten gerechtfertigt waren, Bush zu vertrauen, indem sie loyal seinen Befehlen gehorchten, in den Irak einzufallen und diesen zu besetzen, „um Saddam zu entwaffnen „.

Sie ignorieren drei wichtige Punkte: Es bestand die eindeutige Möglichkeit, dass Bush und seine Leute einfach nur lügen. Es wäre zweifellos nicht das erste Mal gewesen, dass ein Präsident gelogen hatte, um Unterstützung für einen Krieg zu sammeln. Lyndon Johnsons Lügen bezüglich eines angeblichen Angriffs der Nordvietnamesen auf US-Kriegsschiffe im Golf von Tonkin in Vietnam kommen mir in den Sinn. Zweitens: Bush sicherte sich nicht die verfassungsmäßig erforderliche Kriegserklärung des Kongresses, höchstwahrscheinlich, weil er wußte, daß Hearings im Kongress seine WMD-Angstmacherei als die Lüge aufdecken würden, die sie war. Und drittens: nur die UNO, nicht die US-Regierung, war berechtigt, ihre Resolutionen bezüglich der irakischen Massenvernichtungswaffen durchzusetzen.

Außerdem ergibt sich durch Indizienbeweise, dass Bush gelogen hat und daß der WMD-Schrecken völlig gefälscht war. Viele Leute vergessen, dass die US-Regierung in den 1990er Jahren wie der Teufel auf einen Regimewechsel im Irak aus war. Um einen solchen ging es bei den brutalen Sanktionen, die zum Tod einer halben Million irakischer Kinder beitrugen. Als die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen Madeleine Albright in der TV-Sendung „Sixty Minutes“ gefragt wurde, ob sich der Tod einer halben Million irakischer Kinder durch die Sanktionen „lohne“, antwortete sie, dass diese Todesfälle „es wert“ waren.

Dieser Drang nach einem Regimewechsel im Irak wuchs mit jedem Jahr in den 1990er Jahren, sowohl unter Liberalen als auch unter Konservativen. Es wurden immer mehr Forderungen laut, Saddam loszuwerden. Als Bush nach den 9/11-Anschlägen mit seiner WMD -Angstmacherei anfing, hätte jeder vorsichtig sein müssen, weil das alle Kennzeichen eines Vorwands an sich hatte, um in den Irak einzudringen, nachdem mehr als 10 Jahre Sanktionen es nicht geschafft hatten, dieses Ziel zu erreichen.

Der beste Beweis dafür, dass Bush in Bezug auf die Massenvernichtungswaffen gelogen hatte, lag vor, nachdem festgestellt wurde, dass es keine WMDs im Irak gab. Hätte Bush die Wahrheit gesagt, hätte er sagen können: „Es tut mir sehr leid. Ich habe einen schweren Fehler begangen, und meine Armee hat als Folge meines Fehlers eine große Menge Menschen getötet. Hiermit befehle ich allen US-Truppen, nach Hause zu kommen, und hiermit kündige ich meinen Rücktritt als Präsident an.“

Bush hat das nicht getan. Tatsächlich äußerte er keine Spur von Reue oder Bedauern über den Verlust von Menschenleben für das, was angeblich das Ergebnis eines Fehlers gewesen war. Er wusste, dass er erreicht hatte, was der US-nationale Sicherheitsstaat mit seinen brutalen Sanktionen – Regimewechsel im Irak – seit mehr als einem Jahrzehnt zu erreichen versucht hatte, und er hatte die fingierte Angst vor Massenvernichtungswaffen genutzt, um Unterstützung für seine Invasion zu erhalten. Und bezeichnenderweise wurden die Truppen noch mehrere Jahre mit der Besetzung des Irak beschäftigt, in denen sie Zehntausende von Irakern töteten.

Eines ist sicher: Als Phil Klay 2007 im Irak eintraf, wusste er genau, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gegeben hatte. Er wusste auch, dass der Irak nie die Vereinigten Staaten von Amerika angegriffen hatte. Zu dieser Zeit wusste er genau, dass die US-Regierung ein Land unter falschem oder zumindest irrigem Vorwand erobert hatte. Er wusste, dass es keine Kriegserklärung des Kongresses gegeben hatte. Er wusste, dass es keine legale oder moralische Grundlage für eine militärische Besetzung gab, die weiterhin Menschen in einem verarmten Dritte-Welt-Land tötete, deren schlimmstes „Verbrechen“ schlicht darin bestand, ihr Land von einem illegalen Besatzer zu befreien.

Dennoch, bestärkt durch Leute, die ihnen für „ihren Dienst im Irak dankten,“ überzeugte sich Klay wie andere US-Soldaten, dass sein „Dienst“ im Irak ein großartiges und glorreiches Opfer für sein Land war, dass sie die Rechte und Freiheiten der Amerikaner verteidigten und dass sie unsere Sicherheit aufrecht hielten. Es war ein klassisches Leben in der Lüge, weil unsere Nation, unsere Rechte und Freiheiten und unsere Sicherheit nie von jemandem im Irak bedroht wurden, einschließlich der Millionen von Irakern, die getötet, verstümmelt, verletzt, gefoltert, misshandelt oder ins Exil geschickt wurden oder deren Häuser, Geschäfte oder Infrastruktur durch Bomben, Raketen, Kugeln und Panzer zerstört wurden.

Tatsächlich war das Wesen, das die Rechte und Freiheiten des amerikanischen Volkes wirklich bedrohte, die US-Regierung, die sich als Teil ihrer Bemühungen, uns vor den Feinden zu schützen, die ihre interventionistische Politik hervorgebracht hatte, praktisch totalitäre Macht anmaßte. In den Sinn kommen die totalitäre Macht, Amerikaner zu ermorden, die geheime Massenüberwachung und die Einkerkerung und Folterung amerikanischer Bürger als mutmaßliche Terroristen – alles ohne rechtsstaatliche Verfahren und ohne Gerichtsprozess mit Geschworenen.

Das ist es, was ein nationaler Sicherheitsstaat den Menschen antut – er verzerrt, schädigt oder zerstört ihr Gewissen, ihre Prinzipien und Werte; er bringt sie dazu, falsche Informationen zu akzeptieren; und er fördert alle möglichen mentalen Verrenkungen, damit die Menschen sich nicht der Realität stellen müssen.

Viele Jahre nach Brian Chontosh’s Heldentaten im Irak war Phil Klay überrascht zu erfahren, dass Chontosh eine gewisse Ambivalenz gegenüber dem empfand, was er getan hatte. „Es ist hässlich, gewalttätig, ekelhaft. Ich wünschte, es wäre nicht Teil dessen gewesen, was wir zu tun hatten „, schrieb Chontosh später.

Vielleicht, weil das Gewissen begann, sich in ihm zu regen. Das ist ein gutes Zeichen. Vielleicht wird es auch anfangen, sich bei Phil Klay zu regen. Und auch bei anderen Mitgliedern des Militärs.

Quelle: fff.org – Übersetzung: Klaus Madersbacher

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die ewigen Wiederholungen der Kernsätze in diesem Bericht müssen wir Europäer dem Autor nachsehen, weil er direkt und allein die Amerikaner anspricht, die in Jahrzehnten gehirngewaschen sind, dass sie wie selbstbesoffen davon überzeugt sind, dass die USA „Gods Own Country“ wären. Es scheint nicht mehr utopisch, sich einen strammen Polizeistaat USA vorzustellen, faschhistischer noch als unter McCarthy und vergleichbar nur noch mit dem Dritten Reich.

  2. Zitat aus dem Artikel: „Es ist nicht ihre Aufgabe, so sagen sie sich selbst, zu beurteilen, was verfassungskonform ist und was nicht. Ihre Aufgabe, so glauben sie, ist es einfach das zu tun, was ihnen der Präsident durch seine Untergebenen befiehlt.“

    Das ist wie ein roter Faden der sich durch die Geschichte der Menschheit zieht. Müssten wir nicht langsam klüger sein?