in Naher Osten

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Nach der Rede Bashar al Assads vom 6. Januar, die man getrost Ankündigung eines Totalen Krieges gegen den vom Ausland unterhaltenen Bandenkrieg nennen kann – zum zweiten Gleis der Ansprache, die Bemühungen um einen politischen Einigungsprozess und nationale Versöhnung vergleiche man den Überblick von Christof Lehmann –  mehren sich auch in der Regierungspresse der Angreiferstaaten Stimmen, die der syrischen Armee deutliche Fortschritte in der Rekonsolidierung der Regierungsmacht bescheinigen.

FSA und Al Nusra in Schwierigkeiten

Stellvertretend sei die bekennende zionistische Rassistin Jenifer Rubin zitiert. In Rubins Augen, würdigt man die Links, ist gewiß jeder tote Araber ein guter Araber. Angesichts ihrer journalistischen “Kompetenz” darf man den Verdacht hegen, die Washington Post halte sie sich als Maskottchen und Aushängeschild für eine Klientel, mit der man in den USA zu rechnen hat.

In einem Blog vom 25.Jan. kommentierte Rubin Äußerungen des französischen Außenministers Fabius, der sich im letzten Jahr mit einem Mordaufruf gegen Assad hervor tat, im Dezember verkündet hatte, “Assads Ende” sei “nahe“, vor einer Woche jedoch einräumte, es gebe “derzeit keine positiven Anzeichen”, dass sich etwas in Richtung “Machtübernahme der Opposition” bewege. Rubin:

Die Aussicht, daß Assad sich noch Monate oder Jahre lang halten könnte, stellt eine menschenrecht(!)liche Katastrophe dar, verschärft (!) um eine Flüchtlingsflut (!!) (refugee outflow) und den Triumph des Iran. Die Regierung und ihre nominierten Sicherheitsanwälte sollten darüber zur Rede gestellt werden, dass sie weiter annehmen, Assad stehe kurz vor dem Fall … Wollen wir (!!) wirklich mit Assads fortgesetzter Herrschaft leben, und wenn nein, was werden wir dagegen tun? (Herv. & kommentierende Satzzeichen v.m., TG)

In der Tat schienen all die z.T. von Bandenführern bestätigten Verlustberichte der “Rebellen” auf breiter Front CIA, NSA und das Weiße Haus zwei Tage zuvor noch nicht erreicht zu haben, folgt man den Worten von Obama’s Pressesprecher, Jay Carney:

Mit jedem Tag schwindet die Widerstandskraft des [syrischen] Regimes, gehen Gebiete seinem Zugriff verloren, und gewinnt die Opposition an Kraft und Zuversicht.

Schwere Verluste, teilweise mit Filmmaterial belegt, hatten die Proxys im Raum Damaskus, insbesondere Daraya, in Homs, Al Qsair, Ar Rastan und nicht zuletzt Idleb erlitten, jenem Idleb, das bis vor zwei Wochen als Hauptstadt eines “Safe Haven” der FSA gehandelt wurde, in dem sich die Kriegsbe-richt-erstatter der westlichen Journaille die Türen in die Hand gaben.

Etlichen britischen Berichten über teils blutige Konflikte zwischen “FSA” -Brigaden und takfirischen / salafistischen Jihadisten und Plünderern verschloss sich jüngst auch die NYT nicht länger, nutzte einen Bericht westlicher Journalisten aus Saraqib über fundamentalistische Ausschreitungen  freilich – so muss inzwischen gesagt werden  –  die Radikalen mit ihrer angeblichen völkischen Klientel zu rechtfertigen, die “eben”  sittlich “ähnlich” empfinde”, wie die radikalen Frauenfreunde

Jordanien schert aus – Saudi Arabien und Ägypten auch?

Schwerer wiegen, zumindest auf längere Sicht, Absetzbewegungen und Erosionserscheinungen in der Front der Angreiferstaaten.

Irreversibel scheint Jordanien von der Kriegsfront zurück getreten zu sein. Ende November schon hatte der jordanische König einen (regulären) Angriff auf Syrien von jordanischem Boden ausgeschlossen, worauf nach iranischen Berichten, die von irakischer Seite undementiert blieben, in Jordanien “geparkte” amerikanische Kampftruppen in Divisionsstärke zurück in den Irak, in die Nähe der Nordostprovinzen Syriens infiltriert wurden.

Am Samstag in Davos ging König Abdullah II. dem ägyptischen Sender Al Aham zufolge fast so weit, sich mit dem Kampf der syrischen Armee gegen die Takfiris zu solidarisieren.

ein erhebliches Problem im Hinblick auf die Syrienkrise [sei] die Anwesenheit der al-Kaida-Kämpfer in diesem Land und deren finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Ausland. … die Befreiung Syriens von der al-Kaida [werde], ganz optimistisch gesehen, mindestens 3 Jahre dauern. Er fügte hinzu: „Jeder, der behauptet, Baschar al-Assad werde in einigen Wochen stürzen, kennt bestimmt die komplizierte Lage und das Gleichgewicht der kämpfenden Seiten in diesem Land nicht“.

Es handelt sich da nicht nur um Rhetorik, wiewohl der jordanischen Regierung angesichts ihres durch und durch infiltrierten und bestochenen Militärs die Durchsetzung eines neutralen Grenzregimes unmöglich sein dürfte. Die NYT zitierte schon am 17. Jan. den jordanischen Premierminister Abdullah Ensour mit der Ankündigung, falls Assad “falle” (lies: ermordet werde), werde Jordanien seine Grenze für Flüchtlinge schließen. In diese Richtung ist das jordanische Grenzregime allerdings durchsetzbar. Damit man ihn recht verstehe fügte Ensour hinzu, Jordanien werde in einem solchen Fall “Spezialtruppen” entsenden, die auf syrischem Territorium “sichere Häfen” für Flüchtlinge “sichern“ sollen. Im Klartext: jordanische Truppen würden Seite an Seite mit zu Freischärlern gewordenen Bataillonen “Assad’s” gegen im Raum Daraa konzentrierte sunnitischen Extremisten kämpfen, um einen Genozid an den Alaviten, mit unvermeidlichen Folgen für die Stabilität Jordaniens zu, verhindern.

Nicht ganz so klar, doch für die Kriegsfront beunruhigend genug, sind Nachrichten, die auf eine finale Spaltung der Arabischen Liga in der Syrienfrage deuten.

Al Akhbar bekräftigte angebliche “Gerüchte” um die Aufnahme von Geheimverhandlungen jordanischer, saudischer und ägyptischer Regierungs- und Geheimdienststellen mit ihren syrischen Gegenspielern, die wohl am Klarsten – zumindest in englischer Sprache – in einem Artikel des Al Manar-Korrespondenten Daoud Rammal ausgedrückt sind, den das (Soros?)-Organ “Al Monitor” am 9. Jan. veröffentlicht hat. Das angegebene Motiv stimmt mit den o.zit. Worten des jordanischen Königs überein. Die arabischen Flächenstaaten fürchten, dass mit jeder Hundertschaft Jihadisten, die die syrische Armee ins Jenseits schicke, die takfirische Gefahr für die Geber- und Entsenderstaaten wachse.

In der Tat, der Haß nicht nur der aus Syrien fliehenden oder enttäuscht zurück kehrenden Jihadisten, sondern auch der hinterbliebener Verwandter, die, statt Sold und Beute zu genießen, Ernährer und Söhne verloren, wird sich gegen Saudi Arabien, Ägypten, Tunesien und deren “unheilige” Allianz mit den USA richten. Ein Emirat, wie der Katar, hat in dieser Hinsicht wenig zu fürchten. Dem Katar und seinen Verbündeten im GCC – Block droht daher in der Syrienfrage die Isolation in der Arabischen Liga. Auch die großzügigen Geschenke an Ägyptens Mursi werden nicht viel dagegen ausrichten können.

Ein weiteres Anzeichen ist die semioffizielle Versöhnung des saudischen Königs Abdullah bin Abdul-Aziz mit dem libanesischen Premier Najib Mikati, von der im letzten Link zu Al Akhbar die Rede ist. Sie geht zu Lasten der Koalition des 14.März, die  Saad Hariri anführt, der ehemalige libanesischen Premier, von Brüssel aus anführt. Saad Hariri lebt u.a. deshalb in Brüssel, weil er mehrfach der Konspiration mit katarischen, britischen, amerikanischen Geheimdiensten, überführt wurde, besonders mit dem zionistischen Agenten und ehemaligen Hauptverantwortlichen für den Mittleren Osten am State Department, Jeffrey Feltman,  eingeschlossen Verwicklungen in Attentate, Entführungen, Waffenlieferungen und Anwerbung von Söldnern. Im Libanon bräuchte er den Schutz einer Festung, die eher einem Gefängnis gliche …

Die diplomatische Aussöhnung zu Lasten Hariris verleiht einem weiteren Gerücht einige Glaubwürdigkeit, das besagt, hinter den Kulissen werde eine Seifenoper vorbereitet, die Hariri als “Befreier” der 9 libanesischen, der Hisbollah zugerechneten Geiseln in Szene setzen soll, die von einer ansonsten nie in Erscheinung getretenen jihadistischen Gruppe in Syrien unter türkischem Schutz seit weit über einem halben Jahr gefangen gehalten werden.

Asma al-Assad ist … schwanger …

Soweit scheinen die Zuversicht und der Optimismus Bashar al Assads, er könne den Krieg militärisch in einem Umfang entscheiden, der die Kriegsgegner zum bislang verweigerten Gang an den Verhandlungstisch zwinge, berechtigt. Asma al Assad, über der gleich über ihrem Gatten, Mord- und Lynchdrohungen aus denselben Quellen schweben, bekräftigte das hoch symbolisch, indem sie der Öffentlichkeit ihre Schwangerschaft mitteilte. Ja, ihr lest richtig. In diese Welt hat uns der Imperialismus zurück geführt. Dass dies keineswegs der ständischen Despotie der Armee und der Bürokratie in Syrien anzulasten ist, geschweige den Assads persönlich, wird gleich zu erkennen sein.

Bashar al-Assad hat im Dezember 2011 in einem Interview mit ABC-News, das ihm von allen erdenklichen Seiten, auch in Syrien, schwer zur Last gelegt wurde, erkennen lassen, wie wenig er zu dieser Zeit vom propagandistischen Diskurs des Westens verstand und wie naiv er dessen unterirdisches Niveau verkannte. Er beschied die inquisitorische Frage: “Glauben Sie, daß Sie die Unterstützung der Mehrheit des Volkes haben” sinngemäß mit der Auskunft: ‘Wenn Sie die Frage politologisch sinnvoll stellen, ja, dann ist die Antwort: Ja’, und erklärte das:

Die Mehrheit der Leute steht immer irgendwo in der Mitte – immer. Es gibt Leute, die [eine politische Führung] unterstützen, und andere, die gegen sie sind. Aber die Mehrheit steht irgendwo in der Mitte.

Das ist Elementarwissen der Herrschaftskunst, die heutzutage eine universitäre Disziplin – Politologie – ist, und viel mehr noch, wie Assad zu dieser Zeit wahrscheinlich bekannt war, zählt es zu den theoretischen Grundlagen der Strategie, die dem imperialen Angriff auf Syrien zugrunde lag. Das ist im TC 18-01 (Handbook of) SPECIAL FORCES UNCONVENTIONAL WARFARE – 2010 der US-Armee  (PDF) nachzulesen. Christof Lehmann hat seinerzeit die wesentlichen Aussagen des Handbuches übersetzt und paraphrasiert, vgl. auch meinen Blogeintrag dazu.

Es nutzte Bashar al-Assad wenig, auch daheim nicht, dass er sich mit seiner Auskunft “auf der Höhe” der militärpolitischen Anforderungen zeigte, die die imperiale Aggression an ihn und seine Regierung stellte: Inmitten des militärischen Abwehrkampfes die opportunistischen Massen hinter die militärische und politische Führung zu bringen, zumindest opportunistisch. Die Wahlen vom 10 Mai 2011 waren „sauber“ genug, um zu zeigen, dass ihm das zumindest für die städtische Bevölkerung gelungen war.

Natürlich wurde auch der machtpolitische Zynismus, den der Angriff des Westens Assad und der Armee aufzwang, z.B. die Strategie , die extremistischen Schlächter und Vergewaltiger in den Provinzen in dosiertem Umfang auch gewähren zu lassen, um zu vermeiden,  daß die Polarisierung allein zu Lasten der Regierung gehe, dem Präsidentenvon allen Seiten  moralisch zur Last gelegt, anstatt daß darüber mal ein paar Einsichten in die Brutalität der Herrschaft des Privateigentums gereift wären. Nein, angegriffen wurde Assad des Ungeschicks halber, eine Elementarform des Zynismus jeder Form gelungener Herrschaft einfach herzusagen, statt sich mit verlogenen Manövern darum herum zu drücken.

Heute, präzise mit der von patriotischer Blut- und Bodenrhetorik geradezu triefenden Ansprache vom 6. Jan., zeigte sich Bashar al-Assad auf der “Höhe” des unterirdischen öffentlichen Diskurses – und das mit machtpolitischem Recht.

Den Krieg um die Polarisierung der Volksmeinung hat er gewonnen, nicht das Imperium, und schon gar nicht dessen Zauberlehrlinge aus den Brutstätten des Banditismus der depravierten Bevölkerung Arabiens, Nordafrikas und von den imperialen Schlachthöfen in Afghanistan, Pakistan und Tschetschenien. Dafür gibt es viele unabhängige Zeugnisse.

Zum Beispiel diesen Artikel von David Ignatius vom 5. Jan., in dem der Autor versucht, dem von Assad anvisierten  “Versöhnungsprozess”, der nach den Wahlen vom Mai 2011 ein eigenes Ministerium erhielt, unter Führung des gemäßigten Oppositionellen und Universitätskameraden Bashar Assads, Ali Haidar,  eine legalistische Alternative unter imperialem Patronat entgegen zu setzen. Von den USA eigens lizensierte Richter sollen die syrische Elite per Strang und Festungshaft neu sortieren und damit der opportunistischen Mehrheit die Richtgrößen und Leithammel ihrer künftigen Unterwerfung vorgeben. Ein surrealer Vorschlag. Insoweit die Blutopfer, die das Imperium der syrischen Bevölkerung auferlegte, überhaupt außerhalb institutioneller Lynchjustiz zu sühnen sein werden, wird dies Schicksal gemäß Assads Plan die ranghohen Folterer der Sicherheitsdienste treffen, vielleicht zuzüglich einiger betuchten Nutznießer der Korruption und Vetternwirtschaft, die einen erheblichenAnteil an der Logistik des Bandenkrieges tragen, und niemanden sonst, und ziemlich genau so wird es auch „funzen“ – oder gar nicht.

Das Stichwort Opportunismus beruft ein weiteres Beispiel, diesen Artikel vom 14. Januar. Unter dem programmatischen Titel “Die schweigende Mehrheit der Syrer verlangt einen ‘Übergang zur Vernunft’” bewirbt er eine Initiative von u.a. Nidal Alkhoudari, Nabil Beitinjaneh, Sami Bentinjane, Mazen Bilal und Camille Otrakji.

Alkhoudari und Beitinjaneh sind, wie wir aus “SyriaLeaks” wissen, Bashar al-Assad wohl bekannt. Sie sind Freunde von Mahmoud Anbar, dem Leiter des syrischen  e-government-Projekts bei der UN, das Assad im Jahr 2004 mit initiiert hat. Es zielt auf die Schaffung von technischen und administrativen Voraussetzungen für etwas, das im kommenden Zeitalter einer neuformierten ständischen Sklaverei “Basisdemokratie” heißen wird, nämlich die Amalgamierung von Herrschaft, Verwaltung und “Bürgerbeteiligung” mit Hilfe elektronischer Kommunikation auf lokaler und regionaler Ebene. Es versteht sich hoffentlich von selbst, daß dieses Projekt in diametralem Gegensatz zum Erhalt der ständischen Pfründe der Militärs, der Bürokratie und der führenden Familien in der ständischen Despotie Syriens steht.

Camille Otrakji war bis zum letzten Frühjahr, ziemlich präzise bis zum Scheitern des zionistisch-amerikanischen Angriffes auf Homs, der auf eine taktische Zweiteilung Syriens zielte, einer der Scharfmacher im gewitzten und geschickten Hasbara-Projekt “Syria Comment” des Joshua Landis. wie man z.B. Interviews entnehmen konnte, die Otrakji 2011/12 dem NED-Kampfblatt “Now Lebanon” gab. Ende April 2012 änderte Otrakji seinen Ton und seine Agenda, passte sie in etwa dem Tenor des Edeloppositionellen der LCC’s  und Feindes der bewaffneten Intervention Haitham Manaa an.

Auch diese Initiative versucht nun den verlorenen Kampf um die “schweigende”, sprich an opportunistische Duldsamkeit gewöhnte “Mehrheit” unter Aufrechterhaltung der imperialen Agenda zu retten.

Kurz nach Übernahme der Präsidentschaft verwarf  Bashar al-Assad die Idee einer Zivilgesellschaft in Syrien.

Die Hinterhältigkeit dieser Lüge kann noch verblüffen, angesichts der Beteiligung von Leuten, die an einem derjenigen Projekte beteiligt waren – und möglicherweise zeitweise davon lebten –  mit denen Assad den Widerstand und die Beharrungskräfte der militärischen und bürokratischen Stützen der ständischen Despotie Syriens gegen Veränderungen zu unterlaufen trachtete. Und es kommt noch härter:

Er (Assad) und Syrer aus allen Schichten der Gesellschaft zahlen nun für seinen anmaßenden Hochmut

Nicht etwa der Auszehrungskrieg des Westens gegen die syrische Zivilgesellschaft, einschließlich erneuter Aushebung mühsam überbrückter ethnisch – religiöser Gräben, die oben Ignatius nun als Hindernis der imperialen Agenda selbst erscheint, verlangte Tribut von den Syriern, nein, Assad soll das gewesen sein. Königsmord, wie er in den Geschichtsbüchern steht.
Das kennzeichnet das Niveau, das die imperiale Politik und Diplomatie inzwischen erreicht hat, und dies Niveau, nicht das der syrischen Ständegesellschaft, gestaltet Asma al-Assads Schwangerschaft zum Politikum!

Zurück zur US-Regierung. Wollen wir wirklich annehmen, sie agiere mit der Realitätsferne und kognitiven Dissonanz ihres Sprechers, der es sich nicht verkniff, die amerikanische Entschlossenheit zur Fortsetzung des Auszehrungskrieges gegen die syrische Zivilgesellschaft mit der Demonstration ultimater Selbstgerechtigkeit zu schmücken?

Und lassen Sie (!) uns (!) klar stellen, die Verantwortung für die humanitäre Krise in Syrien liegt bei Bashar al-Assad und seiner Regierung.

Die Selbstgerechtigkeit sollten wir glauben, die Ignoranz eher nicht.

Was plant Obama für die kommenden sechs Monate?

Etwa zwei Wochen nach der Rede Assads machte im Internet das Gerücht die Runde, Obama sei zuversichtlich, der militärische Angriff auf Syrien werde nach sechs Monaten, also im Juni, durchschlagen. Das Gerede wäre zu vernachlässigen, gäbe es nicht eine, meinen Recherchen zufolge genau eine, solche Aussage, die einem Amtsträger zuzuordnen ist.

Hürriyet Daily News nannte die 6-Monats-Frist unter Berufung auf ungenannte türkische Regierungsquellen und stellte sie in den Zusammenhang eines Besuches des Obama’schen Sonderbotschafters William Burns in Ankara vor knapp zwei Wochen. Burns war da noch amtierender, weil stellvertretender Außenminister, aber ich nenne ihn Obama’s Sonderbotschafter, weil er in Clintons Ägide kaum etwas zu melden hatte. Dies änderte sich in den Wochen, die dem neuerlichen Gaza-Überfall Netanyahus voraus gingen. Burns, nicht Clinton, verhandelte in Zeiten, die Mursi’s Loyalität gegenüber dem Imperium auf den Prüfstand stellten, mit der ägyptischen Regierung und in jenen Wochen ging es – wie sich im Nachhinein heraus stellte – u.a. um die geheime Unterhändlertätigkeit Gershon Baskins zwischen Ägypten, Hamas und … nun, sagen wir, Kreisen der IDF und der israelischen Diplomatie, die weniger blutrünstig agieren, als Netanyahu und Barak, in Verhandlungen mit dem Ziel, wenigstens eine Unterbrechung des Blutvergießens im Gaza und der Raketenangriffe aus ihm zu erreichen.

Netanyahu / Barak setzten diesem Treiben ein Ende, indem sie den Hamas-Unterhändler Ahmed al-Jabari in Stücke zerlegten, mit der erklärten Absicht, die IDF im Gaza einrücken zu lassen und der gesamten Anhängerschaft der Hamas ein ähnliches Schicksal zu bereiten. Clinton erteilte ihre Zustimmung zu diesem Verfahren während eines Blitzbesuches in Tel Aviv, doch wenige Stunden später intervenierte Obama telephonisch und nötigte die zionistische Führung mit unbekannten Argumenten zur Unterschrift unter ein vom ägyptischen Präsidenten gegengezeichnetes Waffenstillstandspapier. William Burns kann insofern als beglaubigter Übermittler des Willens des amerikanischen Präsidenten betrachtet werden.

Und dies richtet den Fokus auf Kurdistan.

Das syrische Kurdistan sowie die angrenzenden Provinzen Hasaka und Raqqah sind die Schauplätze, an denen, was ich oben zu Erfolgen der syrischen Armee, ihre Initiative und andere Gründe für Zuversicht der Verteidiger Syriens schrieb, nicht gilt.

Vor 14 Tagen entsandte die Türkei – nach Angaben der Verteidiger – über Ras al Ain ca. 1500 Söldner zusätzlich zu den Gruppen, die bereits in den Nordwestprovinzen operieren, zum Kampf gegen die kommunalen Kampftruppen der kurdischen Volkspartei PYD, die gegen die ständische Despotie Syriens stehen, aber eine Autonomie im Rahmen der syrischen Nation erreichen wollen. Der größte Teil der Söldner gibt sich mit Fahnen und Emblemen der Al Qaeda als Anhänger der “Al Nusra Front” und anderer extremistischer Gruppen zu erkennen. Im Vorgriff auf eine gründlichere Dokumentation verweise ich auf einen kurzen Bericht des deutschen Portals dieKurden.de und diese Wiki. Ein Hilferuf des Erzbischoffs Hindo über Agenzia Fides vom 2.1. dokumentiert, dass die FSA und ihre takfirischen Verbündeten  die Bevölkerung der Provinz Hasaka seit Ende November auszuhungern versuchen. Die Kampagne wird um Morde, Vergewaltigungen, Entführungen, Raub und Vandalismus ergänzt, begangen an Angehörigen der christlichen Gemeinden und Familien, die der Loyalität zum syrischen Staat verdächtig sind.

Es ist anzunehmen, daß zumindest ein Teil der Angriffe aus der kurdischen Bevölkerung selbst kommt, besonders aus dem Kreis der Anhänger des KNC, der, vom Irak aus finanziert und weitgehend gesteuert, eine Sezession Westkurdistans zugunsten einer Föderation mit dem irakischen Kurdistan anstrebt. Dem KNC bleibt kaum eine Alternative zur militärischen Vernichtung der Gegenspieler aus der PYD. Denn deren Aktivisten gelang es dank hohen Organisationsgrades ihren sozialrevolutionären Zielen in der seit ca. einem halben Jahr andauernden Selbstverwaltung der kurdischen Kommunen Anhänger zu verschaffen und das politische und administrative Leben vielerorts zu dominieren (vgl. dazu http://civaka-azad.org/). Zu Lasten der traditionellen Patriarchen, denen die PYD auch noch das Programm der Frauenemanzipation entgegen stellt.

Die Ausstattung der Angreifer mit Panzern ist möglicherweise keine Wiederholung ähnlicher  Ereignisse des vergangenen November, damals v.a. von der FSA geführt, die mit einer Niederlage der Angreifer endeten. Es soll sich nicht um Beutewaffen, sondern um T-55 gehandelt haben, von denen die Türkei Mitte der 90ger etliche Exemplare aus Ostblockbeständen erwarb. Während die syrische Luftwaffe vor einer Woche noch einige Luftangriffe auf die Angreifer flog, die von kurdischer Seite allenfalls widerwillig begrüßt worden sind, muß sie sich das seit Sonntag reiflicher überlegen: Die deutschen Patriots sind in Kampfstellung gegangen. Es soll niemand überrascht tun, wenn die Bundeswehr in den nächsten Tagen den Abschuß eines syrischen Kampfjets meldet, der mit Panzern und schwerer Artillerie ausgestattete “Rebellen” angriff.

Wir dürfen alles in allem vermuten, daß Obama den türkischen Angriff auf die kommunalen Verteidigungskräfte der PYD zu nutzen gedenkt, um in den kommenden Monaten doch noch eine Spaltung der syrischen Armee zu erreichen, die Assad den Kopf kostet. Im Verlauf des – weitgehenden – Abzuges der syrischen Armee aus den kurdisch bewohnten Landesteilen im letzten Jahr hatten sich Spaltungstendenzen bemerkbar gemacht. Während die Übergabe der Orte an die kurdische Selbstverwaltung vielfach einvernehmlich, gelegentlich kollegial vonstatten ging, widersetzten sich anderenorts die Kommandeure und es kam zu blutigen Kämpfen.
Sollte sich in den kommenden Tagen abzeichnen, daß die Türkei, unterstützt von kurdisch-irakischen Banden und über den Irak einsickernden NATO-Guerrillas das obere Mesopotamien von Syrien zu trennen, und zu einer Provinz irakisch-Kurdistans unter türkischem Patronat zu machen sucht, dürfte die militärische Machtlosigkeit der syrischen Armee sie selbst und die politische Führung einem abschließenden Streßtest auf ihre Entschlossenheit aussetzen, zugunsten der Bewohner Syriens zu agieren, anstatt für die Erhaltung eines Territoriums für die Machtentfaltung gegenwärtiger wie zukünftiger Eliten .

In einem nächsten Beitrag, zu dem ich bereits viel Material gesammelt habe, werde ich mich der möglichen Einbettung dieser Strategie in übergeordnete imperiale Ziele widmen. Dabei wird es auch um die gezielten Angriffe auf die armenische Volksgruppe in Aleppo gehen und Bemühungen, die flüchtenden Armenier – 80 bis 100 Tausend sollen in Syrien leben – möglichst in ein “Heimatland” zu expedieren, das die meisten unter ihnen nicht kennen, dessen Sprache sie nicht oder oft nicht zureichend sprechen und in dem sie angesichts der unheilbaren Krisenlage Armeniens mehrheitlich Flüchtlinge bleiben werden. Während die Fachkräfte, die integriert werden können, unweigerlich beitragen werden, die sozialen Unruheherde Armeniens anzufachen. Zugleich erlaubt der armenische Exodus eine bequeme Einschleusung von Agenten und Söldnern in Armenien. Wenn gewünscht, gleich in Hundertschaften.  Sprachkenntnisse nicht erforderlich, ein Führerschein oder ähnlich leicht zu beschaffendes Papier genügt. Und Armenien beherbergt die wichtigste russische Luftwaffenbasis in der Region –

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Kommentar

  1. Alleine schon der einseitige Focus auf den ja ach so bösen Westen in diesem Artikel lässt nur negative Schlussfolgerungen über die Art der Recherche und die Aussage dieses pseudowissenschaftlichen Artikels zum Thema Syrian zu!
    Neben allerlei unbestätigten Mutmaßungen und einem Schreibstil der immer wieder Fragen gänzlich unbeantwortet lässt, glänzt dieser Artikel auch mit allerlei Unwissen. Nur ein Beispiel hierzu ist die angebliche Lieferung von EX-DDR Panzern vom Typ T-55 durch die Türkei an die syrischen Rebellen…..das ist leider völlig abwegig, da die Türkei T-55 Panzer allerhöchstens als Museumsstücke bereithält und schon seit eh und jeh auf Westliche Kampfpanzer setzt. Bei den DDR-Panzern handelt es sich aber um BMP/BTR APCs!!