Veröffentlicht am: Mi, Feb 06, 2013
Naher Osten | Von Thomas Grün

Bereitet die israelische Regierung einen Konflikt mit den libanesischen Schiiten vor?

Soeben heult ein Sturm durch die Medien, ausgelöst durch einen Reuters-Artikel, “Bulgarien sagt, die Hisbollah steckt hinter dem tödlichen Anschlag in Burgas“. Die bulgarische Polizei hatte entsprechende Behauptungen aus Israel vor Monaten entschieden zurück gewiesen. Es gebe keinerlei belastbare Hinweise auf Täter aus dem Nahen Osten hieß es. Zudem musste man zugeben, in den Ermittlungen in einer Sackgasse zu stecken.

Foto: Ehud Barak / Israelischer Verteidigungsminister / Robert D. Ward

Foto: Ehud Barak / Israelischer Verteidigungsminister / Robert D. Ward

Das war kein Wunder. Das Fahndungsbild, das seinerzeit auf Weisung einer eigens vom Innenministerium eingesetzte “Sonderkomission” erstellt und veröffentlicht wurde und eine rechnerbasierte Rekonstruktion des angeblich “schwer zerstörten Gesichts” des Attentäters zeigen sollte, war höchst wahrscheinlich eine Fälschung. Der von der Polizei beauftragte Pathologe hatte nach dem Anschlag Photos vom mit konventionellen Methoden hergerichteten Gesicht des Mannes veröffentlicht, das erstens nicht besonders schwer verstümmelt war und zweitens einen Bau der Gesichtsknochen zeigte, der nur eine sehr entfernte Ähnlichkeit mit der Rekonstruktion aufwies.  Die Aufklärung des Falles wurde vom Innenministerium aktiv be- und wahrscheinlich verhindert. Vergleiche dazu den Anhang dieses Artikels.

Dabei ist es geblieben, wie der Reuters Artikel erkennen läßt. Es gebe genau “drei Verdächtige”, teilte Innenminister Tsvetan Tsvetanov mit, obwohl keiner der drei befragt worden ist. Zu ihrer Identität sagte er, “zwei” hätten “echte” australische bzw. Canadische Pässe benutzt und hätten vor dem Anschlag im Libanon gelebt. Woher er von ihrem Aufenthalt im Libanon weiß, bleibt Tsvetanov Geheimnis, denn er drückte im selben Atemzug seine “Hoffnung” aus, daß “die australischen, canadischen und libanesischen Behörden beim Fortgang der Untersuchung kooperieren werden”.

Damit bleibt die einzige Verbindung zum Libanon, die  Tsvetanov konkret nannte, die Behauptung, die “drei gefälschten amerikanischen Führerscheine” seien “im Libanon gedruckt” (!!!) worden. Weiter berief er sich auf “Daten, die finanzielle und andere Verbindungen der zwei” canadischen resp. australischen Bürger mit der Hisbollah “zeigen” (“show”, nicht “prove”!).

Der Mann hat also kriminalistisch nach eigenen Angaben nichts, gar nichts in der Hand, was seine Beschuldigung rechtfertigt, außer ein paar leicht  zu fälschenden Indizien, von denen jeder Kriminalist angesichts des horrenden politischen Druckes auf das “richtige” Ergebnis zunächst professionellerweise annehmen wird und muß, daß sie gefälscht sind. Auch Tsvetanov Zusammenfassung sagt nichts anderes:

“What can be established as a well-grounded assumption is that the two persons whose real identity has been determined belonged to the military wing of Hezbollah.”

Eine “wohlbegründete Vermutung” will er haben, obwohl er über die Identität der Leute, die die fraglichen Pässe benutzt haben nichts weißganz und gar nichts. Dazu müßten die Angaben der fraglichen Personen über ihren Aufenthalt zu fraglichen Zeiten überprüft worden sein, was nach Tsvetanovs seinen Angaben nicht geschehen ist.

Doch vor solche Einwände hat sich augenblicklich Catherine Ashton, die “Hohe Rätin” der EU für Außen- und “Sicherheits”politik  gestellt.

Während Angel Krasimirov in Sofia etwas für den Reuters-Artikel in ihr Mikro sprach, diktierte Ari Rabinovitch in Jerusalem den Kommentar Netanyahus, den man sich ausreichend vorstellen kann, und Justyna Pawlak ließ in Brüssel Ashton in ihr Mikro sprechen:

“Die Folgerungen aus der Untersuchung müssen ernsthaft ["seriously", nicht  "sorgfältig"!] geprüft werden (…) Die EU und ihre Mitgliedsstaaten werden auf der Grundlage der bei der Untersuchung erhobenen Daten [based on all elements identified by the investigators] eine angemessene Reaktion diskutieren.”

Schon ist vor aller “ernsthaften Prüfung” nahezu ein militärpolitischer Fakt geschaffen. Ich wäre nicht überrascht, wenn Ashton und Netanyahu schon gesprochen hätten, bevor Tsvetan Tsvetanov seine Pressekonferenz beendete, so wie seinerzeit Netanyahu schon wenig mehr als eine Stunde nach der Tat dem israelischen Radio die Tätergruppe nannte, während der Bürgermeister von Burgas zu dieser Zeit just erfuhr, was eigentlich am Flughafen geschehen war, wie er dem bulgarischen Fernsehen mitteilte, wo man erbost war, dass aus dem Ausland mehr über den Anschlag zu erfahren war, als in Sofia.

Die Dynamik des Weltkrieges ist in den vergangenen Tagen ungemein beschleunigt worden, in Afrika, Asien und im Nahen Osten.  Unter diesen Voraussetzungen sehe ich keinen Sinn in der Fortsetzung meiner breiter angelegten Analyse und Darstellung   Zur 49. Münchner Sicherheitskonferenz nebst einigen Hintergründen (Teil 1) .  Aktualisierungen zu dort angesprochenen Themen – also nicht die angekündigten Hintergründe – habe ich bereits in zwei Blogbeiträgen vorgelegt, die interessierte Leser zu Rate ziehen mögen: (1) (2).

Und ich will nicht verschweigen, dass ich zunehmend weniger “Sinn” in der Benutzung der Feder als eines Werkzeuges sehe, nicht einmal mal mehr für die jüngeren unter euch Lesern. Die Zeit, sich Wissen über die Gründe, Zwecke und Zusammenhänge gesellschaftlichen Handelns unter den scheinbaren “Sachzwängen” der bürgerlichen Gesellschaften zu verschaffen, steht weniger, denn je in der Geschichte des Privateigentums zur Verfügung.

Anhang

Ich füge unbearbeitet zwei Privateinträge auf meinem Blog an. Die meisten Links (in englischer Sprache) habe ich überprüft. Diejenigen, die sich mit den wohlbekannten Mafiaverwicklungen der bulgarischen Regierung befassen, waren mit Blick auf die Rekrutierung von Beamten, Parlamentariern und Ministern als “Schläfer” im Dienste des Mossad gesammelt. Es ist kein Geheimnis, dass die israelischen Dienste sich krimineller Netzwerke bedienen, die Shoa erlaubt ihnen nach ihrer Deutung jedes Mittel, das zu ersinnen ist.

1) Linksammlung v. 30.7. ’12:

http://www.novinite.com/view_news.php?id=141820
http://www.timesofisrael.com/bulgarian-press-names-suicide-bomber-who-killed-israelis-as-mehdi-ghezali/
http://www.focus-fen.net/?id=n284143
http://www.novinite.com/view_news.php?id=141783
http://www.timesofisrael.com/gilat-kolengi-wife-of-man-slain-in-burgas-bombing-released-from-hospital/
http://wakeupfromyourslumber.com/comment/48507
http://richardbrenneman.wordpress.com/2011/03/17/wikicable-a-look-inside-the-bulgarian-mob/
http://www.novinite.com/view_news.php?id=135881
http://www.mafialand.de/Members/roth/offener-brief-an-den-bulgarischen-ministerpraesidenten-boyko-borisov

2) Eintrag vom 1. 8. ’12

Die Burgas – Affäre erweist sich als eine Groteske, die von der Basis des organisierten Banditentums erzählt, als welches internationale Politik in zunehmendem Umfang konzipiert und abgewickelt zu werden scheint.

Im vorerst letzten Aufzug ließ das bulgarische Innenministerium heute ein Fahndungsfoto des ausführenden Attentäters in Form einer angeblichen Gesichtsrekonstruktion veröffentlichen, das, vergleicht man es mit den geleakten Photos aus Polizeikreisen, mit Aussagen des an der ursprünglichen Untersuchung beteiligten Gerichtsmediziners und mit in der israelischen Presse erschienenen Zeugenaussagen direkt Beteiligter, offenkundig zu dem Zweck erstellt wurde, den “Kunden” unkenntlich zu machen. Man vergleiche:

http://www.bivol.bg/headshots-bus-terrorist.html
http://www.novinite.com/view_news.php?id=141775
http://www.novinite.com/view_news.php?id=141820
http://www.novinite.com/view_news.php?id=141886

Reuters wurde mit der Legende gefüttert, das Gesicht des Attentäters sei so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, daß die digitale Gesichtsrekonstruktion (statt einer plastischen) notwendig war – eine Lüge. Aber was ist das schon gegen die Fälschung der Augenfarbe von strahlend blau zu einem unbestimmten Graubraun! Und nach Auskunft der Hauptzeugin, die den Täter umständehalber genau beobachtete, als er die Bombe im Gepäckabteil deponierte, hatte der Mann deutlich Übergewicht – was auch den Photos noch in etwa zu entnehmen ist. Das Fahndungsfoto hingegen stilisiert ihn zu einem nahezu hageren Mann.

Dieselben Presseorgane Bulgariens, die bis gestern noch heftig bestritten, daß es sich bei dem Vorfall um ein “Selbstmordattentat” gehandelt habe, haben dies initiale Narrativ der bulgarischen und israelischen Regierung wieder in Kraft gesetzt, ohne dazu irgendwelche Begründungen abzugeben, und obwohl auch israelische Stellen von ihm abgerückt waren, z.b. hier:

http://www.timesofisrael.com/gilat-kolengi-wife-of-man-slain-in-burgas-bombing-released-from-hospital/
vgl. dazu:
http://www.novinite.com/view_news.php?id=141619

Nicht einmal das im letzten Link angebotene Narrativ, das bulgarische Innenministerium habe zu Ermittlungszwecken falsche Spuren gelegt, wurde aufgegriffen.

Es kommt noch dicker. Um die Zeugenaussagen der unmittelbar Beteiligten gegenstandslos zu machen, verkündete der zuständige Staatsanwalt nach 12 Tagen, die Befragungen müssten wiederholt werden, “weil die Aussagen zu später Stunde gemacht und handschriftlich aufgenommen worden waren, und eine Reihe Notizen unleserlich sind”. Zu dieser Verdeckung mag beitragen, dass die Zeugen den Attentäter möglicherweise kein Backpack, sondern einen Koffer haben verstauen sehen, jedenfalls gibt es solche Meldungen.

Die bulgarische Website, deren Verbindungen gut genug waren, der Fotos aus der Gerichtsmedizin habhaft zu werden, und die zu den ersten gehörte, die den auf flüchtigen Blick zu erkennenden Fake vom “Selbstmordattentat” entlarvte, “kippte” heut ostentativ um, indem sie (auf bulgarisch) eine plumpe, geradezu lachhafte Beschuldigung der iranischen Revolutionsgarden veröffentlichte, die allen Fakten Hohn spricht. Sie macht den Eindruck, als solle sie sagen: Wir sind keineswegs gekauft, sondern schreiben dies unter Drohungen gegen Leib und Leben.

Das mag erneut Gerüchte ins Spiel bringen, die in Verwicklungen der bulgarischen Regierung, einschließlich des Premierministers, in die Geschäfte der bulgarischen Mafia Anhalt finden und frühzeitig mit Hinweisen gefüttert wurden, die eine Verbindung der Ausführenden des Attentats zu Drogengeschäften andeuteten. TIM ist hier das Zauberakronym, dem ich drei links anfüge:

http://richardbrenneman.wordpress.com/2011/03/17/wikicable-a-look-inside-the-bulgarian-mob/
http://www.novinite.com/view_news.php?id=135881
http://www.mafialand.de/Members/roth/offener-brief-an-den-bulgarischen-ministerpraesidenten-boyko-borisov

Auch die erwähnten Falschgeldgeschäfte passen gut zur Logistik eines Attentates. TIM besitzt Tochtergesellschaften, die weltweit in der Flughafenlogistik einschließlich “Security”-Geschäften tätig sind. Darunter die in Frankfurt ansässige Gesellschaft Fraport AG, zu deren Geschäftsbereich der Flughafen Burgas zählt.

http://www.novinite.com/view_news.php?id=141865
http://www.israeldefense.com/?CategoryID=483&ArticleID=1512

Über den Autor

TomGard

Thomas Grün - versucht seit 2007 bloggend Geister auszutreiben - "gute" voran, so trollen sich "schlechte" von allein.

5 Kommentare
Ihre Meinung
  1. TomGard TomGard sagt:

    Lebanese official sources said Beirut had been informed earlier that four members of Hezbollah would be accused of complicity in the bombing. (…) Yet no Lebanese officials were informed of the suspects’ identities, the sources said. The only request for assistance received from Bulgarian investigators by Lebanese judicial authorities was a request to search for an individual’s fingerprints in Lebanese records.
    (Yahya Dbouk für Al Akhbar)
    Dort heißt es auch, libanesische Regierungsstellen seien vorab ins Bild gesetzt worden, Bulgarien werde “nur” den “militärischen Arm” der Hisbollah beschuldigen nicht die politische Organisation. Das muß man wohl als Bitte um Nachsicht verstehen…

  2. TomGard TomGard sagt:

    Zwei Fraktionssprecher des bulg.Parlaments teilten mit, der parlamentarische Auschuß für Sicherheitsfragen könne die Aussagen des Innenministers nicht bestätigen und habe auch nicht die erforderlichen Informationen erhalten:
    http://www.focus-fen.net/?id=n298703
    “There is not a single piece of evidence that the Burgas attackers are Hezbollah figures”, said Volen Siderov, chairman of the parliamentary group of Ataka, “A 6-hour consultative council meeting was held at the president and after that the media published the interior minister’s statement…It is about the Bulgarian government, Tsvetanov more particularly, having found a piece of evidence that the perpetrators are Hezbollah figures,”
    http://www.focus-fen.net/?id=n298704

  3. TomGard TomGard sagt:

    Zeitpunkt der Explosion lt. späterer Meldung: “Gegen 17:30″

    18:16
    Erste Meldung vom Bürgermeister von Burgas: “Explosion in einem Bus mit israelischen Passagieren”
    18:19
    Nationalradio: “Drei Busse am Flughafen in Flammen”
    18:34
    Focus-Reporter vor Ort, meldet drei brennende Busse
    18:54
    Radio Focus meldet die Ankunft von 18 Verletzten im Krankenhaus
    19:45
    “The incident … is probably a severe bomb attack,” said Mayor of Burgas. “It cannot be said for sure, since the inspection and the investigation are still underway”

    19:20, Tel Aviv
    Langer Artikel in Arutz Sheva, Netanyahu und Ayalon beschuldigen Iran.

  4. TomGard TomGard sagt:

    In dem oben erwähnten Bericht von 19:20 ist erwähnt, daß Ayalon seine Beschuldigung in einer bereits ausgestrahlten Sendung des IDF-Radios erhoben hatte, und daß es bereits eine Stellungnahme DARAUF vom “militärischen Korrespondenten der Radiostation Voice of Israel” gegeben habe.

    Dies ist ein klarer Beweis von Vorwissen, wenn man die Zeitsignatur des Arutz Sheva-Artikels als korrekt unterstellt.

    Der “Witz” daran: Das ist beabsichtigt. Wer es wissen WILL, der SOLL wissen, was da los ist und sich an der Ohnmacht gegenüber der zionistischen Weltmacht kränken! (Alte stalinistische Taktik)

    Die Timeline stellte ich am 22.7…

  5. TomGard sagt:

    Als ich diesen Artikel veröffentlichte, funktionierte der Link
    http://www.bivol.bg/headshots-bus-terrorist.html
    noch, er führte auf die geleakten Photos der Gerichtsmedizin.
    Jetzt ist dieser Link blockiert, auch in Google Cache gelöscht, und eine Spiegelung der Seite unzugänglich gemacht. “Cyber” – Seiten meldeten am 6.2. eine DOS Attacke auf Bivol.bg. Als wahrscheinlicher Grund wird eine kürzliche Veröffentlichung über Mafia-Verbindungen eines hohen Sicherheitsoffiziers genannt.
    Eigentlich lustig. Echt.

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