in Naher Osten

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Momentan geht es oft um „Ahed Tamimi“. Doch wer genau ist das? Ungezogenes Mädchen oder Ikone des palästinensischen Freiheitskampfes? Was ihr vorgeworfen wird, wie ihre Chancen auf Freilassung stehen und was die Festnahme für Israel bedeutet erfährst du hier!

Wer ist Ahed Tamimi?

Ahed Tamimi ist eine 16 jährige Palästinenserin. Sie lebt seit ihrer Geburt unter israelischer Besatzung in Nabi Saleh. Das kleine Dorf liegt in der Nähe von Ramallah im Westjordanland. Die ganze Tamimi-Familie ist für den Widerstand bekannt, den sie der israelischen Besatzung entgegenbringt. Jeden Freitag leitet sie eine Demonstration, die sich gegen die Besatzung, gegen den Raub von Land und darüberhinaus gegen die Besatzung der Quelle richtet. Da Ahed Tamimis Mutter schon früh begann, die Auseinandersetzungen zu dokumentieren, war auch Ahed schnell auf Fotos zu sehen.

Erstmals erlangte Ahed Popularität als ein Foto von ihr veröffentlicht wurde, auf dem sie einem Soldaten die Faust entgegenstreckt. Darauf wurde sie sogar vom türkischen Präsident  Recep Tayip Erdogan eingeladen und mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Noch berühmter wurde sie allerdings 2015, als ein Video veröffentlicht wurde, in dem zu sehen ist wie sie einen israelischen Soldaten beißt, der ihren kleinen Bruder im Würgegriff hält.

Berühmt ist Ahed Tamimi darüberhinaus auch für ihre langen, lockigen blonden Haare und die blauen Augen, die ihr ein einzigartiges Aussehen verleihen.

Ein Video, unterschiedliche Reaktionen – So entstand der Hype

Der Aufruhr um Ahed Tamimi entstand, als ihre Mutter ein Video veröffentlichte. Auf diesem ist zu sehen, wie Ahed zwei schwerbewaffnete Soldaten konfrontiert, die auf dem Grundstück ihrer Eltern stehen. Sie fordert einen der Soldaten auf „Hau ab, oder ich werde dich schlagen!“. Daraufhin schubst der Soldat Ahed weg. Was dann passiert, sorgt für Aufsehen weltweit. Ahed verteilt dem Soldaten Fußtritte und gibt ihm eine Backpfeife.

Da das Video auf israelischer wie auf palästinensischer Seite sehr emotional wahrgenommen und diskutiert wurde, rückte Ahed in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auf palästinensischer Seite solidarisiert man sich geschlossen mit Ahed Tamimi. Sie wird als eine Heldin gefeiert und ist jetzt schon ein Symbol für den Freiheitskampf. Die 16 Jährige hat mit ihrem Verhalten die Gedanken vieler Palästinenser verkörpert. Mit ihrer Entschlossenheit und ihrer Furchtlosigkeit hat sie verdeutlicht, wem das Land gehört, das Israel beansprucht. Zudem hat sie bewiesen, dass die Übermacht der israelischen Armee nichts an diesem Fakt oder ihrer Entschlossenheit ändert. Mittlerweile sitzt die 16 Jährige schon vier Wochen in Haft.

Israelis fühlten sich durch Ahed Tamimi in „ihrer Ehre gekränkt“. Viele empfanden Hass und großes Unverständnis für das Verhalten, gegenüber dem Soldaten.

Ben Caspit, ein führender israelischer Analytiker sagte, dass Aheds Handlungen „das Blut jedes Israelis zum Kochen brachten“. Er schlug vor, sie „im Dunkeln, ohne Zeugen und Kameras“ zu bestrafen.

Es gab Forderungen, nach einer ewigen Haft, zudem solle sich Ahed mit ewiger Dunkelheit abfinden. Ferner sagte Israelis Bildungsminister Naftali Bennett man solle sie wegschließen und den Schlüssel wegwerfen. Während Israels Verteidigungsminister Liebermann die Passivität der Soldaten lobte, zeigte sich der angesehene Fernsehmoderator Yaron London erstaunt darüber, dass die Soldaten „davon [absahen], ihre Waffen gegen sie einzusetzen“, und fragte sich, ob sie „aus Feigheit zögerten“. Solidarität mit dem Mädchen zeigten nur wenige.

In 12 Punkten angeklagt

Die Anklage, die laut Ahed Tamimis Anwältin Gaby Lasky total überzogen ist, liest sich wie ein bewaffneter Überfall. Dies hätte die Soldaten übrigens zu einem Schusswaffengebrauch berechtigt.

Unter den 12 Punkten befinden sich Vergehen wie „schwere Körperverletzung eines Soldaten“, „Aufstachelung“, „Behinderung eines Soldaten im Dienst“, „Bedrohung eines Soldaten“ und „Steinwurf gegen Einsatzkräfte“.

Ihre Anwältin kommentierte die Anklage wie folgend: „Die andere Sichtweise wird nicht gezeigt. Man tut so, als hätte ihr Verhalten in einer sterilen Umgebung stattgefunden, ohne die Besatzung zu beachten“.

Aheds Chancen auf Freilassung

Mehr als 99 Prozent aller angeklagten Jugendlichen in Israel werden inhaftiert. Sollte Ahed für schuldig befunden werden, könnte sie für Jahre ins Gefängnis kommen. Ihr eigener Vater rechnet mit einer Haftstrafe von 6 Monaten. Vielleicht hatte Ahed Tamimi aber aber auch Glück im Unglück. In den vergangenen 16 Jahren tötete die israelische Armee im Durchschnitt 11 Kinder pro Monat.

Ikone des Widerstands oder ungezogenes Mädchen?

Ein ungezogenes und vor allem respektloses Mädchen. Das ist Ahed Tamimi für viele Menschen. Der Grund für die Ohrfeige ist für sie nicht erkennbar. Sie sehen ein kleines Mädchen, dass aus purem Hass heraus die Ehre eines zu respektierenden Soldaten verletzt.

Was sie nicht sehen, sind die Checkpoints, die Aheds Freiheit täglich stark begrenzen. Als junges Kind bekam sie mit, wie Versprechen gebrochen und die Oslo-Verträge nicht eingehalten wurden.

Was sie anscheinend vergessen, ist, wie Ahed, ihre Familie und alle Palästinenser Stück für Stück ihres Landes beraubt werden. Ahed musste miterleben, wie viele ihrer engsten Verwandten und ihre Freunde verletzt, misshandelt oder getötet wurden.

Sie lebt in einer Welt, in der die jüdischen Einwohner des Nachbardorfes Halamish mehr Rechte haben als sie – obwohl die Siedlung illegal ist. Gleichzeitig wird sie als Sicherheitsgefahr wahrgenommen, weil sie es wagt, sich dagegen zu wehren.

Ahed wäre nicht festgenommen worden wäre sie Israeli. Schon öfter haben jüdische Siedler Soldaten geschlagen. Gegen sie wurde nie Anklage in 12 Punkten erhoben. In dieser Welt lebt Ahed.

Sie anzuklagen, ohne diese Realität anzuerkennen, offenbart wieder einmal, das Israel nur existieren kann, wenn es sich selbst aussuchen kann was die Realität ist. In dieser Welt ist Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten. In dieser Welt haben Araber und Juden dieselben Rechte und in dieser Welt ist offensichtlich auch kein Platz für Ahed, die Israel das eigene Spiegelbild vorhält. Denn niemand erfährt gerne, wie falsch die eigene Vorstellung ist. Folglich wird Ahed Tamimi für die meisten Israelis nur ein ungezogenes Mädchen bleiben, das den Respekt vor einem Soldaten verlor.

Eine Ohrfeige, die nicht nur den Soldaten traf

Letztendlich, möchte Israel mit der erhobenen Anklage vor allem sein Gesicht wahren. Die Unterdrückung der Palästinenser basiert zu einem großen Teil auf Angst. Genau dieses Prinzip hat Ahed Tamimi durchbrochen, indem sie gezeigt hat, wie wenig Furcht sie vor der Übermacht der Soldaten hat.

Um eine Kettenreaktion zu vermeiden, ändert die israelische Politik allerdings nicht ihre Taktik. Es wird versucht, noch mehr Angst zu erzeugen, indem die Justiz brutal vorgeht. Die palästinensische Jugend kennt die israelischen Gefängnisse und nicht jeder hat Ahed Tamimis Mut. Israels Justizminister beschrieb die Situation, indem er sagte, der Humanismus der Armee könne nicht auf die Kosten von Achtung und Stärke kommen. Aus diesem Grund würde nicht nur das Mädchen ihre Strafe erfahren, sondern auch ihre Eltern.

Es gibt tausende von Aheds, die wissen, dass es nicht normal ist, in Unterdrückung zu leben. In einer Welt, die einem Stück für Stück geraubt wird. Israel kann nicht jede 16 Jährige einsperren, die einen Soldaten vom Hof ihrer Eltern verscheucht. Mit jeder Inhaftierung macht sich Israel lächerlicher. Mit jeder Inhaftierung zeigt Israel der Welt sein wahres Gesicht.

Ahed hat nicht danach gefragt, eine Heldin zu sein. Kein Mensch und insbesondere keine Jugendliche sieht sich gerne mit Soldaten konfrontiert. Und dennoch war ihr Widerstand alles andere als umsonst, denn er hat die israelische Bevölkerung mitten ins Herz getroffen. Ahed Tamimi hat der Welt einmal mehr gezeigt, für was Israel steht.

Ab wann darf ein Palästinenser Widerstand leisten?

Wenn man ihm sein Land raubt? Wenn man ihm seine Wasser – und Stromversorgung abschneidet? Sobald Soldaten das eigene Grundstück nicht verlassen?

Die Vereinten Nationen haben im internationalen Recht festgelegt, dass Menschen die unter Besatzung leben „alle verfügbaren Mittel“ einsetzen dürfen, um sich selbst zu befreien. Dazu gehört auch der bewaffnete Kampf. Das für Israel anscheinend andere Regeln gelten, konnte man schon oft genug beobachten.

Der Fall Ahed weist laut dem israelische Kommentator Gideon Levy darauf hin, dass die Israelis den Palästinensern anscheinend nicht nur den Gebrauch von Raketen, Gewehren, Messern oder Steinen verbieten, sondern auch das, was er spöttisch als „Aufstand der Ohrfeigen“ bezeichnet.

Israel beweist mit der Anklage, dass es Angst vor einer Kettenreaktion hat. Ahed hat Israel vorgeführt und hat der Welt die palästinensische Sichtweise gezeigt.

Zeigt sich die Justiz milde, könnte das international ein Punktsieg sein. Die Angst vor Konsequenzen in der palästinensischen Jugend würde aber sinken. Und so macht Israel das, was es immer macht: Angst erzeugen. Damit die Stärke Israels gewahrt bleibt.

Quellen:

https://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.832783

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1074953.ahed-tamimi-unerschrockene.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ahed-tamimi-israel-klagt-palaestinenserin-wegen-koerperverletzung-an-a-1185805.html

http://edition.cnn.com/2018/01/05/middleeast/ahed-tamimi-palestinian-activist/index.html

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Kommentar

15 Kommentare

  1. Als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte erklärte „der Westen“ ihm den Krieg.

    Also Hitler in Polen einmarschierte, erklärte „der Westen“ ihm den Krieg.

    Als Juden in Palästina einmarschierten…“Westen, ich kann Dich nicht hören! Sprich lauter!“

  2. Und dann stehen die Gutmenschen der BRiD seit an seit, wenn es um die verhafteten bei Erdoschan geht, wenn es um die verbrecherischen „Demonstranten“ im Iran geht. Doch mit ihrer Staatsräson gegenüber Israel wird man über diese Heldin in der Brid nichts weiter hören, also werde ich genau diese Worte mit dem Hinweis auf diesen Artikel auf der Seite Bundvfd.de in Stimmungen und Meinungen einstellen und ebenfalls in meinen großen verdeckten und offenen Verteiler und das noch heute, auf daß möglichst viel Menschen auf das Schicksal des 16jährigen Mädchens, auf die 11 toten Kinder im Monat und die vielen anderen Verbrechen des zionistischen Regimes noch aufmerksamer werden.
    Olaf Opelt
    Bundvfd.de

  3. Israel ist doch der friedlichste Staat auf der Erde. So nett die Leute dort. In der Freizeit spielen sie mit deutschen Atom-U-Booten und hauptsächlich wird natürlich bombardiert was herumläuft.

    • Es gibt überhaupt keine deutschen Atom-U-Boote, und bombardiert wurde hier auch nichts von niemandem.

      Letzteres wusste zum Glück auch der angegriffene israelische Soldat offenbar im Voraus. Sonst hätte es dem Mädchen auch sehr gut anders ergehen können.

  4. Es mag Suspekt klingen, aber ich wünsche allen Israelis, die dieses unschuldige Mädchen als Krimminelle verurteilen, alles schlechte auf Erden.

  5. Wer Hass säht wird Hass ernten. Das agressive Verhalten der Frau deutet auf einen überzogenen Selbstdarstellungswunsch sowie postpubertäre Effekthascherei hin. Beiden Völkern wurde in der Vergangenheit Unrecht getan. Das sollte die Basis für ein gemeinsames und friedliches Zusammenleben sein.

  6. Die ist einfach nur DUMM!
    Ich meine, es geschieht ihr ganz recht, im Knast zu sitzen.
    Wer ist schon so blöde und greift einen bewaffneten Soldaten einfach so, tätlich an?
    Sie kann froh sein, daß sie nicht erschossen wurde, wie es z.B. in den USA „üblich“ wäre!
    Somit ist sie meiner Meinung nach weder das eine noch das andere.

  7. ……..Ehre eines zu respektierenden Soldaten verletzt.
    Warum ist ein Besatzungssoldat zu respektieren?
    Wohl nur wenn es ein israelischer ist.
    Die dürfen wirklich ALLES. Und dann schön in die Opferrolle schlüpfen.

  8. Es sollte erwähnt werden, dass die ganze Episode eigentlich ein interaktives Theaterstück war.

    Familie Tamimi inszeniert und verbreitet schon seit geraumer Zeit systematisch solche und andere symbolträchtigen Provokationen Unterlegener gegen offenkundig übermächtige Israelis. Letztlich ist es tätliche Propaganda und Ahed in der Rolle des mutigen, blauäugigen, blondgelockten Palästinesermädchens das Eye Candy der Truppe.
    Der Soldat, der sich überhaupt nicht wehrte, wusste im Zweifel auch, mit wem er es zu tun hatte, und spielte daher SEINEN Part des friedfertig-stoischen Überlegenen.

    Beide Rollen sind nicht echt. Und im Spiel darum, wer als erster zu weit geht, hat Ahed jetzt wohl mal eine Runde verloren.

    End of Story.