Angela Merkel und Friede Springer // Foto: zizzup (flickr.com) // CC-BY

Angela Merkel und Friede Springer // Foto: zizzup (flickr.com) // CC-BY

Eine Symbiose von Presse und Politik. Die Duz­freun­dinnen Friede Springer und Angela Merkel haben eine enge, am Nutzen orientierte Beziehung. Auf der einen Seite der Springer Verlag – das mächtigste Presseorgan in Deutschland, auf der anderen Seite die Bundeskanzlerin, die gerne ihren Nutzen daraus schlägt. Das Ergebnis findet sich so gut wie jeden Morgen in der „BILD-Zeitung“: „Kanzlerin der Herzen“, „Super-Merkel“, „Standfeste Powerfrau“, „Eiserne Kanzlerin“, „Mächtigste Frau der Welt“.

Freundschaft fürs Leben

Friede Springer, die Witwe des verstorbenen Axel Springer, und Bundeskanzlerin Angela Merkel pflegen eine enge Freundschaft. für die CDU – als Mitglied der 12., 13., 14. und 15. Bundesversammlung – nahm sie 2004, 2009, 2010 und 2012 an der Wahl des Bundespräsidenten teil.  Bei diversen Veranstaltungen der „Atlantik-Brücke“, ein transatlantischer Think-Tank, sah man die Kanzlerin und die „Graue Eminenz“ des Springer Verlags mehrmals in freundschaftlichen Gesprächen. Als wir eine Informationsfreiheitsanfrage an das Bundeskanzleramt entsendeten, bekamen wir, nach verstreichen der Frist, immer noch keine Antwort zu der genauen Anzahl der Treffen.

Friede Springer gründete im Jahre 2011 zusätzlich zu den bereits bestehenden, der Herz- und der Axel-Springer-Stiftung, noch eine weitere Stiftung: Die Friede-Springer-Stiftung. Das Startkapital stamme aus dem Privatvermögen der Witwe von Axel Springer. Vorstandsvorsitzende der Stiftung mit Sitz in Berlin ist Friede Springer selbst. Außerdem gibt es ein Kuratorium, dem sechs Persönlichkeiten angehören. Unter diesen ist auch der Ehemann der Kanzlerin, Joachim Sauer.

[Passage entfernt wegen Aufforderung zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung von Friede Springer vertreten durch Jan Hegemann, Rechtsanwälte Raue LLP] – nicht ohne vorher ihren Vize und Rivalen Roland Koch zu blamieren, der noch am Abend nach dem Anruf vor der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt die offizielle Parteilinie verteidigt.

Unsensible, für Mythisches weniger Empfängliche reden nicht von „Freundschaft“, sondern erkennen in dem Duo ein plutokratisches Kartell, die Symbiose von Reich & Mächtig, einen Club zu gegenseitigem Nutz und Frommen: Die Kanzlerin genieße dank des Wohlwollens der Verlagsherrscherin publizistische Aufmerksamkeit und Imagepflege in einem Ausmaß, das mit Geld nicht zu bezahlen wäre: „Kanzlerin der Herzen“, „Super-Merkel“, „Standfeste Powerfrau“, „Eiserne Kanzlerin“, „Mächtigste Frau der Welt“. Die Hochgejubelte ihrerseits pflegt – mithilfe ihrer Partei – das für die Medienkonzerne profitliche politische Klima. Alles ganz legal. Man versteht sich, auch ohne Absprache.

Die Verflechtungen der beiden Familien sind sehr eng. Es ist fast schon unwahrscheinlich, dass dabei kein journalistischer Einfluss entsteht. Ob direkt oder indirekt, ist jedoch eine reine Mutmaßung.

„Graue Eminenz“ des Springer Verlags

Friede Springer ist immer noch die absolute Führungspersönlichkeit innerhalb der Springer SE. Nach Axel Springers Tod 1985 erbte sie, zusammen mit den Kindern und Enkeln aus Springers früheren Ehen, Springers Anteile an seinem Verlagsimperium. Dem Verleger gehörten zu diesem Zeitpunkt noch 26,1 Prozent, der Rest lag bei dem bayerischen Filmhändler Leo Kirch, der Familie Burda und diversen Kleinaktionären. In der Folge wurde sie Managerin des Axel Springer Verlags und Alleingeschäftsführerin der Springer-Holding.  Friede Springer besitzt 5 % der Aktien der Axel Springer AG, vor allem jedoch 90 % der Gesellschaftsanteile der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co., welche wiederum mit 51,5 % an der Axel Springer AG beteiligt ist. Sie fungiert als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des nach der Bertelsmann AG zweitgrößten deutschen Medienkonzerns.

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QUELLEN:

Wikipedia, Informationen zu Friede Springer: http://de.wikipedia.org/wiki/Friede_Springer
Handelsblatt, Vorfall 2003: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/portraet-lauf-maedchen-lauf-seite-5/2511074-5.html
Meedia, Auflagezahlen Medien: http://meedia.de/2014/04/23/die-ivw-analyse-der-ueberregionalen-und-regionalen-zeitungen/
Wikipedia, Publikationen des Springer Verlags: http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer_SE#Publikationen
Meedia, Online-Klickzahlen: http://meedia.de/2013/09/09/online-mobile-charts-der-news-angebote/
Lobbypedia, Verflechtung Merkel – Springer: https://lobbypedia.de/wiki/Axel_Springer_AG
Welt, Joachim Sauer in neuer Springer Stiftung: http://www.welt.de/kultur/article12296790/Friede-Springer-Der-Staat-kann-nicht-alles.html

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Wilhelm von Pax
ÜBER DEN AUTOR: Wilhelm von Pax

Wilhelm von Pax steht für kritischen und investigativen Journalismus. Der Parteilose Publizist und Ökonom sieht seine journalistische Aufgabe in den Ressorts Politik, Medien und Wirtschaft. Politisch ist der Berliner Journalist liberal orientiert.

Webseite: http://www.neopresse.com/author/yaldalk/

7 Kommentare zu diesem Artikel. Wie lautet Ihrer?

  1. Bobby 10.09.2014 um 18:43 - Antworten

    Angie will halt nicht enden wie Wulf, der was falsches gesagt hat (was hier ist gehört dazu) und an der falschen Stelle (ESM) zögerte.

    Da stürzt ein Staatsoberhaupt halt schon mal über ein Bobbycar, das ihm Friedes Jagdgeschwader unters Füßchen schob.

  2. Hildegard 10.09.2014 um 20:30 - Antworten

    Na, funktioniert doch die uneingeschränkte Pressefreiheit in unserem Land mit Einverständnis iro Gnaden der Angel Sächsischen Imperalisten! Schön brav weiter wählen gehen!

  3. weltundzeit 26.09.2014 um 17:51 - Antworten

    Ein sehr interessanter Beitrag. Er erklärt, warum für die Springer Presse, konservative politische Gesinnung mit einer Parteinahme für die CDU häufig gleichbedeutend erscheint.
    Siehe auch meinen Beitrag hier:
    „Propaganda der „Welt“. Dümmer kanns nur Putin.“
    http://www.weltundzeit.de/?p=506

  4. BerndJoel 05.01.2015 um 04:45 - Antworten

    Die Passage, die wegen Androhung Unterlassungsklage entfernt wurde, ist, wie der im Artikel stehen gebliebene Halbsatz, in der Ausgabe der WiWo (Wirtschaftswoche) vom 26. Mai 2005 nachzulesen. Die WiWo ist Pflichtlektüre auf den deutschen Börsen (wiki).

    http://www.dieterschnaas.de/wp-content/uploads/2010/07/merkel-22-05.pdf

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