in Afrika

Das Online-Magazin sott.net berichtet, wie in Libyen 2011 al-Kaida-Kämpfer die Passämter übernahmen, in welchem Ausmaß Terroristen gefälschte libysche Pässe zur Einreise in andere Länder nutzen und warum Trumps ‚Moslem-Bann‘ den Libyern egal ist.

Trumps ‚Moslem-Bann‘ spielt für die Libyer keine Rolle

In einem Interview erklärt der angesehene libysche Kleriker, Scheich Khaled Tantusch, warum Trumps sogenannter ‚Moslem-Bann‘ für die große Mehrheit der Libyer völlig bedeutungslos ist. Diese könnten sich im eigenen Land nicht ohne Gefahr von einer Stadt zur anderen bewegen, geschweige denn Libyen in Richtung USA verlassen. Es gebe kaum Geld im Land und die einzigen Libyer, die beabsichtigen, in die USA zu reisen, seien Kriminelle oder Terroristen.

Scheich Tantusch meint: „Wenige Libyer mögen tatsächlich zu Studienzwecken in die USA reisen, alle anderen aber sind Verräter, die für die USA gearbeitet haben und von ihnen bezahlt werden. Für die Mehrheit der Libyer ist dieser Bann bedeutungslos, weil es sehr schwierig für sie ist, allein von einer libyschen Stadt in eine andere zu gelangen. Die Libyer sorgen sich nicht um Reisen in die USA, sie sorgen sich um Libyen. Dieser Bann ist für uns unwichtig.“

Wie aus al-Kaida-Kämpfern libysche Staatsbürger wurden

In den USA erklärte ein offizieller Sprecher der Großen Stämme, dass 2011 während des Krieges gegen Libyen Kämpfer von al-Kaida und der Moslembruderschaft alle libyschen Regierungsgebäude in ihre Gewalt gebracht hatten, darunter auch das libysche Innenministerium mit dem Passamt, das von Abdul Wahhab Hassan Kajed kontrolliert wurde. Der Bruder von Abdul Kajed ist Abu Bakr Hassan Kajed, auch Abu Dschahadscha al-Libi genannt, ein Top-al-Kaida-Mann, der 2012 bei einem US-amerikanischen Drohnenangriff ums Leben kam.

Mit seinem Bruder Abdul Kajed kam das Passamt 2011 unter al-Kaida-Kontrolle. Dies hatte zur Folge, dass ausländische Söldner, die nach Libyen kamen, umgehend libysche Pässe erhielten. Als beispielsweise im Februar 2014 fünf Spione aus Katar festgenommen wurden, trugen diese gefälschte libysche Pässe bei sich. Sie sagten aus, sie hätten die Pässe 2011 von der CIA erhalten.

Wahrscheinlich tausende dschihadistische Söldner konnten auf diese Art ihre Identität wechseln. Aus al-Kaida-Terroristen wurden libysche Staatsbürger der Nach-Gaddafi-Ära. Nachdem die Einreise mit gefälschten Pässen überhandnahm, führte zum Beispiel Marokko eine Visa-Pflicht für Libyer ein. In nur einem Monat wurden 285 Ausländer mit gefälschten libyschen Pässen festgenommen. Sie stammten aus Pakistan, Tschetschenien, Mozambique, Afghanistan und Bangladesch.

Mit Hilfe falscher Identitäten wurden Millionen Dollar an englisch-sprachige Kämpfer in den USA überwiesen, wo sie als Immigranten eine ‚green card‘ oder Mehrfach-Einreise-Visa erhielten. Ähnliches passierte auch in Frankreich und Deutschland.

Es soll die Aussage eines Piloten existieren, der über 700 Männer aus Syrien in die USA geflogen haben will. Er habe gesehen, wie den Männern nach der Landung Pässe und Geld übergeben wurden. Unter Androhung von Gefängnis wurde er zum Stillschweigen über diese Vorgänge verpflichtet.

Die libyschen Stämme bieten den USA ihre Hilfe an

Die libyschen Stämme haben den US-amerikanischen Behörden jetzt ein Angebot zur Zusammenarbeit bei der Überprüfung von Personen, die seit 2011 in die USA eingereist sind, unterbreitet. Den Stämmen würde die Mehrzahl der Personen bekannt sein. Die Großen Stämme erneuern ihre Zusage zur Zusammenarbeit mit den Ländern des Nahen Ostens und den Vereinigten Staaten hinsichtlich der weltweiten Bekämpfung des radikalen Islamismus. Alle radikalen Islamisten sollen aus Libyen verbannt werden.

Die ‚normalen‘ Libyer, die rund 95 Prozent der Staatsbürger ausmachen, hätten nun seit sechs Jahren unter der Herrschaft gewalttätiger dschihadistischer Gruppierungen wie Libyan Islamic Fighting Group, Ansar al-Scharia, der Moslembruderschaft und dem IS zu leiden, die von westlichen Regierungen und deren Nahost-Verbündeten nach Libyen gebracht worden sind.

Die Stammesführer sehen sich als einzig legale Vertretung des libyschen Volkes und als natürliche Verbündete im Kampf gegen Dschihadisten.

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