in Gesellschaft

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Im Zuge eines Tourstopps seiner aktuellen Solotour mit dem Programm „Meister Yodas Ende“ hat sich Georg Schramm eine ganze Stunde Zeit genommen, um sich mit NEOPresse ausführlich über seine Karriere, seine Pläne für die Zukunft, als auch über die Krise in Europa, die Qualität der Bundesregierung, seine persönlichen politischen Ambitionen und die politische Landschaft in Deutschland unterhalten. Das Gespräch führte Stefan Hofbauer.

Zur Person Georg Schramm: Georg Schramm ist vielen bekannt aus den politisch-satirischen Fernsehsendungen „Scheibenwischer“(ARD) und vor allem „Neues aus der Anstalt“ (ZDF). Er wurde mit nahezu allen namhaften Kabarettpreisen des deutschsprachigen Raums ausgezeichnet, darunter der Deutsche Kleinkunstpreis, der Salzburger Stier und der Schweizer Kabarettpreis Cornichon. Mehr zur Person und Biographie auf www.georg-schramm.de.

NEOPresse.com: Vielen Menschen sind Sie bekannt aus „Neues aus der Anstalt“ (ZDF) sowie vom „Scheibenwischer“ in der ARD. Bei beiden Formaten sind Sie nach einiger Zeit wieder ausgeschieden. War das Fernsehen nicht Ihr Metier oder woran ist es gescheitert?

Georg Schramm: „Neues aus der Anstalt“ ist gar nicht gescheitert. Ich habe beides zusammen fast 10 Jahre gemacht. Eine Livesendung im Abstand von 4 bis 6 Wochen, da ist man einem natürlichen Verschleiß unterworfen. Es gibt nur wenige, die das auf gleichbleibend hohem Niveau durchstehen. Beim „Scheibenwischer“ konnte ich mich mit den Kollegen nach dem Abgang von Dieter Hildebrandt über die Konzeption der Sendung nicht mehr einigen. Ich bin dann ausgeschieden, weil ich die Sendung gerne anders gestaltet hätte, alle anderen aber zufrieden waren.
„Neues aus der Anstalt“ war für mich eine große Anstrengung, aber auch ein großes Vergnügen. Ich habe aufgehört bei „Neues aus der Anstalt“, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr beides schaffe: Bühne und eine sehr zeitaufwändige Fernsehsendung. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ein Jahr vor dem Abschied hatte ich mich noch für die Fernsehsendung entschieden und keine Tournee gemacht, ein Jahr später war dann eben die Bühne dran. Ich hatte ein neues Programm und habe mich dann für die Bühne und gegen die Sendung entschieden. Das habe ich auch nicht bereut. Eine zentrale Rolle in einer Fernsehsendung und eine Tournee nebenbei wäre nicht zu schaffen gewesen. Ich habe mit dem Urban (Priol Anm. d. Red.) 36 Sendungen gemacht und bin erhobenen Hauptes und zufrieden gegangen, dass ich nicht erst gegangen bin, weil das ZDF mir den Rat gegeben hat.

NEOPresse.com: Ein kurzer Exkurs zu den „öffentlich Rechtlichen“: Es gab ja in Deutschland große Diskussionen um die „Zwangsgebühr“. Diese wiederum verweisen auf die Notwendigkeit der Gebühren, um die Unabhängigkeit zu wahren. Wie unabhängig sind die „öffentlich Rechtlichen“ tatsächlich? Wären Ihre deutlichen Aussagen gegenüber deutschen Politikern auch in einer Sendung möglich gewesen, die keinen satirischen Charakter hat?

Schramm: Gute Frage, ich vermute eher nicht. Die Sendung war zurecht im Unterhaltungsbereich angesiedelt. Thomas Bellut, damals noch nicht Intendant, sondern Programmdirektor, hat sich vor uns gestellt und an unsere Vernunft appelliert, die Freiräume so zu nutzen, dass wir erhalten bleiben, aber nicht als Drohung sondern als Hinweis.
Wenn man bedenkt, wie übel die Politik, und hier insbesondere die CDU natürlich, dem Chefredakteur im politischen Teil des ZDF reingeredet hat, damals hat die CDU verhindert, dass der Vertrag des anerkannten und geschätzten politischen Kopfes des ZDF, Nikolaus Brender, verlängert wurde, da kann man dann nicht generell sagen, die Unabhängigkeit ist gegeben. Über den Beirat regiert die Politik massiv in ZDF und ARD rein, also haarsträubend und eigentlich nicht verfassungsgerecht, um es höflich zu formulieren. Das Ausmaß der Einmischung ist eigentlich ein Verstoß gegen den Vertrag der öffentlich Rechtlichen. Die Gebühren wären eigentlich nur gerechtfertigt, wenn das Programm tatsächlich eine Alternative zu den Privatsendern wäre, aber ein erschütternd großer Teil des Programms ist keinen Deut besser als das der Privaten und diesen Vorwurf muss man auch als (Zwangs)Gebührenzahler sehr deutlich erheben. Ich bin gespannt, wann es die ersten Klagen gibt.

NEOPresse.com: Trotzdem finden sich Aussagen, wie Sie sie in der Sendung gemacht haben, nicht im Privatfernsehen. Auch die politisch noch etwas explizitere Sendung „heute-show“ mit Oliver Welke läuft ja auch beim ZDF.

Schramm: Also Sie haben ja jetzt den Satire Gipfel in der ARD nicht erwähnt, ich vermute mit Absicht. Das ZDF hatte ja über viele Jahre den Ruf, Satire und politisches Kabarett nicht mehr zu wollen. 27 Jahre lang Moratorium waren das, nachdem sie Dieter Hildebrandt mal den Hahn abgedreht hatten, weil er ihnen zu deutlich wurde. Nach 27 Jahren Pause, haben sie uns dann aber ziemlich frei arbeiten lassen, das muss ich sagen.
Wir hatten einmal eine Ermahnung bekommen, weil wir uns zu hartnäckig und in jeder Sendung mit dem damaligen Bundespräsidenten Köhler angelegt haben.

NEOPresse.comDas Bild an der Wand …

Schramm: Ja, das wir dann langsam verrotten ließen und anschließend mit einer Sackkarre überfahren haben. Dafür sind wir dann einmal ermahnt worden. Also haben wir in der nächsten Sendung nur noch Lobendes über Köhler gesagt und Urban Priol hat das Bild geküsst. Daraufhin hat der Programmdirektor dann gesagt, „macht einfach so weiter, ich habs kapiert; Es wird nur schlimmer, wenn man etwas sagt“. Aber das waren ja Auseinandersetzungen, die eher Spaß gemacht haben. Von Zensur kann man nicht reden.

NEOPresse.comZur deutschen Politik: Sie haben ja die Politik einer Angela Merkel immer scharf kritisiert.

Schramm: Nein, ich kritisiere die Politik des selbst ernannten „bürgerlichen Lagers“, da lege ich großen Wert darauf! Ich hab nie dezitiert die Politik von Angela Merkel kritisiert, weil die ja fast nicht erkennbar ist. Ich kritisiere die Politik dieser Regierung. Es ist die schlechteste Regierung, die die Bundesrepublik je gehabt hat. Merkel ist für die Richtlinien verantwortlich, aber meine Kritik richtet sich nicht ausschließlich gegen Angela Merkel. Das muss man breiter fassen. Die FDP hat großes Unheil angerichtet in den letzten Jahren.

NEOPresse.comEs formieren sich in Deutschland laufend, mehr oder weniger erfolgreich, neue Parteien. Aktuell gerade die „Alternative für Deutschland“. Wie schätzen Sie die politische Landschaft ein? Gibt es für den Wähler tatsächlich Alternativen?

Schramm: Also ich begegne zunehmend, vor allem jüngeren Leuten, die dieser Auffassung sind, dass es letztlich schon „wurscht“ ist. Das sehe ich aber nicht so.

In einem Punkt stimme ich überein und das ist die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise der Europäischen Union. Da gibt es tatsächlich keine Alternative außer den Linken im Prinzip und jetzt eben diese AfD. Da ist es tatsächlich so, dass es einen Mainstream gibt und die Leute zunehmend der Überzeugung sind, dass ihnen die Wahrheit vorenthalten wird. Jean Claude Juncker hat ja in einem Interview mit dem „Spiegel“ wortwörtlich gesagt, dass man in solch bedeutenden Fragen lügen muss und den Leuten nicht die Wahrheit sagen kann und wenn man etwas will, was der Wähler nicht will, dann muss man eine Politik der kleinen Schritte betreiben, bis es kein Zurück mehr gibt. Und das ist exakt was passiert. Von daher ist es nicht einmal Täuschung, es wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Da habe ich das Gefühl, dass die Wahl klein ist. Die SPD und die Grünen könnten sich nicht entscheiden, hier eine ganz klare Linie zu fahren, vielleicht ergibt sich das noch im Laufe des Wahlkampfes, dass Peer Steinbrück den Mut findet.

Die Alternative zeichnet sich nur sehr langsam ab. Das ist übrigends ein Problem, das nicht nur in Deutschland existiert, sondern in vielen Ländern. Die „Alternative für Deutschland“ wäre für mich sicher keine politische Alternative weil sie sehr eng gefasst ist. Sie wird in den nächsten Monaten beweisen müssen, ob sie sich gegen den rechten Rand abgrenzt oder ob sie das nicht macht. Unterlässt sie das, ist die AfD sowieso gleich wieder weg vom Fenster. Wenn die AfD das macht, diskutiert man ja in Deutschland, dass sie der einzige Faktor sein könnte, der Angela Merkel vom Thron stößt. Alleine dafür müsste man diese Partei eigentlich schon mögen.

NEOPresse.comPeer Steinbrück scheint ja als Wahlkampfhelfer für Angela Merkel aufzutreten.

Schramm: Unfreiwillig.

NEOPresse.comSo dilettantisch kann doch ein Team der SPD nicht agieren, zumal Peer Steinbrück kein Politneuling ist?

Schramm: Sie haben fast den Verdacht, dass da Sabotage betrieben wird. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen. Man denkt, es kann nicht sein, dass man so viele Fehler immer wieder von Neuem macht.

Das Andere ist, dass die Medienlandschaft in Deutschland vom Bertelsmann Konzern und vom Springer Konzern sehr stark geprägt ist. Die Chefinnen von Bertelsmann und Springer, Liz Mohn und Friede Springer, sind beide enge Freundinnen von Angela Merkel. Dieses Hoch von Angela Merkel wird auch getragen von einer Medienmacht in Deutschland, die ganz eng an ihrer Seite steht, wobei das natürlich keine Entschuldigung dafür sein darf, dass Peer Steinbrück und sein Wahlkampfteam solche Fehler macht. Dass die Anderen sich darauf stürzen ist normal, das würde jeder machen. Als Problem steckt auch dahinter, dass es an Angela Merkel schwer zu ertragen ist, dass sie zu nichts eindeutig Stellung bezieht. Sie bezieht wortreich keine Stellung.

NEOPresse.comIst aber im politischen Geschäft eine geschickte Taktik?

Schramm: Sie hält sich aus politischen Fragen heraus, verkauft das aber als Politik. Das Bild, dass die Kanzlerin den Finger reckt, aber nicht um zu zeigen wo es lang geht, sondern um zu prüfen woher der Wind weht, das ist leider richtig. In dieser kritischen Phase der gesamteuropäischen schweren Krise kann sich das noch als fatal erweisen. Das dauert noch ein wenig, aber ich fürchte, das wird sich als schwerer Fehler erweisen was sie uns da als Politik verkauft. Peer Steinbrück gibt zu wenig zu erkennen, was die Alternative sein könnte und ein Großteil der Presse hat kein Interesse zu zeigen, dass es eine Alternative gibt.

NEOPresse.comWobei Peer Steinbrück ja zu seiner Zeit in der Regierung die Bankenrettung, in Zusammenarbeit mit Jörg Asmussen, ja entscheidend veranlasst hat!?

Schramm: Die beiden haben eifrig daran gearbeitet, den Turbo-Finanzkapitalismus in Deutschland hoffähig zu machen. Da besteht kein Zweifel daran und Asmussen hat dabei keine kleine Rolle gespielt.
Er ist jedoch der einzige, der sagt, er hat in diesem Zusammenhang Fehler gemacht. Er macht jedoch nicht deutlich, was er jetzt grundlegend anders machen würde.

NEOPresse.comIst das (europäische) Modell der repräsentativen Demokratie eine Fehlkonstruktion und als gescheitert zu betrachten, Stichwort: Direkte Demokratie? Politiker ist ja zum reinen Karriereberuf geworden.

Schramm: Also ich lebe ja nahe der Schweizer Grenze schon seit vielen Jahren und ich beobachte mit großer Neugierde schon seit langer Zeit wie politisiert die Stimmung im Alltagsgespräch durch die Volksabstimmungen zu ganz grundsätzlichen Fragen immer wieder ist. Das ist ein interessanter Kontrast. Die Regierung in der Schweiz ist ja eine Allparteienregierung. In der Schweiz sind sämtliche Parteien in der Regierung. Das ist unvorstellbar eigentlich, aber sie haben ihre regelmäßigen Volksabstimmungen und davon wünsche ich mir bei uns mehr.
Die Gefahr von der Sie reden sehe ich auch. In Griechenland hat der Papandreou ja vorgeschlagen, dass er das Volk befragt zum Sparkurs. Dafür ist er innerhalb von zwei Tagen von Merkel, Sarkozy und anderen Regierungschefs zu Sau gemacht worden, nach Strich und Faden. In Italien sind sie entsetzt darüber, dass der Lieblingskandidat aller Europäer bei den Wählern komplett durchgefallen ist. Manche sagen, er wäre durchgefallen, weil er ja gar kein italienischer Kandidat war, sondern der Kandidat von Merkel, Juncker und Sarkozy. Ich glaube, dass der Grund, warum jetzt auf diese „Offshore-Leaks“ so reagiert wird, in der zunehmenden Angst der etablierten Parteien vor dem nächsten Wahltermin liegt. Da erwarten uns in den nächsten Jahren einige Überraschungen. Als Beispiel in Griechenland, da könnte es passieren, dass die Rechtsradikalen zweitstärkste Partei werden. Dann ist das Land komplett unregierbar.

NEOPresse.comEin Artikel auf NEOPresse vor einiger Zeit hat auf satirische Weise vorgeschlagen, dass Sie, Kollege Pelzig und Kollege Pispers zur deutschen Bundestagswahl antreten und den Grillo-Effekt nutzen. Wie wahrscheinlich ist Georg Schramm als deutscher Grillo?

Schramm: Also erstens möchte ich nicht zum Grillo werden, weil der auch ein paar Zungeschläge drauf hat, die mich sehr beunruhigen, auch wenn Dario Fo ihn für fehleingeschätzt hält. Der Grillo-Effekt wäre ja großartig, aber der wird bei uns nicht eintreten, weil das politische System in Deutschland in den Augen der Wählermasse nicht so verrottet ist wie in Italien. Ich bin ein energischer Kritiker unseres Politikbetriebs, aber in Italien hat die Selbstbedienungsmentalität der Politiker ein Ausmaß angenommen wie es bei uns unvorstellbar wäre. Dazu kommt, dass wir ja, warum auch immer, ein Nutznießer der gegenwärtigen Verhältnisse sind. Wir sparen jedes Jahr große Milliardenbeträge.

NEOPresse.comAber das gilt nicht für die breite Bevölkerung.

Schramm: Nein.

NEOPresse.comAber das sind die Wähler.

Schramm: Es ist ja ein Phänomen, das bei uns noch schwächer ausgeprägt ist als in den USA. Dort wählen die Menschen ja geradlinig gegen ihre eigenen Interessen. Bei uns tun sie das von einem bestimmten Punkt aus betrachtet auch. Aber das ist nicht die Stimmung im Land.

Trotzdem haben wir in Deutschland eine relativ geringe Arbeitslosenrate und eine gottseidank noch relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu anderen Ländern, war besonders wichtig für unsere Zukunft ist. Wir haben im Vergleich ein relativ gut funktionierendes soziales Absicherungssystem, auch wenn ich dieses im Detail heftig kritisiere. Es gibt keine Wechselstimmung in Deutschland. Noch nicht mal zu Rot-Grün hin, geschweige denn zu einem Grillo-Effekt.

Ich habe mich ja leichtsinnigerweise der Auffassung verschrieben, dass ich auf die Frage ob ich Bundespräsident, der in Deutschland gar nicht vom Volk gewählt wird, werden möchte zu sagen, an dem Tag, an dem er vom Volk gewählt würde, müsste ich wahrscheinlich gegen Franz Beckenbauer und die Bild Zeitung antreten, oder eher Günther Jauch. Franz Beckenbauer ist zu alt. Günther Jauch würde dann als Präsidentschaftskandidat von Friede Springer auf das Schild gehoben werden. Gegen Günther Jauch, da würde ich dann unter Umständen zu meiner Frau sagen:

„Gut, hiermit ist unser Familienleben zerstört, ich kandidiere“.

Sich in der Politik stark zu engagieren ist ein völlig anderes Pferd als politisches Kabarett zu machen. Aber auch in Island hat ein gediegener Komiker (Jon Gnarr, Regionalwahl in Reykjavik Anm. d. Red.) einen beachtlichen Wahlerfolg gefeiert und den etablierten Parteien gehörigen Schrecken eingejagt.

Mein persönlicher Ehrgeiz ist sehr klein, man müsste mich an meiner preußischen Ehre packen.
Man weiß ja nicht, was die Zeiten noch bringen. Ich bin überzeugt, wir werden in Zukunft in Europa noch einige Überraschungen erleben.

NEOPresse.com: Apropos Überraschungen: In jüngster Vergangenheit sind einige Dinge passiert, welche noch vor einigen Monaten oder Jahren für unmöglich gehalten wurden und als pure Verschwörungstheorie abgetan wurden. Dazu gehören, Bankenpleiten, Staatspleiten und jüngst die Enteignung von Sparer direkt vom Bankkonto. Worauf muss sich die Bevölkerung im Zuge der Krise noch gefasst machen?

Schramm: Die Menschen müssen damit rechnen, dass das deutsche Erfolgsmodell, das ja auf dem Misserfolg der wirtschaftlichen Konkurrenten beruht, an seine Grenzen stößt oder schon gestoßen ist. Da bin ich mir relativ sicher. Ob wir das in Deutschland als sanfte Landung hinbekommen oder als Absturz, das weiß ich nicht. Wir müssen uns darauf einrichten, dass das deutsche Erfolgsmodell nicht für andere funktioniert. Zu anderen zu sagen, ihr müsst agieren wie wir, dann geht es euch genauso gut, KANN nicht funktionieren.

Das ist eine der größten Lügen der Gegenwart.

Das deutsche Wachstum und der Handelsüberschuss basiert auf dem Handelsdefizit der anderen. Das eine geht nicht ohne das andere. Wir bleiben nicht die Insel der Seligen. Die Krise in Griechenland, Spanien und Italien wird auf uns zurückschlagen. Selbst Frankreich ist in einer schwierigen Situation. Die europäische Idee, die ich für sehr wertvoll halte, wird allein unter wirtschaftlichen Aspekten unter schwersten Druck geraten. Das befürchte ich kurz und mittelfristig.

Langfristig verlieren wir ja vor lauter „uns in die Hosen scheissen“ um einen Absturz des Euro, dass wir geradewegs in eine Klimakatastrophe laufen. Das Tempo wird sich beschleunigen, da die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dazu genutzt werden, die Nachhaltigkeit des Wachstums wieder auszubremsen. Es ist ja kaum noch Thema. Die Emissionszertifikate zu reduzieren und über teureren Energieverbrauch die Wirtschaft in eine andere Richtung zu lenken, ist maßgeblich am deutschen Widerstand gescheitert. Das sehe ich mittelfristig als großes Problem.

Was mich darüber hinaus beschäftigt ist der zunehmende Verfall von Staaten und die Zunahme von militärischen Konflikten die keinen Regeln mehr gehorchen und asymmetrisch geführt werden. Die zunehmende Privatisierung von Gewalt, also der Markt ausserhalb der regulären Armeen, hat glaube ich ein Volumen von 200 Milliarden Dollar pro Jahr erreicht. Das sind Dinge, die mich sehr beunruhigen. >> WEITER ZU SEITE 2

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Kommentar

21 Kommentare

  1. Eine perfekte Darstellung von Georg Schramm in Wort und Bild.
    Doch kein Lob ohne Tadel:
    G. Schramm will leider nichts wissen von dem relativ neuen Konzept eines Wirtschaftssystems namens „Wirtschaftswunder 2.0, BGE 2.0, oder Bandbreitenmodell“. Er scheint es regelrecht zu ignorieren, obwohl dieses Konzept doch für fast sämtliche Probleme, die von ihm so treffend beschrieben werden, effektive Lösungen anbietet.

  2. Lieber hochgeschätzter Herr Schramm, die Zeiten sind zu ernst, – wir können es uns nicht erlauben, irgendjemanden auszugrenzen. Niemanden. Ob „reflexiert“ oder „reflektiert“. Es ist keine Zeit für „polare“ Kindereien. Sie machten uns die Macht der Herrschaftssprache bewusst. Sobald wir uns vor ihr verbeugen, sie verinnerlichen.
    Um unbeeindrückt urteilen zu lernen, müssen wir lernen, alle Schreckgespenster, -alle-, zu verbannen. Ohne das kein befreiendes Er-Wachstum, sagte der Liliputaner.

    Mit den besten Wünschen
    Hans-Peter Schröder

  3. jetzt will er nur gegen jauch antreten!
    nein, georg, du hast deine chance gehabt:

    aber als zeichen, als ein schmaler streifen der hoffnung im morgengrauen, hätte seine kandidatur sicher vielen menschen mut gemacht, sich NICHT mehr sich alles gefallen zu lassen oder in argonie zu erstarren. diese gelegenheit wurde ohne not vertan. leider. Hemingway beschrieb in seiner erzählung „wem die stunde schlägt“ die geschichte eines freiheitskämpfers gegen die reaktion im spanischen bürgerkrieg.
    unser kämpfer blieb hinter dem ofen sitzen und ließ seine stunde verstreichen…

    alles lesen wollen? -> N75 bei
    DRESDNERFAMANEWS

  4. tolles tolles interview.
    bin gespannt was der herr schramm noch alles machen wird.
    klingt als hätte er alles andere als pension im sinn.

    schlieslich ist er so berühmt wie nie zuvor.
    eins noch ganz wichtig:
    schramm hat gesagt der bundeskanzler hat nur die macht des gesprochenen wortes.
    wenn das so ist, dann gibts keinen besser geeignet als ihn, für den job.
    um nicht zu sagen er hat ihn schon

  5. Alles richtig Herr Schramm, alles richtig, nur „das aus der Unterschicht nix kommt“, und Ihr erstaunen darüber, da sollten Sie nochmal drüber nachdenken.

    Die Unterschicht ist arm, krank und ausgebrannt, nachdem sie jahrzehntelang die Drecksarbeit erledigt hat, und ihr von den Medien Jahr ein Jahr aus vertellt wird sie sei selber Schuld. Wer sich noch regt wird mit Mieterhöhungen Stromschulden u. a. in die Insolvenz getrieben.

    Das ganze System lebt von „der Unterschicht“, was glauben Sie denn was einem Unterschichtler passiert der sich wehrt?

    Und was dann noch übrig bleibt gründet zur Zeit tatsächlich Genossenchaften.
    > http://www.youtube.com/watch?v=BQVOB0URp0c

    Denn die linke zu wählen bringt kein Geld.

    • “ … was glauben Sie denn was einem Unterschichtler passiert der sich wehrt? …“

      Ich frage zurück:

      “ … was glauben Sie denn was einer Unterschicht passiert die sich NICHT wehrt, weil sie ihre schärfste Waffe ohne Not aus der Hand gelegt hat: Solidarität??“

      Hella

      • Übrigens:
        Nur zwei Kriterien sind es, die Opfer von Tätern unterscheiden:

        1. der Grad ihrer Organisiertheit
        2. die Stellung zur Gewaltfrage.

        H.

  6. Herr Schramm, Sie fehlen so sehr in der Anstalt, vermute mal auch vielen „alten“ Kollegen…

    @Mats
    Die Gründe die Sie für das fehlende Engegement der Unterschicht anführen sind sicherlich eminent, nur sind diese kein nachvollziehbarer Grund bei Wahlen einmal alle paar Jahre ein Kreuz bei der einzigsten Interessenvertretung (DIE LINKE) zu machen.

  7. Der Herr Schramm…., er fehlt mir sehr im Fernsehen!
    Allerdings die Aussage: “das aus der Unterschicht nix kommt” verwundert mich. Denn der Herr Schramm müsste wissen, dass die Unterschicht weder Lobby noch Geld hat. Auch unsere so genannte „freie Presse“ hat mit der Unterschicht nichts am Hut, außer der üblichen Diskriminierung: „faul, dumm, Säufer, arbeitsscheu, selbst schuld“ etc. Was soll da also kommen? Die Leute sind mit Überleben und unsichtbar sein beschäftigt. Das ist ein Fulltime Job. Außerdem werden sie von unserem Staat massiv unter Druck gesetzt. Wenn sie sich nicht genehm verhalten, dann wird ihnen das Existenzminimum gekürzt. Zum Verhungern freigegeben, weil ungehörig verhalten. So läuft das, Herr Schramm!

    • Sie bringen es auf den Punkt! Leider begreifen sehr viele Bürger in D-Land die Situation der H4-Menschen nicht wirklich, und Herr Schramm macht da leider keine Ausnahme. Der sollte mal hören was Ralph Boes erzählt ->
      „Wie Behörden Hartz IV Empfänger überprüfen“
      http://www.youtube.com/watch?v=Bh6oDHuX9Go

      Der Aberwitz ist freilich die Vermutung, das die Spezialdemokraten und das Banksterzäpfchen „Hätte, hätte, Fahrradkette“ Peer irgend etwas verkehrt machen – das ist nun wirklich sehr naiv gedacht. Denn das wurde ziemlich sicher genau so bei der Konferenz in St.Moritz 2011 beschlossen. Naja, vielleicht weiß der Georg das alles auch, aber er sagt nix mehr dazu .. http://www.youtube.com/watch?v=J1wbUUnPUB0

    • 1.)
      „… dass die Unterschicht weder Lobby noch Geld hat.“

      Wer sollte sich denn um die Unterschicht kümmern, wenn sie sich nichtmal selber um sich kümmert und drauf wartet, daß andere ihr die Kastanien aus dem Feuer holen?

      Die Unterschicht braucht keine Lobby, sie IST Lobby („wäre zumindest eine, würde sie sich in aller Stille organisieren).

      H.

      • 2.)
        Die Unterschicht hat wenig (oberfaules) Geld, ja, aber sie hat Vermögen:

        Vermögen ist nicht das was man besitzt, sondern das, was man VERMAG – und das wäre eine Menge, käme die Unterschicht mal vom Fernseher weg und würde sich wieder regelmäßig im Hinterzimmer der Stammkneipe koordinieren! Aber solange der Fernseher läuft, Bockwurst und Bier noch bezahlt werden können, wird kein Finger gerührt. Wir haben biblische Zeiten: Ein ganzes Volk verkauft für ein Linsengericht sein (demokratisches, rechtsstaatliches, kuturelles und privates) Erbrecht.
        Dieses Volk wird entweder aufwachen, oder untergehen. Die Historie hat uns ja schon zweimal gezeigt, wofür sich die Deutschen aber entscheiden werden … „Das große Karthago führte drei…

    • Mir fehlt er im Fernsehen nicht, denn ich finde es besser, wenn Menschen aus Fleisch und Blut zusammenkommen(!), um ihn LIVE zu erleben – besonders wenn sie sich hinterher noch zusammensetzen und was organisieren!
      Fernsehen ist in meinen Augen nur noch Ruhigstellung und Vereinzelung der Massen: Jeder handlungsunfähig in seiner Wohnzelle: Ein Traum für alle Machtneurotiker und das organisierte Verbrechen, das sich nun ungehindert die Staatsgewalt unter den Nagel reißt – ganz „legal“.
      Die europäischen Völker müssen wieder lernen, praktisch und selbstbestimmt zu handeln – allem neuerlichen Obrigkeitsgehabe von Politik und „Justiz“ zum Trotz, denn letztere haben durch das von ihnen geschaffene Unrecht ihre Legitimation grundsätzlich…

  8. Ein angenehmes Interview, war kaum anders zu erwarten. Ich habe nur den Eindruck, dass Schramm zu viel Hoffnungen auf Steinbrück legt. Rot-grün nach der Wahl wäre vermutlich eine unangenehme Option, denken wir an das letzte rot-grüne Bündnis im Bund.

  9. Zunächst möchte ich sagen, dass ich Herrn Georg Schramm sehr schätze!

    Weniger schätze ich allerdings, dass eine Zeitung wie die NEOPresse offenbar nicht in der Lage ist, einen solchen Artikel Korrektur zu lesen. Ich habe jedenfalls mindestens 7 einfachste Rechtschreibfehler entdeckt.

    Entschuldigung, mich stört das erheblich.

  10. „… Man denkt, es kann nicht sein, dass man so viele Fehler immer wieder von Neuem macht. ..“

    Geehrter Herr Schramm, lassen Sie mich mit der alten russischen Weisheit antworten:

    „Was heißt hier „Fehler im System?!“ – Das ist der ZWECK des Systems!“

    Hella

  11. Hallo Herr Schramm,das Interview mit Ihnen finde ich sehr interessant. Liegt nicht eigentlich der dicke Hund darin begraben, dass der Linken vor einem Vierteljahrhundert nach dem Zerfall des (Ost-)Sozialismus, der -wenn auch vehement abgelehnt- trotzdem irgendwie existierte – auch als Utopie im Promillebereich – schlicht die wesentlich Idee abhanden kam, wohin sich die (Welt-)Gesellschaft entwickeln sollte?
    Ist dies nicht das Dilemma? Am Kapitalismus rumwerkeln war doch immer SPD
    und nie besonders sexy.
    Als Ersatz dafür wurde der „Rassismus“ entdeckt. Rassismus etc. ist allerdings nur einen „Nebenwiderspruch“.“Anti-Rassismus“ heutzutage bedeutet doch
    praktisch, dass man einem schwarzen Faschisten noch nicht mal die Meinung…