in Gesellschaft

„Du kannst gut erklären. Du wirst bestimmt ein guter Lehrer.“ Diesen Satz hörte ich ganz oft, als ich noch jünger war. Und diese Bestätigung war es, die mich damals dazu bewogen hat Lehrer zu werden.

Wie naiv von mir zu glauben, dass ein guter Lehrer vor allem gut erklären muss. Das war in den 70ern vielleicht so, als mein Vater Lehrer geworden ist.

Die Ernüchterung kam erst mit dem Referendariat. Als ganz andere Kompetenzen gefragt waren. Individuelle Förderung und Inklusion sind so große Themen, dass man allein über diese beiden Wörter ganze Bibliotheken füllen kann. Kurz gesagt: Mann soll die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler diagnostizieren und möglichst jedem Einzelnen eine, seinen Fähigkeiten entsprechende, Perspektive auf den Schulabschluss kreieren.

Gleichzeitig soll man sich aber an zentral  festgelegte Kriterien halten und auf eine zentrale Abschlussprüfung vorbereiten. Diese prüft erstens für alle die gleichen Kompetenzen ab und ist zweitens von Leuten entworfen, die entweder niemals in der Schule gearbeitet haben oder schon lange aus dem alltäglichen Schuldienst raus sind. Es sind Stubenhocker ohne aktuellen Anschluss an die Alltagswelt in den Klassenräumen, die zentrale Prüfungen entwickeln.

Die aktuelle Krise um die ZP10 zeigt dies wieder einmal auch öffentlich deutlich, dass die Alltagswelt und die Fähigkeiten der Kinder, nicht die sind, die man sich in verstaubten Büroräumen ausdenkt. Mehr als 42.000 Unterstützer einer Onlinepetition zur Neuauflage der zentralen Prüfung sehen das auch so. Die Schulwelt ist eben bunter und gut erklären muss man als Lehrer auch kaum noch.

„Jeder Schüler will lernen.“

Das ist der Ursprungssatz, den man in der Lehrerausbildung immer hört. Er ist der Ausgang aller Überlegungen und Strategien, wie guter Unterricht zu funktionieren hat. Dieser Satz alleine zeigt, dass die Alltagswelt der Schülerinnen und Schüler und die zentral entschiedenen Überlegungen aus den Büros der Bezirksregierungen nicht zusammen passen. Natürlich will nicht jeder Schüler lernen. Er will Spaß haben und Schule wird für ihn immer auch Zwang sein. Ich maße mir nicht an zu sagen, was richtig ist. Aber eine Lösung wäre denkbar einfach.

Anstatt jedes mal den roten Teppich auszurollen wenn mal ein Dezernent die Schule besucht und Diesem vorgefertigten Unterricht aus der Musterklasse zu zeigen,  sollte Dieser und andere Entscheider mal tatsächlichen Unterricht MACHEN. Nicht eine Stunde oder einen ausgewählten Tag. Sondern mal 1 Woche den Alltag der Lehrer und Schüler vom Klassenraum aus erleben. Entscheidungen, die alle Schüler und Lehrer betreffen, werden zur Zeit in Büroräumen getroffen. Dabei sollte sie dort stattfinden, wo sie wirklich gebraucht wird: In den Schulen selbst.

Ein Lehrer darf sich nicht so öffentlich äußern, wie ich es tue. Auch deshalb bin ich froh, kein Lehrer mehr zu sein. Man droht aufmüpfigen Lehrern gerne mit der Personalakte. Erst, seit ich aus dem öffentlichen Dienst ausgeschieden bin, darf ich mich wieder frei äußern. Und dies werde ich ab jetzt in Zukunft öfter tun und hoffe, dass auch Andere den Mut finden, Dinge, die eindeutig schief laufen und eine adequate Arbeit unmöglich machen, anzuprangern. Veränderung braucht immer Mut.

ANZEIGE

Dein Kommentar

Kommentar

  1. Hier wird die Wahrheit gesagt.
    Aber was nutzt das, wenn die Lehrer in ihrem Duckmäusertum verharren, um ihren finanziellen Vorteil nicht verlieren zu müssen?
    Und dann kommt es wieder zu der Erkenntnis, daß Veränderungen nur mit der zusammenhaltenden Gemeinschaft erbracht werden können. Aber da sieht es schlecht aus, obwohl sich die Lehrer zur Intelligenz zählen. Sie sind halt nur ein Teil von der heutigen deutschen Gesellschaft, wo sie sehr wohl nicht allein stehen in ihrem Spiel der Sabine hinter der Gardine.
    Olaf Opelt bundvfd.de

    • Ähnliche Argumente habe ich schon vor über 30 Jahren von meinem Vater gehört als er noch Realschulrektor war. Geändert hat sich seitdem kaum etwas.

    • Hallo Olaf!
      Nach ca. 40 Jahren an einer Gesamtschule in einem sozialen Brennpunkt sehe ich das ein wenig anders. Das von Ihnen angeprangerte „Duckmäusertum“ beruht darauf, dass viele Lehrer, zumindest früher, Beamte waren, und zwar Landesbeamte. In einem linksgrünen Bundesland (wie z.B. NRW) führt das dazu, dass man, besonders als Beamter, heutzutage mit Kritik an dem Regime sehr zurückhaltend umgehen muss, weil man sonst eine Disziplinarstrafe bekommt und eventuell zusätzlich seine Altersvorsorge gestrichen bekommt. Mindestens 20 Jahre Ausbildung und viele Jahre erfolgreiche Arbeit für den Staat waren dann völlig umsonst, und man steht dann vor dem Nichts und ist Sozialhilfeempfänger. Ein „finanzieller Vorteil“ existiert nicht.

  2. Der Lehrer ist eine zentrale Stelle,
    die Ideologie der nächsten Generation zu prägen . Lehrer sind ein zentrales Mittel zur Durchsetzung von Machtinteressen . Leher sind heute aus Überzeugung Gutmenschen und wählen RotGrün.
    Die Diskrepanz, der Lehrer ausgesetzt sind ist der Mangel der herrschenden Ideologie, die Diskrepanz zwischen Ideologie und Realität.

    • Das Bildungssystem hat sich in den letzten 40 Jahren so verändert, dass der heutige Studienabschluss einem damaligen schlechten Hauptschulabschluss gleicht. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn unkritisch und unüberlegt die angeblichen “ westlichen Werte“ von Schulen und Universitäten vorbehaltlos übernommen wurden, dabei handelt es sich um künstlich erfundene, die mit permanenter Propagandabeschallung politischer Schmierfinken begleiteter, angeblichen Werte (Genderwahn) der NWO-Lobbyisten. Wer in Schulen und Unis nach kritischer Intelligenz sucht, sucht meist vergebens, denn mit ewiger Umstrukturierung, jetzt auch noch mit Frühsexualisierung, links/grüner Ideologen wurde Kritik weitestgehend verbannt.

      • War bis in die 1980er Jahre Wissenschaft an den Universitäten vorrangig gegenüber Ideologie (die immer auch schon Einfluß hatte), so sind heute Ideologie und internationale Kapitalinteressen die richtungsweisenden Kräfte an den UNIs . Diese Entwicklung schwächt die Bedeutung der UNIs, ein „Zertifikat“ aus dieser Umgebung ist aber immer noch Voraussetzung, um bestimmte Jobs zu bekommen.

    • Ich bin Lehrer, pensioniert, habe in einem Kollegium von ca. 100 Lehrern gearbeitet, und ich sage Ihnen: Lehrer werden täglich mit dem „Elend“ konfrontiert, den Auswirkungen verfehlter Politik, und sind deshalb entgegen Ihrem pauschalen Vorurteil eben keine Gutmenschen. Die letzten 2 Zeilen Ihres Beitrags sind wirr.