in Gesellschaft

Als ganz junger Anwalt genoss ich den Vorzug, in einer ganz besonderen deutschen Anwaltskanzlei mitarbeiten zu dürfen, der Praxis Dres. Rock, Bergmann und Klemp in Iserlohn. Der Superjurist der Praxis war der hochgelehrte Dr. Bergmann, der hervorragende elegante Anwalt war Dr. Gerhard Rock.  Letzterer nahm mich nach einem erfolgreichen Prozesstag, zu dem ich ihn begleiten durfte, auf die Seite, um mir einen wichtigen Hinweis zu geben.

„Der einzige Feind des Anwalts ist der Mandant“, hob er an. „Wir sind zwar immer auf der Suche nach Mandanten und tun für sie, was wir können. Sie aber danken es uns schlecht, indem sie nur maulend und schleppend die Gebühren zahlen. Stellt sich der Prozesserfolg nicht ein, gibt der Mandant sofort seinem Anwalt die Schuld. Fürchtet er im Verfahren, dass er womöglich unterliegt, fällt er seinem Anwalt offen in den Rücken und verhandelt direkt mit dem Gericht und der Gegenseite. Das Gericht will uns normalerweise nichts, auch nicht der Staatsanwalt, die Kollegen auf der Gegenseite und am wenigsten deren Mandanten“, fuhr er fort, „besonders der Prozessgegner  denkt laufend daran, ob er nicht beim nächsten Rechtsstreit lieber mit Ihnen an seiner Seite bei Gericht auftritt“.

So blauäugig, wie ich damals die Rollen der Beteiligten im Rechtssystem gesehen hatte, so naiv waren früher wohl auch die Politiker, die sich nach dem verlorenen II. Weltkrieg um die Besserung der Verhältnisse in unserem Land bemühten. Damals glaubte jedermann unabhängig von der Couleur praktisch allen von uns in den Bundestag Gewählten und den von ihnen bestimmten Regierungen, dass sie dem Volke wirklich wohlgesonnen waren und – wie der Amtseid es verlangte – allein dem Wohle des deutschen Volkes dienen wollten. Und heute?

Muss man heute einem Politiker, gleich in welcher Funktion, sagen, dass er in der politischen Realität nur einen einzigen Feind hat, nämlich das Volk? Natürlich nicht. Die sich selbst über die immer gleichen Parteien selbst ergänzende Politikerkaste  hat die Machtverhältnisse in der repräsentativen Demokratie in mehr als 60 Jahren voll verinnerlicht und weiß, dass es niemand außer dem Volk gibt, der ihre Herrschaft im Lande jemals gefährden könnte.

Wer das bis heute nicht weiß und sich leichtgläubig immer wieder täuschen lässt, ist nur das Volk. Das Volk gehört auf die Seite genommen, damit es begreift, dass es im Staat und in der Gesellschaft längst nicht mehr um das Wohl der Allgemeinheit geht – und natürlich niemals darum, was das Volk ausdrücklich für gut und richtig hält.

Die Politiker haben allerdings wenig Grund, das Volk, ihren Feind, zu fürchten. Wenn überhaupt, sind nur mündige Bürger gefährlich, die eine eigene Meinung artikulieren und den Mut haben, einen Fortschritt einzufordern, der nicht mit den Interessen der Politiker und ihrem Klientel übereinstimmt. Eigentlich weiß doch jeder im Volk, dass unter den Westalliierten  sich die USA und Großbritannien einig sind, uns die volle Souveränität noch viele Jahrzehnte vorzuenthalten. Warum sonst verweigern sie uns den längst fälligen Friedensvertrag? Ihre permanente Ausforschung aller unserer Daten bekräftigt das nur. Wir werden durch die USA und die sie bestimmenden globalen Großkonzerne gegen unseren wahren Willen in ein zentralistisches Europa gepresst, das frei ist von allen ernsthaften demokratischen Interventionen. Wir werden daher auch bald genmanipulierte Nahrung essen und Gas mit Fracking fördern müssen, weil die globalen Konzerne das verlangen. Unsere Politiker stehen nicht im Bund mit dem Volk. Dadurch, dass sie unser Land bewusst dem Zugriff fremder Mächte preisgeben, schaffen sie international eine Situation, in der ihre Macht im Lande auch von außen nicht in Frage gestellt wird.

Solange sich das Volk aber über seine wahre Beziehung zu den gewählten Politikern nicht im Klaren ist, wird es nicht mündig werden. Es hat gegenüber der Macht der der Politik unterworfenen Medien auch keine Chance. Das Internet hält nur ein kleines Hoffnungsfünchen am Leuchten. So lange sich da nichts ändert, gilt das Wort von Karl Jaspers, dass „die Demokratie wächst mit dem Denken des Volkes. Ohne dieses ist sie eine entsetzliche Täuschung. Daß die Entwicklung dieser Urteilskraft möglich ist, ist die Idee der Demokratie.“

In dieser Täuschung leben wir. Die Idee der Demokratie dagegen ist tot.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen. -Johann Christoph Friedrich von Schiller-

    Denn wir ermöglichen diese Leute mit unserem Kriechen doch erst.

  2. Spätestens wenn unsere psychopathischen Volksverräter TTIP durchwinken – und das werden sie tun – ist es vorbei, denn dieses „Freihandelsabkommen“ ist nichts Anderes als ein faschistischer Putsch in allen europäischen Staaten gleichzeitig, also die endgültige Kapitulation der kümmerlichen Überreste unserer parlamentarischen Demokratien vor der Allmacht der Konzerne: Willkommen in der Feudalherrschaft!

    Und wie immer können wir uns darauf verlassen, daß Mutti dem verpennten, doofen deutschen Michel diesen Putsch als „alternativlos“ verkauft, mit voller Propaganda-Unterstützung unserer verhurten Leitmedien …

  3. Die Russen sind frei von konzernenmacht und, geht dene gut? Niemand in Deutschland will hin. Zwar fliegt kein f16 über kopf, aber auch kein BMW vor die tur .

  4. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus!
    Ist das wirklich so in Deutschland?

    Am 12. November hat der Deutsche Bundestag erneut über einen Gesetzentwurf, diesmal von der Fraktion DIE LINKE, zur Durchführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene abgestimmt.
    Der Antrag wurde von den anderen Fraktionen abgelehnt oder durch Stimmenthaltung praktisch abgewiesen.

    Die Abgeordeneten des Bundestages stimmten also darüber ab, ob das Volk das ihm in Artikel 20 zugesicherte und „uneingeschränkte Recht“ auf Abstimmungen auch auf Bundesebene ausüben darf.

    Diejenigen also, die vom Volk gewählt wurden um unmittelbar Staatsgewalt auszuüben, verweigern also denjenigen die sie dazu ermächtigt haben, selbst unmittelbare Staatsgewalt auf Bundesebene…