in Gesellschaft

Ja, es ist tatsächlich paradox. Paradox, was sich in den westlichen Ländern, aber nicht nur dort, zurzeit in der Politik abspielt. Um die zwei Jahrhunderte alte Faustregeln werden einmal wieder umgeworfen. Die weit rechten Flügel der Politik haben sich in den letzten Jahren nämlich zu starken Volksparteien etabliert. Dabei waren es doch die sozialistischen und linken Parteien, welche immer die Arbeiter vertreten haben.

Die Gründe können vielerorts gefunden werden. Vielleicht wurzelt diese Wende an der stummheimlichen Xenophobie des Arbeitervolkes oder gar an seinen unbeachteten Ängsten. Oder es werden in diesen Zeiten nur einfache und schnelle Lösungen gesucht. Erklärungsversuche gibt es einige.

Habitus der sozialen Parteien

Einer davon wird dieser hier sein: Die Entfremdung der linksgerichteten Politiker mit ihrer Wählerschaft. Bereits Pierre Bourdieu, ein wichtiger angebeteter französischer Soziologe des letzten Jahrhunderts (1930-2002), sah, dass sich Menschen mit ähnlichem ökonomischem Kapital in verschiedenen kulturellen Kapitalsklassen bewegen und so Umgebungen schaffen, die Menschen mit anderem kulturellem aber auch ökonomischem Kapital andersartig und ablehnend erscheinen können.

Diese Umgebungen, geprägt von den Menschen mit ähnlichem ökonomischem und kulturellen Kapital durch deren Sprache, Gestik und weiteren Besonderheiten, nennt Bourdieu Habitus. Das Individuum bezeichnet er übrigens selbst als Habitus-Träger.

Und der Habitus jener linksgerichteten Bourgeoisie, gestellt von Akademikern, Wissenschaftlern und sonstigen sozialen Politikern, ist mittlerweile stark vom Habitus des sogenannten Arbeitervolkes abgedriftet. So wie sich der Parteiobmann der Sozialen ausdrückt, spricht der Bäckerlehrling von nebenan nicht. Es wird kaum noch eine Verbindung zur eigentlichen Wählerschaft der linksstehenden Parteien aufgebaut.

Teilweise sogar das Gegenteil. Stimmen aus dem „einfachen“ Volk werden ins Lächerliche gezogen, Ängste als dumm, xenophob oder rassistisch abgestempelt und Wahlprogramme der rechten Parteien wissenschaftlich analysiert und als Humbug abgestempelt. Die Wissenschaft erklärt, warum die „tollen“ Lösungen der rechten Parteien langzeitig keine echten Lösungen sind und alle Studenten und Akademiker klatschen entzückt, Otto Normalverbraucher schert das aber weniger. Vielleicht auch, weil er weder mit hochwissenschaftlichen Methoden noch mit dem gewählten Vokabular vertraut ist.

Viele rechte Parteien hingegen sprechen zurzeit viel eher die „Sprache des Volkes“ und können immer bessere Ergebnisse einfahren. Dies konnte kürzlich in den Vereinigten Staaten beobachtet werden. Die linke Seite im Parlament sollte sich daher versuchen sich wieder um ihre Wählerschaft zu kümmern und die vorgeschlagenen Lösungen für angefallene Probleme dieser verständlich näher zu bringen anstatt sich als elitär darüber zu stellen und zu glauben, die würden das sowieso nicht verstehen.

Anmerkung zum Schluss: Dem Verfasser dieses Artikels ist wohl bewusst, dass hier in wenigen Zeilen auch viel generalisiert wurde. „Einfaches Volk“ und weitere benutzte Begriffe sollen nicht abwertend aufgenommen werden, sondern dem einfachen Verständnis dienen. Ziel dieses Artikels ist, dass sich der Leser bewusst wird, dass wir uns alle in einem Habitus befinden, der von ökonomischen als auch kulturellem Kapital markiert ist, und, dass genau aus diesem Grund Leser eines sehr unterschiedlichen Habitats zum Beispiel diesen Artikel nicht lesen werden oder würden.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Ein wenig verallgemeinern ist nicht so schlimm, wenn man das wie hier mitVorischt tut. Aber der Autor zeigt hier ein ewiges Problem vieler linker Besserwisser auf, die sich mehr für ihre angeblich tollen Geistesblitze interessieren als für die Bedarfe des „einfachen“ Volkes.

  2. Es ist sehr richtig, daß man mit einfacher Sprache Probleme aufzeigt, wobei man aber nicht immer richtig liegen kann.
    Das gilt bei mir genauso wie bei anderen.
    Der Habitus ist ein gewisses Problem, das tatsächlich besteht, letztendlich aber ist es wie der Verfasser es sagt, daß das ganze Problem von den Herrschenden wissenschaftlich aufgearbeitet ist um somit bestmöglich Menschen zu beherrschen, nicht zuletzt indem man sie aus der Mitte der Gesellschaft auf die linke und rechte Seite drängt und den in der Mitte gebliebenem Mensch es über wird, sich darüber noch einen Kopf zu machen.
    Es ist letztendlich also unbedingt notwendig, daß die Menschen den Kadavergehorsam ablegen und ihre selbstbewußte Eigenverantwortung wieder aufnehmen.

    Olaf Opelt
    Bundvfd.de

  3. „Das Soziale“ wurde von Interessen des Internationalen Kapitals gekapert . Sowohl auf intellektueller Ebene als auch bei den Gewerkschaften .
    Es war nicht so kompliziert : Die Wirklichkeit wurde durch public relations ersetzt und Gewerkschafter als auch der ehrgeizige Künstler und Intellektuelle folgtem dem Geld=Erfolg .
    – während reale Solidarität und Selbstbestimmung und die Basis für die Möglichkeit der Selbstbestimmung systematisch gebrochen wurden.

  4. Echte paradoxale Erkenntnisse werden in Deutschland niemals gesendet, das verhindert schon die staatliche Zensurbehörde und das vom Milliardär Soros finanzierte Wahrheitsministerium „correctiv.org“.
    Wer wirklich wissen will wohin die Reise in Deutschland und Europa geht, der sollte sich das Buch von Udo Ulfkotte „Albtraum Zuwanderung“ von 2011 zulegen – dort bekommt jeder Freigeist das Gefühl beim lesen, als hätte ihn ein Wagen gerade rechts überholt – es war aber nur der Zeitgeist. Lesen – Denken – Handeln!