in Finanzsystem

Das Geheule um amerikanische Strafzölle ist groß. Die EU echauffiert sich, agiert nach der Methode „Haltet den Dieb“ und gibt sich als Paradies für den Freihandel. Wie so vieles, was aus Brüssel kommt, ist auch das, sagen wir mal, „geschönt“.

„Der ungewichtete Durchschnittszoll der EU liegt bei 5,2 Prozent, jener der USA bei 3,5 Prozent“, heißt es aus dem ifo-Institut. Die Durchschnitte verbergen hohe Zollspitzen in vielen Branchen. Wenn US-Präsident Trump massive Zölle beklagt, hat er zumindest punktuell nicht Unrecht, so die Schlussfolgerung.

Die EU verlangt z.B. auf amerikanische Motorräder 6 Prozent Einfuhrzoll, auf Personenwagen 10 Prozent, auf Äpfel 17 Prozent und auf Weintrauben sogar 20 Prozent. Die Importzölle der USA sind im Durchschnitt niedriger, auch hier gibt es aber Spitzen. So werden bei Handtaschen 8 Prozent fällig, bei Schokolade 9 Prozent, bei wichtigen Milchprodukten durchschnittlich 20 Prozent, bei Babynahrung sind es 23 Prozent, bei Kleinlastwagen 25 Prozent.

2015 wurden Exporte der USA in die EU mit 5,7 Mrd. Dollar Zoll belastet, bei einem Volumen von 274 Mrd. Dollar. Die mit einem Volumen von 422 Mrd. Dollar viel höheren Exporte der EU in die USA führten zu Zollzahlungen von rund 7,1 Mrd. Dollar. Der effektive Zollanteil an den Exporten der USA in die EU kommt somit auf 2,08 Prozent, derjenige an den Exporten der EU in die USA kommt auf 1,87 Prozent. Die USA zahlen also einen höheren effektiven Zollanteil (Datenquelle) – jedenfalls 2015, neuere Daten liegen nicht vor.

Die angekündigten Strafzölle der USA auf Stahl treffen China – jedenfalls nicht. Die chinesischen Stahlimporte in die USA machen nicht einmal zwei Prozent der gesamten Stahlimporte aus. Kanada ist der mit Abstand größte Importeur von Stahl in die USA. Das Verhältnis der Importe aus Kanada im Vergleich zu denen aus China liegt bei 7,25:1. Neben Kanada zählen Brasilien, Südkorea und Mexiko zu den größten Lieferanten, Deutschland liegt auf Platz acht, China auf Platz elf.

Angesichts dieser Rangfolge ist unschwer zu erkennen, dass hier ein Zusammenhang mit den laufenden Nachverhandlungen des Nafta-Abkommens zwischen den USA, Nexiko und Kanada besteht. Zum Nafta-Abkommen siehe hier!

Insgesamt werden mehr 30 Prozent des US-Stahlverbrauchs importiert. Das wird von der Trump-Administration mittlerweile als Sicherheitsrisiko gesehen. In der US-Industrie sind etwa sechs Millionen oder 4 Prozent aller Arbeitsplätze mit der Verarbeitung von Stahl und Aluminium beschäftigt.

Die EU sollte auf die jüngsten Ankündigungen der Trump-Administration, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu erheben (25 Prozent, bzw. 10 Prozent), mit Vergeltungszöllen reagieren, fordert das ifo-Institut. Das sei durch die WTO erlaubt. Damit beginne zwar ein Handelskonflikt, der nur Verlierer kennt, was eine extrem bedauerliche und auch gefährliche Entwicklung einleite. Aber es sei keine Option, auf eine glaubwürdige Drohung mit Vergeltungszöllen zu verzichten. Anderenfalls würde sich Europa unglaubwürdig machen, andere Länder könnten sich ermutigt fühlen.

Die Gefahr ist in der Tat, dass die Politiker rund um den Globus nun ihrerseits zu protektionistischen Maßnahmen greifen. So könnte eine Welle losgetreten werden, die die internationale Arbeitsteilung beeinträchtigt und somit die globale Produktivität tangiert.

Das wiederum wirke sich negativ auf die Entwicklung des Wohlstands in der Welt aus, heißt es von den Verfechtern des Freihandels. Zudem dürfte das internationale Konflikte eskalieren lassen, was auch Kriege wahrscheinlicher macht.

Es macht allerdings wenig Sinn, die Fahne des Freihandels jetzt unkritisch hoch zu halten gegen protektionistische Bestrebungen. Beides folgt bestimmten Interessen und es ist keinesfalls so, dass mit dem Freihandel nur positive Seiten verbunden sind – erst recht nicht in einer so weit fortgeschrittenen Stufe der mit dem Ende des Bretton Woods Systems eingeleiteten modernen Globalisierung.

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