in Europa

Kriege fallen nicht vom Himmel. Sie werden geplant und vorbereitet.

Von Kathrin Vogler – Um Kriege beginnen zu können, braucht eine Regierung nicht nur eine gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee, sie braucht auch Verbündete in der Welt und vor allem die Zustimmung oder zumindest Duldung des Kriegs durch die eigene Bevölkerung. Schließlich sind es die Bürgerinnen und Bürger, die den Krieg bezahlen: nicht nur mit ihren Steuern, sondern häufig auch mit Leben und Gesundheit ihrer Kinder, im Fall der Erfolglosigkeit auch mit der Zerstörung ihrer Heimat und ihrer wirtschaftlichen Existenz.

Deswegen unterhalten alle Regierungen in den Geheimdiensten und Militärstäben besondere Abteilungen für psychologische Operationen, die sich nicht nur gegen den (vermeintlichen) Gegner richten, sondern auch die Aufgabe haben, die eigene Öffentlichkeit zu beeinflussen, zu lenken und bei Bedarf auch zu täuschen. Kriegspropaganda ist häufig nicht leicht als solche zu erkennen. Dabei geht es darum, ein Bedrohungsgefühl und Feindbilder zu erzeugen, nationalistische Stimmungen zu schüren, Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen und die eigene Aufrüstung und Kriegsvorbereitung zu rechtfertigen.

Lügen, Propagandaerzählungen oder inszenierte Angriffe der Gegenseite gehören seit jeher zum Repertoire. Der Zweite Weltkrieg begann mit einem fingierten Angriff von SS-Männern, die als polnische Soldaten verkleidet waren, auf den Sender Gleiwitz. Der Eintritt der USA in den Vietnamkrieg wurde durch einen angeblichen Beschuss amerikanischer Schiffe durch nordvietnamesische Einheiten initiiert („Tonkin-Zwischenfall“).

Nach dem Einmarsch der irakischen Armee in Kuwait am 2. August 1990 inszenierte die PR-Agentur Hill & Knowlton im Auftrag kuwaitischer Regierungskreise den Auftritt einer jungen Frau vor einem US-Komitee, die behauptete als Krankenschwester beobachtet zu haben, wie irakische Soldaten in eine Entbindungsstation in Kuwait City eindrangen und dort Babys aus Brutkästen gerissen und zum Sterben auf den Boden gelegt hätten. Daraufhin bewilligten Senat und Kongress der Vereinigten Staaten die militärische Intervention der USA in diesem Krieg.

Die rot-grüne Bundesregierung des Jahres 1999 inszenierte einen angeblich existierenden „Hufeisenplan“ der jugoslawischen Streitkräfte zur Vertreibung der albanisch-kosovarischen Bevölkerung als nachträgliche Legitimation des völkerrechtswidrigen NATO-Kriegs gegen Jugoslawien. Und die türkische Regierung begründet ihren Einmarsch in der nordsyrischen Provinz Afrin mit angeblichen Raketenangriffen der kurdischen Verteidigungseinheiten gegen türkisches Gebiet.

Angesichts dieser und vieler weiterer Erfahrungen ist es mehr als ratsam, für den Anschlag auf den russisch-britischen Doppelagenten Skripal keine voreiligen Schuldzuweisungen zu erteilen. Es wäre auch sinnvoll, die angebliche russische Aufrüstung, mit der die NATO ihre eigenen expansiven Aufrüstungspläne begründet, einer skeptischen und realistischen Bewertung zu unterziehen. Ist ein Militärbudget von um die 60 Milliarden Euro für ein Riesenland wie Russland tatsächlich überzogen, wenn doch allein Deutschland und Frankreich zusammen schon mehr ausgeben und allein China das Dreifache?

Welchen Sinn ergibt es, ohne eindeutige Beweise für die Urheberschaft des Attentats allein auf der Basis gefühlter Wahrscheinlichkeiten eine maximale diplomatische Krise zu erzeugen? Was soll die überbordende antirussische Propaganda in allen öffentlich-rechtlichen Kanälen und im überwiegenden Teil Mainstream-Medien, wenn nicht das altbekannte Feindbild des rücksichtslos aggressiven Russen wiederbeleben und vertiefen? Die Deutschen jedenfalls bleiben erstaunlich gelassen: Nach einer aktuellen Umfrage des Springer-Mediums DIE WELT wünschen sich 58% der Befragten ein besseres Verhältnis zu Russland. Nur 14% sind mit der aktuellen Russland-Politik der Bundesregierung einverstanden.

Dennoch darf man die aktuellen Entwicklungen im Verhältnis zu Russland nicht unterschätzen. Es ist sehr gut möglich, dass wir uns mitten in der propagandistischen Vorbereitung eines neuen Kriegs auf europäischem Boden befinden. Aber es bleibt nicht bei Propaganda. Die Bundeswehr soll neue Winterausrüstung bekommen, die Brücken und Straßen Richtung Osten sollen panzertauglich gemacht werden und schon zur Konversion vorgesehene Militärgelände werden neuen militärischen Verwendungen zugeführt. Das sind sehr konkrete Maßnahmen der Kriegsvorbereitung.

Ein weiteres Anzeichen ist der jüngste Vorstoß der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Wiederbelebung der Wehrpflicht in Deutschland. Wir müssen wachsam bleiben!

Anmerkung:

Kathrin Vogler  ist Bundestagsabgeordnete der Linken und Expertin für Friedens- und Außenpolitik. Mehr von ihr findet man auf www.kathrin-vogler.de

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12 Kommentare

  1. Es ist sehr gut kriegsvorbereitende Maßnahmen aufzuzeigen, es ist sehr gut zu Wachsamkeit aufzurufen; es ist schlecht sich selbst an den linken und rechten Rand zu drängen und damit die Gemeinschaft zu schwächen. Und es ist auch schlecht keinen Ausweg aus dem Dilemma aufzuzeigen, der eine volksherrschaftliche Verfassung bietet und dessen zivilen Weg dahin die Bürgerklage.
    Olaf Opelt
    Bundvfd.de

  2. Die Zeichen stehen wirklich wieder auf Krieg. Zwar habe ich es nicht miterlebt, aber ich denke, vor dem ersten und dem zweiten Weltkrieg gab es ähnliche Entwicklungen. Hetze gegen bestimmte Staatschefs, denen völlig absurde Dinge unterstellt werden. Einstimmen der Presse – heute der Medien – auf Krieg. Wobei das Fernsehen heute noch weitaus mehr Einfluß auf die Menschen hat. Und selbst der Ö.R. Rundfunk macht mit.
    Die Mehrheit der Deutschen mag ja für eine Zusammenarbeit mit Russland und gegen einen Krieg sein. Aber die Mehrheit unseres Volkes hat sich auch von der Propaganda einlullen lassen. Was nützt Wachsamkeit? Wenn eine FalseFlag- Aktion alles ins Rollen bringt, werden die irrationalen Lügen der Kriegshetzer endgültig zur Realität.

  3. Spätestens seit den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 ist für jeden denkenden Menschen erkennbar, dass die deutsche Politik und ihre MSM auf Hochtouren gegen Russland laufen.

    Dabei verstricken sie sich selbst in immer neue Widersprüche und produzieren ein Paradoxon nach dem anderen. Dadurch werden die sehr einfachen Denkstrukturen, die hinter dieser einheitlich gesteuerten Propaganda stecken, überaus deutlich.

    Es wird faktenfrei gearbeitet und es müssen permanent selbst erzeugte Assoziationen, wie zum Beispiel chemische Waffen = böse = Assad = Putin = Russland = böse, herhalten.

    Die unheilvolle Allianz von Politik und MSM wird nur durch das Internet gestört. Deshalb auch die Angriffe gegen facebook, google (youtube) und Co..

    • …ein weiterer Mitdenker–spätestens wenn J.Stoltenberg ein Überdenken in wesentlichen Fragen des Bündnisses einfordert,Cyber-Attacken sofort beantwortet sehen will,einen Zusatzartikel zur Präambel vorschlägt der es der Nato erlaubt „Präventivschläge“gegen-unsere Verteidigungsbereitschaft gefährdende Angriffe fremder Mächte-zu führen,erkennen wir die Strategie Feindbild Russland=Testlauf Türkei/Syrien=Skripal-Krise als Manipulation uns erneut auf Krieg einzustimmen….Zu weit hergeholt?Schwarzmalerei eines Spinners??-Oder doch als mögliche „Entwicklung“vorstellbar?

      • Jens Stoltenberg ist die Steigerungsform von Anders Fogh Rasmussen. Beide haben maßgeblich erreicht, dass die Welt unsicherer, als zu Zeiten des Kalten Krieges, geworden ist.

        Die Einbeziehung von Cyber-Attacken und damit auch von angeblichen Cyber-Attacken, sowie die reflexartige Schuldzuweisung haben die Gefahr eines Krieges drastisch erhöht. Für Deutschland, mit seinen Zielen – die jetzt noch durch den Bau weiterer Nato-Standorte erhöht werden – wäre es das absolute „Aus“.

        Wer diese und weitere Zeichen wahrnimmt und diese anspricht, der betreibt keine Schwarzmalerei, der ist Realist. Leider ist vielen Mitbürgern die Fähigkeit abhanden gekommen, über den Ist-Zustand auch mögliche Folgen zu erkennen.

  4. Kriege werden von Menschen gemacht von Kapitalisten und verbrecherischen Politikern die nur ein Interesse haben dem Kapital das notwendige für einen Krieg zu geben. Krieg beginnt immer mit politischer Propaganda der perfidesten Form der LÜGE. Darstellungen werden verdreht und es wird gehetzt was das Zeug hergibt. Wahrheit lächerlich, Tatsachen oder Meinungen kritischer Hinterfragungen lächerlich. Das Volk soll scharf gemacht werden und damit brav in den Krieg ziehen. Wer glaubt seit Hitler ist der Krieg nicht mehr machbar der Irrt gewaltig der Krieg ist heute näher als mancher zu glauben mag. Ich dachte auch einmal wenn der Gegensatz der Systeme Sozialismus – Kapitalismus aufgehoben ist werden die Völker zum Frieden kommen. Ein Irrtum.

  5. Denkt erst einmal an euch und eure Familie.Sobald der Wasserhahn trocken und die Supermärkte geschlossen sind, bricht Panik aus.Denn der Hauptkrieg findet nach den Angriff der Nato auf Rußland in Deutschland statt.

  6. Wenn ich bedenke, wie durch eine elektromagnetische Bombe ganze Stadtteile plötzlich keinen Strom haben, wissen wir, in welcher Lage wir uns befinden können. Science Fiction Romane können real werden. Allein schon der Skripal Vorfall zeigt, wie tödlich ältere Chemiewaffen sein können. Was erst heute? Fazit: Der kalte. Krieg war nie zu Ende…die Aufrüstung und Modernisierung hat weiterhin stattgefunden. Putin hat mehrmals vor der Eskalationsspirale gewarnt. Nun ist sie da…